Kinder kollabieren vorm Computer

Corona-Pandemie: Dortmunder Arzt blickt besorgt auf schwere psychische Folgen für Kinder

Trauriges Mädchen sitzt auf dem Boden
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Auch für Kinder ist die Corona-Krise eine enorme Belastung (Symbolfoto).

Nicht nur die Wirtschaft leidet unter der Corona-Krise, sondern auch die Kleinsten unter uns. Ein Dortmunder Arzt spricht von Auswirkungen auf die Kinder-Psyche.

Dortmund – Seit nunmehr einem Jahr leben wir mit dem Coronavirus*. Die Pandemie hat massive Auswirkungen auf das öffentliche Leben, auf die Wirtschaft und auch auf jedes Individuum. Und nicht nur Erwachsene leiden unter den Unsicherheiten und Ängsten. Der Direktor der Westfälischen Kinderklinik in Dortmund spricht von schweren psychischen und physischen Störungen bei Kindern, wie RUHR24.de* berichtet.

KlinikKlinik für Kinder- und Jugendmedizin, Klinikum Dortmund gGmbH
SitzDortmund, Klinikviertel
KlinikdirektorProf. Dr. med. Dominik Schneider

Folgen der Coronavirus-Pandemie: Arzt berichtet von psychischen Störungen bei Kindern

„Homeoffice ist nichts für Kinder“, das hatte schon Armin Laschet (CDU) in einer Rede im NRW-Landtag treffend festgestellt. Ziel sei es Schulen und Kitas so schnell wie möglich wieder zu öffnen. Doch noch bleiben sie geschlossen. Besonders die Verbreitung der Coronavirus-Mutationen aus Großbritannien und Südafrika bereiten derzeit einigen Kitas Sorgen* und verzögern die Pläne, die Institutionen wieder zu öffnen.

Doch wenn es nach Dr. Dominik Schneider, Direktor der Westfälischen Kinderklinik in Dortmund, geht, müsste der Schritt der Öffnung so bald wie möglich geschehen. Der in Dortmund tätige Arzt sprach im Deutschlandfunk davon, dass es immer häufiger zu schweren psychischen und physischen Störungen bei Kindern kommt – Schuld sei die Corona-Krise.

Corona-Pandemie: Kinder kollabieren und verwahrlosen – Familien fühlen sich allein gelassen

Depressive Störungen, Essstörungen oder pathologisches Medienverhalten nehmen in der Corona-Pandemie zu. Das würde sich laut Schneider durch alle Schichten ziehen. Er spricht sogar von Kindern, die behandelt werden mussten, weil sie kollabierten, nachdem sie die ganze Nacht lang am Computer gespielt hätten. Zudem würden sich einige Kinder schlecht ernähren, immer mehr verwahrlosen (alle News zum Coronavirus in NRW* bei RUHR24.de).

Die Einschränkungen für Kinder sind massiv. Nicht nur, dass Schulen und Kitas geschlossen haben. Auch andere Freizeitaktivitäten sind großteils gestrichen, Freunde treffen wird zur Ausnahme. Laut Schneider würden von den sozialen Räumen Familie, Schule und Freunde gleich zwei wegfallen. Das hat Auswirkungen. Außerdem würden sich Eltern und Kinder in der Krise alleingelassen fühlen.

Corona-Pandemie: Kinder werden verhaltensauffällig – Forderung nach Öffnung der Schulen

Ähnlich sieht es die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV). „Schon jetzt berichten Kinderärzte und Jugendtherapeuten über eine massive Zunahme von Kindern, die verhaltensauffällig sind“, erklärt der KBV-Chef Andreas Gassen gegenüber der Rheinischen Post. Das sei kein Wunder, wenn sie über Wochen keine anderen Kinder zum Spielen hätten und es kaum noch einen strukturierten Tagesablauf gebe.

Gassen fordert, die strengen Maßnahmen bald zu lockern. Schulen sollten demnach so bald wie möglich wieder geöffnet werden. In Schulen kämen zwar viele Menschen zusammen, als Infektionstreiber seien sie laut Gassen allerdings nicht wirklich aufgefallen (alle News zum Coronavirus in NRW im Live-Ticker* von RUHR24.de).

Der stellvertretende NRW-Ministerpräsident Joachim Stamp spricht sich dafür aus, die Impfreihenfolge zu ändern.

Das passt zu der Forderung von NRW-Familienminister Joachim Stamp (FDP), er spricht sich dafür aus, die Impfreihenfolge zu ändern, sodass Beschäftigte von Kitas und Schulen bald wieder ihre Arbeit aufnehmen könnten. „So könnte in Schulen, Kitas und Kindertagespflege der Weg zur Normalität erleichtert werden“, sagt der Minister laut Deutscher Presse-Agentur.

Video: Wie leiden Kinder unter der Situation?

Coronavirus-Krise: Dortmunder Arzt fordert die Öffnung von Schulen und intelligente Lösungen

Der Mediziner Schneider sieht in seiner täglichen Arbeit in der Kinderklinik in Dortmund, welche Auswirkungen das Coronavirus in unserer Welt noch haben kann. Daher fordert er intelligente Lösungen wie etwa in Frankreich. Dort sei die zweite Corona-Welle trotz geöffneter Schulen gut bekämpft worden. Wie es bisher in deutschen Schulen lief, reiche nicht aus.

Neben Mund-Nasen-Bedeckungen und geöffneten Fenstern müsse die Nachverfolgung der Infektion verbessert werden und der Schulweg sicherer gemacht werden. Die Schulen sollten schrittweise wieder geöffnet werden. „Wir müssen wirklich die Stimme der Kinder hören“, sagte Schneider im Interview mit Deutschlandfunk. *RUHR24.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

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