Kampstraße: Neue Luxus-Studentenwohnungen geplant

Ein Luxus-Studentenwohnheim soll auf dem Gelände vom alten Karstadt-Technik-Haus an der Kampstraße entstehen. Grafik: Gerber Architekten
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Ein Luxus-Studentenwohnheim soll auf dem Gelände vom alten Karstadt-Technik-Haus an der Kampstraße entstehen. Grafik: Gerber Architekten

Dortmund/NRW - Es war ein "Schandfleck": Das alte Karstadt-Technik-Gebäude. Jetzt soll es abgerissen werden. Ersetzt wird es durch luxuriöse Studentenwohnungen.

Cityring-Chef Dirk Rutenhofer nannte es einen "Schandfleck": Das verwahrloste frühere Karstadt-Technik-Haus. Der neue Besitzer will das Gebäude jetzt abreißen und durch eine Studentenresidenz ersetzen. Die ist aber nichts für den Durchschnitts-Studenten.

Dortmund - In 430 Wohnungen können bald Studenten aus ihren bodentiefen Fenstern den Blick auf die Innenstadt genießen. Vor den Fenstern sollen die Betten der vollmöblierten Zimmer stehen. "Die Bewohner werden dann vom Bett aus die Aussicht genießen", sagt Benjamin Sieber vom verantwortlichen Architekturbüro Gerber Architekten.

Zur Residenz gehören auch noch diverse Gemeinschaftsräume, ein Fitnessstudio und ein Concierge-Service- alles Dinge, die man nicht unbedingt mit studentischem Wohnen in Verbindung bringt. Im Erdgeschoss des Gebäudes zieht sogar eine neue Rewe-Filiale ein.

In der Miete der Zimmer sind Nebenkosten, Internet, Wäscherei, Tiefgarage und Fahrradstellplätze enthalten. Kostenpunkt: Zwischen 450 und 550 Euro.

Die unterschiedlichen Preise ergeben sich dadurch, dass nicht alle Apartments eine eigene Küche haben. Studenten mit einem kleineren Budget müssen sich mit acht bis zehn anderen Personen eine teilen. Das stärkt zwar, wie der Geschäftsführer des neuen Besitzers Base Camp Andreas Junius mehrmals betonte, das Gemeinschaftsgefühl, ist aber bei einem solchen Mietpreis eher ungewöhnlich.

Nichts für Arbeiterkinder

Wer ist überhaupt die Zielgruppe? Der durchschnittliche Student gibt nach einer Sozialerhebung aus dem Jahr 2013 298 Euro für die Miete inklusive der Nebenkosten aus. In diese Erhebung fallen aber auch Mieten aus Städten wie München, Hamburg und Frankfurt am Main. Städte also, die wesentlich teurer sind als Dortmund.

Oberbürgermeister Ullrich Sierau ist dennoch überzeugt von dem Konzept: "Es gibt genügend Studenten, die nicht aus Arbeiterfamilien kommen und deren Eltern ihren Kindern eine solche Wohnung finanzieren können." Auch Andreas Junius glaubt daran, genug zahlungskräftige Studenten beziehungsweise Eltern anlocken zu können. "Die Apartments in unseren anderen Häusern in Skandinavien, Polen und anderen Städten Deutschlands sind voll belegt und haben lange Wartelisten."

Bedarf ist da

In Dortmund studieren inzwischen über 51.000 Studenten und ein immer größerer Teil von ihnen möchte auch in der Stadt wohnen. Laut Tomas Westphal, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung der Stadt Dortmund, hat sich die Zahl der in Dortmund lebenden Studenten seit 2008 mehr als verdoppelt: "Wir konnten einen Anstieg von rund 11.000 auf fast 25.000 verzeichnen." Investitionen wie die von BaseCamp würden außerdem zeigen, dass sich Dortmund immer mehr zu einer angesehenen Wissenschaftsstadt entwickle.

Ein weiterer netter Nebeneffekt für die Stadt: Für das sechste Obergeschoss des siebengeschossigen Gebäudes ist ein Hotel inklusive Restaurant und Dachgeschosse vorgesehen. Betrieben werden soll das, genau wie die Studentenappartements, von BaseCamp. "So wird ein wichtiger Beitrag zum Masterplan Erlebnis.Dortmund geleistet", meint Thomas Westphal. Dieser soll dabei helfen, Anreize für Touristen zu schaffen. Mehr über die Hintergründe dieses Plans erfahrt ihr hier.

Hoffnung auf Aufschwung

Die Stadt plant bereits seit 2005 die Kampstraße in einen Boulevard zu verwandeln. Diese Entwicklung erhält laut Ullrich Sierau durch die privaten Investitionen von BaseCamp in zweistelliger Millionenhöhe "einen weiteren Schub". Neben Wohnraum, Hotel und Gastronomie sind nämlich noch drei Einzelhandelsflächen und ein weiteres Restaurant eingeplant.

"Neue Gebäude können immer positive Auswirkungen auf die Umgebung haben", sagt Architekt Eckhard Gerber. Und auch Kollege Benjamin Sieber glaubt an eine "Belebung" und einen "Aufschwung für das Brückviertel". Über die bisherigen Erneuerungen auf der Kampstraße lest ihr hier.

Strenger Zeitplan

Wenn es nach Andreas Junius geht und der Antrag schnell genug genehmigt wird, könnte das alte Karstadt-Technik-Gebäude, das bereits seit Februar 2016 leer steht, noch Ende diesen Jahres abgerissen werden. Auch der Bauantrag könnte noch 2017 gestellt werden. "Unser Wunsch ist, die Bauarbeiten bis September 2019 pünktlich zum Wintersemester abzuschließen", erklärt Architekt Sieber. "Das ist aber ein sehr ehrgeiziger Terminplan."

Welche Geschäfte und welches Klientel das abgeschlossene Projekt anziehen werden, bleibt noch abzuwarten. Fest steht nur eines: Das Problem des mangelnden günstigen Wohnraums für Studenten wird es auf keinen Fall lösen.