Bild: Sandra Schaftner/Dortmund24

Von der Innenstadt sind es nur wenige Minuten zu Fuß bis zum Kaiserviertel. Der Burgwall trennt aber zwei Welten voneinander. Im Kaiserviertel ist alles ein bisschen kleiner und persönlicher. Es hat seinen eigenen Charme.

Wo die Einkaufszone Kaiserstraße anfängt, ist nicht zu übersehen. Ein großes Banner über meinem Kopf wirbt mit „gut leben und einkaufen“. Das hört sich doch vielversprechend an. Auf beiden Seiten der Straße befinden sich Cafés. Viele Menschen gehen vor den Eingangstüren vorbei und verschwinden nach drinnen.

Kaiserviertel Kaiserstraße
Ein großes Banner über der Straße heißt einen im Kaiserviertel willkommen. Foto: Sandra Schaftner/Dortmund24

Ich folge ihnen und lande im Café Lotte am Anfang der Kaiserstraße. Drinnen ist es warm, Musik läuft und die Menschen reden durcheinander. Ganz links am Fenster sitzt eine junge Frau, isst eine Suppe und arbeitet am Laptop. Es ist die 23-jährige Studentin Luisa Kiwit, die seit einem halben Jahr im Kaiserviertel wohnt. Sie sitzt fast jeden Tag an ihrem Stammplatz im Café, in dem ihr Freund arbeitet. Vorher wohnte sie am Borsigplatz. „Aber die Gegend hat mir nicht mehr so gefallen“, meint Kiwit.

Die 23-jährige Studentin Luisa Kiwit sitzt an ihrem Stammplatz im Café Lotte. Foto: Sandra Schaftner/Dortmund24

Alles an einer Straße

Sie hat sich das Kaiserviertel ausgesucht, weil sie hier alles hat, was sie braucht. An der Kaiserstraße liegen Cafés, kleine Läden und Supermärkte. Kiwit wohnt in der Nähe des Ostfriedhofs, der auch Ostpark genannt wird und mehr als ein Friedhof ist. Viele Leute gehen dorthin, wenn sie wie die 23-jährige Studentin eine Pause im Grünen suchen.

Der Ostfriedhof ist die grüne Lunge im Kaiserviertel. Foto: Sandra Schaftner/Dortmund24

Im Kaiserviertel wird geteilt

Kiwit sieht aus dem Fenster des Café Lotte. Draußen auf dem Bürgersteig steht ein Schrank, der prall gefüllt ist mit Büchern. Es ist ein öffentlicher Bücherschrank, aus dem sich jeder Bücher ausleihen oder sogar mitnehmen kann. Im Gegenzug kann man andere Bücher darin abstellen. „Ich sehe jeden Tag mindestens zehn Leute, die sich am Bücherschrank bedienen“, sagt die Studentin, die ihn selbst schon ausprobiert hat. „Das ist eine tolle Gemeinschaftsaktion.“

Kaiserviertel Kaiserstraße
So sieht einer der beiden Bücherschränke aus. Foto: Sandra Schaftner/Dortmund24
Kaiserviertel Kaiserstraße
Das Prinzip ist Teilen. Foto: Sandra Schaftner/Dortmund24

Auf der Kaiserstraße stehen gleich zwei solcher Schränke, einer vor dem Café Lotte und einer an der Ecke Bismarckstraße. Aber Bücher sind nicht das Einzige, was auf der Kaiserstraße geteilt wird. An einer Straßenecke steht ein sogenannter Fairteiler vom Foodsharing Dortmund. Der Fairteiler ist ein alter Fahrradanhänger, in dem jetzt Boxen mit ausgesonderten Lebensmitteln stehen. Jeder kann sich kostenlos daran bedienen und jeder kann auch Lebensmittel hineinstellen, die er nicht mehr braucht.

Kaiserviertel Kaiserstraße
In diesem Fahrradanhänger lagert ausgesondertes Essen. Foto: Sandra Schaftner/Dortmund24

Nachhaltigkeit und Qualität

Wo Bücher und Essen geteilt werden, passen auch nachhaltige und regionale Läden gut hin. Einer davon ist „Der Hans“. Die Mitarbeiterin Jessica Breuker findet, dass die Menschen im Kaiserviertel die richtigen Kunden für nachhaltige Waren sind. „Sie legen Wert darauf, was sie kaufen“, meint Breuker. Sie glaubt, dass auch deswegen viele Spezialgeschäfte an der Kaiserstraße liegen, zum Beispiel ein Schokoladenladen und eine Papeterie.

Jessica Breuker arbeitet beim „Hans“. Foto: Sandra Schaftner/Dortmund24

Zum „Hans“ kommen laut Breuker viele Stammkunden aus dem Viertel. Viele kenne sie inzwischen beim Namen. „Einige Kunden kennen sich auch untereinander“, sagt Breuker. Gemeinschaft wird im Kaiserviertel großgeschrieben. Dazu tragen nach Breukers Meinung auch das jährliche Kaiserstraßenfest und andere Veranstaltungen statt.

34. Kaiserstraßenfest in Dortmund. Foto: Lisa Krispin/Dortmund24

In diesem Jahr hat das Kaiserviertel zum Beispiel auch das Mini-Festival „Lebenskunst Kaiserviertel“ und das „Kaiserschmarrn Picknick am Kaiserbrunnen“ veranstaltet. „Das alles trägt zur Lebensqualität bei“, glaubt Breuker.

Vom Dönerladen bis hin zur Suppenfabrik

Aber nicht nur Dortmunder, sondern auch Leute von auswärts schätzen das Kaiserviertel, erfahre ich auf meiner Tour durch den Stadtteil. Ich treffe viele Leute, die in den Cafés und Imbissen an der Kaiserstraße zu Mittag essen. Einige arbeiten in den umliegenden Behörden und Gerichten und essen an der Kaiserstraße Mittag. Auswahl gibt es dafür reichlich: Dönerladen, Grill, Grieche, Italiener, Japaner, Kartoffel- oder Pasta-Imbiss, Suppenfabrik…

In letzterer treffe ich den 28-jährigen Philipp Jendreiko, der bei der Bezirksregierung Arnsberg arbeitet. Er kommt nicht aus Dortmund und kennt das Kaiserviertel besser als die anderen Stadtteile, weil er dort regelmäßig seine Mittagspause verbringt. „Die meisten Kollegen gehen hier essen“, meint er. Er findet den Stadtteil bunt und vielfältig.

Philipp Jendreiko verbringt seine Mittagspause meistens im Kaiserviertel. Foto: Sandra Schaftner/Dortmund24

Diesen Eindruck habe ich auch, als ich durch die Straße gehe. Die Auswahl der Geschäfte ist groß, eines reiht sich an das andere. Viele sehen jung und modern aus, vor allem die gastronomischen Einrichtungen. Viele werben mit gesunden Gerichten.

Geschäftsinhaberin seit 61 Jahren

Doch einige Geschäfte sehen noch sehr traditionell aus. Am Eingang eines Modeladens steht „60 Jahre“. Und tatsächlich: Christine Laas führt das Geschäft seit mittlerweile 61 Jahren. Sie hat miterlebt, wie das Kaiserviertel sich seit den 50er Jahren verändert hat.

Christine Laas führt ihr Mode-Geschäft Laas schon seit 1956. Foto: Sandra Schaftner/Dortmund24

„Früher fuhren hier noch Straßenbahnen durch und es war lauter“, erzählt Laas. Es habe früher auch ganz andere Geschäfte gegeben, weniger Gastronomie und mehr inhabergeführten Einzelhandel. Von den traditionellen Einzelhändlern sind laut Laas nur noch vier übrig. Sie ist ein bisschen traurig, dass so viele von ihnen aufhören mussten. Ketten mit vielen Filialen mag sie nicht so gerne, weil es da überall dasselbe gebe. Aber im Kaiserviertel sei das noch anders als beispielsweise auf dem Westenhellweg. „Hier gilt noch Klasse und weniger Masse“, meint Laas.

Mit dieser Einschätzung ist sie nicht alleine. Ich denke beim Kaiserviertel auch an kleine Geschäfte mit Persönlichkeit. Traditionsreiche Läden und Spezialisten für Schokolade oder Wein stehen an der Kaiserstraße neben modernen Imbissen und Cafés. Das Kaiserviertel hat seinen eigenen Charme, ist aber nicht weltfremd. Die Trends der Zeit kommen auch hier an.