Ermittlungen gegen Tuner aus Dortmund

Staatsanwaltschaft bringt Autotuner JP Kraemer aus Dortmund vor Gericht - und scheitert mit der Klage

Der Autotuner JP Kraemer aus Dortmund stand wegen erhöhter Geschwindigkeit sogar schon vor Gericht und verlor fast seinen Führerschein.
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Der Autotuner JP Kraemer aus Dortmund stand wegen erhöhter Geschwindigkeit sogar schon vor Gericht und verlor fast seinen Führerschein.

JP Kraemer hat wegen eines Videos Probleme bekommen. Die Staatsanwaltschaft klagte Autotuner aus Dortmund an - doch die Klage scheiterte kurios.

  • JP Kraemer aus Dortmund stand im Fokus der Staatsanwaltschaft Dortmund.
  • Es geht um ein Video aus dem Jahr 2016, das in Dortmund aufgenommen wurde.
  • Ein Gericht schmetterte allerdings die Anklage gegen den Auto-Tuner ab.

Dortmund - Auto-Tuner Jean Pierre Kraemer ("Die PS-Profis") aus Dortmund ist bekannt für seine Liebe zu Autos mit ordentlich PS. Im Internet zeigt sich JP regelmäßig in Videos am Steuer hochmotorisierter Autos. Eines dieser Videos wäre dem Dortmunder vor einigen Jahren beinahe zum Verhängnis geworden – doch ein Gericht schmetterte die Anklage der Dortmunder Staatsanwaltschaft ab.

Name

Jean Pierre Kraemer

Alter

39

Geburtsort

Plettenberg

Firma

JP Performance

JP Kraemer: Tuner aus Dortmund nimmt Video auf

Was war passiert? JP Kraemer – der aktuell Ärger mit der Polizei hat – hatte im August 2016 ein Video über den Yotube-Kanal seiner Dortmunder Tuning-Firma JP Performance hochgeladen. Darauf ist er selbst am Steuer eines Ford Focus RS zu sehen. Unterwegs ist er damit offenbar auf dem Osterschleppweg, einer öffentlichen Straße entlang des Dortmunder Flughafens, auf der Tempo 70 erlaubt ist.

Was treibt Jean Pierre Kraemer dort? Der Ford sei "etwas zu langsam", wie er selbst in dem Video sagt. Kraemers Urteil: "Wir brauchen etwas mehr Männerpower." Vorher muss die aktuelle Power aber noch auf der laut Kraemer ironischerweise als "abgesperrten Strecke" am Flughafen Dortmund getestet werden. Die Straße ist allerdings nicht gesperrt, andere Autos sind darauf zu sehen.

Tuner JP Kraemer beschleunigt Auto in Dortmund von 100 auf 200

Zunächst überprüft JP die Zeit der Beschleunigung von 0 auf 100 km/h, dann, wie er selbst im Video sagt und zeigt, von 100 auf 200 km/h. 

Eine sogenannte Qstar Performance Box misst dabei die Zeit per GPS – am Ende sind es 14,6 Sekunden – offenbar zu langsam. JP schlägt vor, das Auto via Software oder Zusatzsteuergeräte zu pimpen. So weit, so gut.

RUHR24-Leser Alexander S. (Name von der Redaktion geändert) sieht das Youtube-Video von Kraemer im Internet und erstattet am 26. Februar 2018 Strafanzeige. Am 9. April 2018 nimmt die Staatsanwaltschaft Dortmund das Verfahren auf und erhebt Anklage gegen Kraemer wegen "Gefährdung des Straßenverkehrs". Doch die Anklage wird vor dem Amtsgericht Dortmund abgelehnt.

Dortmund: Gericht konnte Video von JP Kraemer zeitlich nicht einordnen

Der Grund: "Das Gericht konnte nicht genau feststellen, wann das Video entstanden ist", sagt Staatsanwalt Henner Kruse gegenüber RUHR24. Warum ist das wichtig? Dazu ist ein Blick in die Gesetzeslage nötig.

Entscheidend ist hier Paragraf 315 d (Verbotene Kraftfahrzeugrennen) im Strafgesetzbuch. Dort steht geschrieben, dass mit einer Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren bestraft wird, der

  • ein nicht erlaubtes Kraftfahrzeugrennen ausrichtet oder durchführt,
  • als Kraftfahrzeugführer an einem nicht erlaubten Kraftfahrzeugrennen teilnimmt oder
  • sich als Kraftfahrzeugführer mit nicht angepasster Geschwindigkeit und grob verkehrswidrig und rücksichtslos fortbewegt, um eine höchstmögliche Geschwindigkeit zu erreichen.

JP Kreamer hätte sich nach heutiger Regelung strafbar gemacht

Nach diesen Regeln hätte sich JP Kraemer mit seinem Video als Beweis strafbar gemacht. Das Problem dabei ist, dass dieses Gesetz erst am 13. Oktober 2017 in Kraft getreten ist. Laut Youtube-Zeitstempel wurde das angezeigte Video aber schon im August 2016 hochgeladen - als es den Paragrafen noch nicht gab.

Selbst wenn der Zeitstempel manipuliert worden wäre, ist aus den Videosequenzen nicht ersichtlich, wann die Aufnahmen exakt entstanden sind – so zumindest das Argument des Dortmunder Amtsgerichts.

JP Kraemer: Strafe haarscharf entgangen

Ganz ungestraft kamen Verkehrssünder aber auch vor Inkrafttreten des Paragrafen 315 d des Strafgesetzbuches nicht davon. Denn es gab ja auch den Paragrafen 315 c (Gefährdung des Straßenverkehrs).

Der TV-bekannte Auto-Tuner JP Kraemer aus Dortmund liebt schnelle Autos - und testet diese auch auf Herz und Nieren.

Und darin heißt es, dass sich strafbar macht und mit einer Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren bestraft werden kann, der im Straßenverkehr zum Beispiel die Vorfahrt nicht beachtet oder an "unübersichtlichen Stellen, an Straßenkreuzungen, Straßeneinmündungen oder Bahnübergängen zu schnell fährt".

JP Kraemer: Gericht sieht keine Gefährdung des Straßenverkehrs

Laut den Kriterien dieses Paragrafen 315 c konnte das Amtsgericht Dortmund keine Gefährdung des Straßenverkehrs feststellen. Der Osterschleppweg ist an besagter Stelle gut einsehbar und hat keine Kreuzungen.

Am Ende bleibt also nur noch eine Ordnungswidrigkeit, für die der Dortmunder TV-Tuner JP Kraemer belangt werden kann. Bei mehr als 70 km/h zu viel auf einer Straße, die sich außerorts befindet, hätte das für Kraemer laut altem Bußgeldkatalog 600 Euro Strafe gekostet sowie zwei Punkte in Flensburg und drei Monate Fahrverbot

Video: Der Tuner der Scheichs

Doch auch dieser Strafe entkam Kraemer trotz seines Videos, denn bei Einschreiten der Dortmunder Staatsanwaltschaft war der Sachverhalt längst verjährt. Ermittelt wird gegen JP Kraemer derzeit aber trotzdem – allerdings in anderen Fällen. Es liegen zehn Anzeigen vor. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts der Teilnahme an einem verbotenen Kraftfahrzeugrennen.