Immer mehr Attacken auf das Ordnungsamt: "Es sind ausschließlich Männer"

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Ordnungsamt. Foto: dpa

Dortmund/NRW - Das Dortmunder Ordnungsamt muss sich immer öfter körperliche Angriffe gefallen lassen. Im Fokus: weibliche Mitarbeiter. Die Täter: ausschließlich Männer.

Alarmstufe Rot beim Dortmunder Ordnungsamt! Immer öfter werden Beamte der Stadt körperlich angegriffen, weil sie Knöllchen ausstellen. Die Opfer sind überwiegend weibliche Mitarbeiterinnen. Die Täter: ausschließlich Männer.

Mitarbeiter des Ordnungsamts haben es nicht leicht. In der Regel sind sie die Buh-Männer, wenn sie ein Knöllchen ausstellen. Sie müssen lange Diskussionen in Kauf nehmen, gelten als Korinthenkacker und müssen auch deshalb regelmäßig verbale Attacken einstecken. Immer öfter schlägt diese verbale Gewalt in eine körperliche um, wie das Dortmunder Ordnungsamt beklagt. "Im zurückliegenden Jahr 2017 war das schon bemerkenswert", sagt Beate Siekmann, Leiterin des Ordnungsamtes.

Häufig, so Siekmann, wollten Betroffene vermeintliche Beweismittel vernichten. Diese versuchten sie dann mit körperlicher Gewalt zurückzubekommen. Konkret geht es etwa um Abschleppberichte oder Kameras. "Zu beobachten ist dabei auch eine Zunahme der Übergriffe gegen Mitarbeiter des Abschleppdienstleisters", sagt Siekmann.

Ordnungsamt geht verstärkt in die Vororte

In Dortmund kommt es immer häufiger zu Diskussionen zwischen Falschparkern und deren Gegnern. Während die einen auf Fingerspitzengefühl des Ordnungsamtes hoffen - nach dem Motto: "Hier haben wir doch schon immer so geparkt" - wollen die anderen die Regeln eingehalten wissen. Vor allem in den Vororten kommt es immer wieder zu Beschwerden über Falschparker. Die Stadt ist seit einiger Zeit dazu übergegangen, dort verstärkt zu kontrollieren. Vor allem bei Großveranstaltungen stellen Besucher regelmäßig ihre Autos an Stellen ab, wo es nicht erlaubt ist. Zum Beispiel wenn der BVB spielt. Oft sind das auch Nebenstraßen in Wohngebieten. Dort leiden die Anwohner darunter, dass die Straßen zugeparkt werden.

Im Zentrum der Streitigkeiten stehen immer öfter diejenigen, die versuchen, Verstöße zu ahnden: das Ordnungsamt. Allein in 2017 gab es zwölf körperliche Angriffe auf deren Mitarbeiter. Kombiniert mit verbalen Attacken käme wohl eine dreistellige Zahl von Fällen zusammen. Von den zwölf tätlichen Angriffen richteten sich laut Stadt neun auf weibliche Bedienstete.

"Zwei Angriffe führten dazu, dass die betroffenen Mitarbeiter ärztlich versorgt werden mussten und zum Teil für mehrere Wochen dienstunfähig erkrankten und somit ausfielen", erzählt Beate Siekmann. Jeder von einer körperlichen Attacke betroffene Mitarbeiter werde laut der Ordnungsamtschefin aufgrund des erlittenen Dienstunfalles dem Übergangsarzt vorgestellt.

Schlagstöcke für das Ordnungsamt

Die Aggression vieler Menschen geht sogar schon so weit, dass die Stadt im vergangenen Jahr beschloss, einzelne Mitarbeiter des Ordnungsamtes testweise mit Schlagstöcken auszustatten. Dafür gab es von Linken und Piraten Kritik - trotz allem Verständnis für die Angst der Beamten. Ein Einsatz von Gewalt mit Waffen sei Sache der Polizei. Schon jetzt sind Ordnungsamtsmitarbeiter, die am Nordmarkt im Einsatz sind, mit Pfefferspray und Handfesseln ausgestattet.

Und von wem gehen die Attacken auf die Beamten aus? Darauf hat das Ordnungsamt eine eindeutige Antwort: ausschließlich Männer. Siekmann: "Dabei reicht oft schon ein einfaches Knöllchen durch die Mitarbeiter des Außendienstes aus." Extremer werde es bei Abschleppmaßnahmen. Denn hier fielen die Kosten für die Betroffenen wesentlich höher aus. Seltener gäbe Aggressionen bei der Erstellung von Fotodokumentationen.

Damit die Täter eine gerechte Strafe bekommen, lässt die Stadt ausnahmslos jede schwerwiegende verbale oder körperliche Aggression auf Strafbarkeit überprüfen. In 2017 leitete das Ordnungsamt zehn Strafanzeigen an das Rechtsamt zur rechtlichen Verfolgung weiter, davon sechs aufgrund von körperlicher Gewalt.

An den Gerichten scheint man die Not der Ordnungsamtsmitarbeiter erkannt zu haben. "Es ist immer mehr zu beobachten, dass die Gerichte dazu übergehen, körperliche Attacken entsprechend strafrechtlich auch zu ahnden und die Beklagten zu verurteilen", sagt Beate Siekmann.