Immer mehr Angriffe auf Rettungsdienst: "Alkohol spielt oft eine Rolle"

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Rettungsdienst, Rettungshubschrauber, Hubschrauber, Krankenwagen, Notarzt, Blaulicht, Dortmund Foto: René Werner/Videonews24.de

Dortmund/NRW - Der Dortmunder Rettungsdienst erlebt immer öfter körperliche und verbale Gewalt gegen seine Mitarbeiter. Dafür gibt es mehrere Gründe.

Die Zahl der Übergriffe gegen Einsatzkräfte des Dortmunder Rettungsdienstes haben sich innerhalb des letzten Jahres mehr als verdoppelt. Sie wurden teils verbaler aber auch teils körperlicher Gewalt ausgesetzt.

73 Fälle von Gewalt gab es gegenüber den Dortmunder Rettungskräften im letzten Jahr. Bei einer Gesamtzahl von 130.000 Einsätzen fällt die Zahl zwar klein aus, ist aber trotzdem ein deutlicher Anstieg im Gegensatz zu 2016 mit nur rund 30 Fällen.

In den meisten Fällen von Gewalt gegenüber Rettungskräften spiele Alkohol eine Rolle, sagt Dortmunds Feuerwehr-Sprecher André Lüddecke. "Es herrscht dann in der Regel eine gewisse Grundaggressivität, sodass manche nicht mehr zwischen Freund und Feind unterscheiden können", so Lüddecke weiter. In anderen Fällen gerieten die Rettungskräfte in Fällen häuslicher Gewalt zwischen die Fronten. Lüddecke: "Oft ist es dann so, dass der Rettungsdienst sich dann erst mal zurückzieht und wartet, bis die Polizei kommt. In der Regel leiden dann natürlich die Opfer der Auseinandersetzung."

Studie zeigt ein NRW-weites Problem

Laut einer aktuellen Studie der Ruhr Universität Bochum hat bereits jeder 8. in der Feuerwehr oder im Rettungsdienst körperliche Gewalterfahrungen gemacht. Sogar mehr als die Hälfte der Befragten haben sich schon mit verbaler Gewalt auseinandersetzen müssen! Der Bochumer Kriminologe Thomas Feltes hat für die Studie 4500 Brandschützer, Sanitäter und Notärzte in ausgewählten Städten befragt, von denen aber nur 812 geantwortet haben. Die Einsatzkräfte empfinden das Problem nicht so, wie es in den Medien und der Politik dargestellt wird. Trotzdem steigt die Zahl der Übergriffe vor allem in Großstädten, was vor überwiegend daran liege, dass die Menschen an Empathie verlieren würden. Höhere Strafen würden die Täter laut Feltes aber auch nicht abschrecken, da sie irrational handelten. Denn in drei Vierteln der Fälle komme die Gewalt von den Patienten selbst.

Unterstützung seitens der Justiz fehlt

Das Problem für die Dortmunder Feuerwehr ist, dass die meisten Tätlichkeiten nicht zur Anzeige kommen. Die Verfahren würden zu oft wegen Geringfügigkeit und öffentlichem Desinteresse eingestellt, so Feuerwehrsprecher André Lüddecke. Es fehle eine grundlegende Unterstützung der Justiz.

Nicht nur die Einsatzkräfte der Feuerwehr oder des Rettungsdienstes haben mit solchen Problemen zu kämpfen. Auch die Gewalt gegen Polizisten ist trotz geringerer Anzahl an Straftaten im letzten Jahr deutlich gestiegen.

Feuerwehr-Sprecher André Lüddecke sieht die Ursachen in einer "generellen Verrohung der Gesellschaft". Auch Kontrolleure in Zügen, Bahnen oder Bussen würden das immer öfter zu spüren bekommen. Wie schützt sich die Feuerwehr also vor Übergriffen?

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In den meisten Fällen, so Lüddecke, sei die Polizei mit vor Ort. Die Kollegen der Rettungskräfte seien zudem in Deeskalation geschult - allerdings niemals bewaffnet. Lüddecke: "Wenn die Situation zu heikel ist, ziehen wir uns erst mal zurück und warten, bis die Polizei die Situation geklärt hat. (von Joshua Schmitz und Daniele Giustolisi)