Bild: Ahmadiyya Muslim Jugendorganisation

Mehrere Jugendliche muslimischen Glaubens haben am Neujahrstag den Müll von Silvester rund um die Phoenix See weggeräumt. Was steckt hinter der Aktion und wer ist die muslimische Jugendorganisation „Ahmadiyya„, die dafür verantwortlich ist?

Die Ahmadiyya Muslim Jugendorganisation organisierte am 1. Januar 2019 eine bundesweite Neujahrsputz-Aktion. Die Jugendlichen griffen am Neujahrsmorgen zu Besen und Schaufel und befreiten die Straßen und Plätze ihrer Heimatorte von den Resten der nächtlichen Silvester-Festlichkeiten.

Auch in Dortmund, rund um die Phoenix See, füllten die Jugendliche mehrere Plastiksäcke voller Silvester-Müll.

Bürgerschaftliches Engagement

Die Aktion hat eine lange Tradition: Seit über 20 Jahren leisten die Jugendlichen ihren Beitrag für die Gesellschaft. Mit der Aktion möchten die Jugendlichen ein Zeichen für bürgerschaftliches Engagement setzen und ihre Verbundenheit zum Heimatort ausdrücken, wie es in einer Pressemitteilung heißt.

Muslime räumen an Silvester rund um den Phoenix See auf. Foto: Ahmadiyya Muslim Jugendorganisation
Muslimische Jugendliche der Ahmadiyya Muslim Jugendorganisation räumten an Silvester rund um den Phoenix See auf. Foto: Ahmadiyya Muslim Jugendorganisation

Aber wer steckt eigentlich hinter der Aktion?

Bei der Ahmadiyya Muslim Jugendorganisation (AMJ) handelt es sich um eine der größten muslimischen Jugendverbände in Deutschland. Sie ist in 255 lokalen Gemeinden vertreten.

40.000 Mitglieder in Deutschland

In Deutschland stellt die Organisation mit ihren etwa 40.000 Mitgliedern laut eigenen Angaben eine der größten Gemeinden unter den organisierten Muslimen dar.

Seit 2013 ist sie die erste islamische Körperschaft des öffentlichen Rechts und damit den großen Kirchen rechtlich gleichgestellt

Die Gemeinde wurde 1889 in Indien gegründet. In den einzelnen islamischen Staaten ist sie eine Minderheit.

Muslime räumen an Silvester rund um den Phoenix See auf. Foto: Ahmadiyya Muslim Jugendorganisation
Auch am Kaiserberg oberhalb des Phoenix Sees räumten die Jugendlichen auf. Foto: Ahmadiyya Muslim Jugendorganisation

Die Jugendarbeit der Ahmadiyya Muslim Jugendorganisation besteht aus 17 Sparten. Dazu zählt neben dem „Ehrenwerten Dienst“ beispielsweise „Sport“, „Bildung“, „Erziehung“ und „selbstlose Hilfe“ – wie etwa die gemeinsame Putzaktion im öffentlichen Raum an Silvester.

Mädchen und junge Frauen sind in den Putzkolonnen allerdings nicht anzutreffen. Was damit zu tun hat, dass das ehrenamtliche Engagement nach Geschlechtern getrennt erfolgt.

Ziele der Ahmadiyya Muslim Jugendorganisation

Ihren „Dienst an der Menschheit“ absolvieren die jungen weiblichen Mitglieder auf andere Weise: etwa durch Obdachlosenhilfe und Besuche in Altenheimen. Zu ihren Aktivitäten gehört vor allem der interreligiöse Dialog.

Die Ziele der Organisation sind es, islamische Werte zu vermitteln. Die AMJ ist laut eigenen Angaben die führende islamische Gemeinde, die Gewalt und Zwang in Glaubensdingen kategorisch ausschließt und eine strikte Trennung von Staat und Religion befürwortet. Nach ihr ist ein Muslim zur Loyalität gegenüber einer nicht-muslimischen Regierung verpflichtet.

Obwohl sich die Gemeinde selbst als „liberal, aber wertkonservativ“ bezeichnet, wird sie von Kritikern als fundamentalistisch bezeichnet. Kritisiert wird etwa die Einteilung der Welt in Gläubige und Ungläubige. Die Ahmadiyya-Gemeinschaft selbst betont aber deutlich, sie sei friedlich, lehne Gewalt ab in jeder Form.