Bild: Nadja Lucas/Dortmund24

Vier Tage ist die Evakuierung des Hannibal II in Dorstfeld her. Der Grund hierfür: akute Brandgefahr. Wir verraten euch hier den aktuellen Stand der Dinge. 

Vor dem Hannibal II in Dorstfeld ist es ruhig an diesem Montag (25. September). Im Vergleich zu Freitag gibt es keine Menschenschlangen mehr, die darauf wartet, in ihre Wohnungen zu kommen. Hier und da laufen einzeln ein paar ehemalige Bewohner mit Koffern oder großen Taschen um das Gebäude herum. Zwei kleine Jungen sitzen neben Plastiktüten. Was macht ihr da? „Wir spielen bis unsere Mama mit unseren restlichen Sachen runterkommt und wir in unser neues Zuhause gehen.“ Mit ihrem neuen Zuhause meinen sie die Wohnung ihrer Tante, dort leben sie vorübergehend, bis man weiß, wie es mit dem Hannibal weitergeht.

Ein paar Meter weiter steht Jacqueline Sauer vor der Hausnummer 18. „Es ist purer Stress. Mir ging es schon einmal besser“, gesteht die 25-Jährige. Es sei verwirrend, dass jeder etwas anderes sage und gemischte Gefühle unter den Hannibal-Bewohnern herrschen. „Viele haben Hoffnung“. Hoffnung hat auch ihre Oma, die würde gerne wieder zurück in ihre Wohnung im Hannibal. Auch Jacquelines Onkel, der neben ihr wohnt, möchte wieder zurück.

„Es ist schwierig“

Jacqueline hat Glück: Seitdem das Hannibal evakuiert wurde, wohnt sie bei ihrer Mutter. Seit zwei Jahren lebt sie in ihrer Wohnung im Hannibal, ist aber auch hier aufgewachsen. „Ich war schon hier, da war ich noch bei meiner Mama im Bauch“, erzählt sie. In der errichteten Notunterkunft herrschen katastrophale Zustände, berichtet Jacqueline. Ihre Freundin wohnt dort – mit Baby und blindem Hund. Dort sei es allerdings zu laut und es gebe zu wenig Platz für die Drei. „Wir unterstützen uns gegenseitig, aber es ist halt schwierig“, gibt Jacqueline zu.

Jacqueline Sauer (25) vor dem Eingang zu ihrer Wohnung im Hannibal. Foto: Nadja Lucas/Dortmund24

Früher wohnten hier Studis, mittlerweile sei es eine „Assi-Gegend“, erzählt sie weiter. Dabei seien die Wohnungen schön, auch wenn es schon einmal besser gewesen wäre. „Es ist komisch, das kann man gar nicht beschreiben. Ich muss das erst einmal verdauen“, so Jacqueline. Genervt ist sie vor allem von dem absoluten Chaos, es gebe keine Infos. „Ich bin wütend auf die Stadt und auf den Vermieter. Wir konnten uns nicht vorbereiten, dabei ist es klar, dass es im Hannibal Mängel gibt, die kann man ja sehen“, berichtet Jacqueline.

Über die fehlenden Informationen beschweren sich auch die Brüder Dimitar und Georgi Tachkov und ihre Cousine Ralitsa Gateva, die zu dritt im Hannibal wohnten. „Keiner weiß etwas“, sagt Dimitar. „Ich stand am Freitag mehrere Stunden hier und habe nichts herausfinden können“, erzählt Ralitsa weiter. Die drei sind vorübergehend bei einem Freund untergekommen. Dimitar war am Montag beim Sozialamt. „Die sind nett, aber die können uns nicht helfen. Wir würden gerne zurück in unsere Wohnung.“

Dimitar und Georgi Tachkov und Ralitsa Gateva würden gerne in ihre Wohnung zurück. Foto: Nadja Lucas/Dortmund24

„Wir tun uns mit der Situation nicht leicht“

Ein paar Informationen wurden am Montagnachmittag (25. September) bei einer Pressekonferenz noch einmal zusammengefasst. „Das Hannibal II musste am Donnerstag (21. September) um 19 Uhr evakuiert werden, da akute Brandgefahr besteht“, sagt Ludger Wilde, Leiter des Krisenstabs. Die Entscheidung sei morgens gefallen. „Das Gebäude wird gesichert, die Türschlösser wurden ausgetauscht und die Schlüssel hat die Feuerwehr“, so Wilde weiter. Außerdem wird kontrolliert, wer wann ins Gebäude geht.

Rein kommt man nur mit Personalausweis und Wohnungsschlüssel. Nach dem Besuch in der Wohnung werden diese wieder versiegelt, damit nicht jeder x-beliebige hineinkommt. Mieter können auch in den nächsten Tagen, jeweils von 8 bis 20 Uhr, mit den Sicherheitskräften ihre Wohnungen betreten. Auch wird zurzeit an einem Konzept zum Thema Postabholung gearbeitet.

DSW21 will Schokotickets zur Verfügung stellen

Auch für Schulkinder gab es Probleme. Der Fachbereich Schule konnte bislang nicht bei allen Familien mit Kindern deren derzeitigen Aufenthaltsort in Erfahrung bringen. Die Leiterin des Fachbereichs Schule, Martina Raddatz-Nowack, appellierte sich beim Dienstleistungszentrum Bildung direkt zu melden. Denn so könne der individuelle Transfer mit dem Bus zur Schule gewährleistet werden.

Martina Raddatz-Nowack, erläuterte, dass von den 123 betroffenen Kindern, 83 bisher nicht mit einem Schokoticket ausgestattet seien und weitere drei Kinder mit Hilfe von kleinen Bussen zur Schule gebracht würden. Die DSW21 wird Tickets zur Verfügung stellen, die betroffene Kinder in den Schulsekretariaten abholen können.

Wohnungsberatung im Aufbau

Nachdem nach der Räumung des Gebäudes von den 759 dort gemeldeten Personen insgesamt 120 das Angebot der Stadt angenommen hatten, in der Helmut-Körnig-Halle zu übernachten, ist diese Unterkunft seit Samstag, (21. September), 11 Uhr morgens, wieder leergezogen. 303 Menschen, die in Übergangseinrichtungen und –wohnungen Unterkunft gefunden haben, werden von der Stadt aufgesucht.

„Eine Wohnungsberatung ist zurzeit im Aufbau“, so Wilde. In diesem Zusammenhang bat er mögliche Vermieter, die eine Wohnung anzubieten haben, sich direkt mit dem Wohnungsamt in Verbindung zu setzen. „Wir danken den Betroffenen für ihr Verständnis, wir tun uns mit der Situation nicht leicht und für uns steht das Wohl der Mieter im Vordergrund“, macht Wilde deutlich. Das ist auch bei einem Hannibal-Bewohner der Fall, der gerade drei Monate in China ist und Hilfe von der Stadt bekommt. „Wir achten darauf, dass keiner zurückbleibt“, so Wilde.

Gespräch mit Eigentümer am Dienstag

„Viele Mieter möchten außerdem dauerhaft ausziehen“, so Wilde weiter. Auch bei diesem Wunsch wird die Stadt die Bewohner unterstützen und in den nächsten Tagen ein Umzugskonzept erstellen. Am Dienstag (26. September) soll es ein Gespräch mit dem Eigentümer in Dortmund geben.

„Der Vermieter hat in einem Schreiben angekündigt, die Mängel zu beseitigen“, sagt Wilde. Ob das wirklich so ist, wird sich hoffentlich bei dem Gespräch am Dienstag herausstellen. Der Vermieter habe außerdem weitere Immobilien in Dortmund. „Wir haben ein Auge darauf, dass ähnliche Situationen nicht eintreten“, sagt Wilde.

Für die Hannibal-Bewohner hat die Stadt Infopoints und Anlaufstellen eingerichtet. So gibt es einen Info-Point vor dem Hannibal-Gebäude in Dorstfeld, der bis Ende der Woche bestehen bleibt und bis einschließlich Donnerstag von 9 bis 16 Uhr, am Freitag von 9 bis 13 Uhr geöffnet ist.