Bild: Nadja Lucas/Dortmund24

Vier Wochen lang war das evakuierte Hannibal in Dorstfeld unter der Obhut der Stadt Dortmund. Am Montag (23. Oktober) hat Eigentümer „Intown“ die Schlüssel zurückbekommen. Jetzt muss das Unternehmen dafür sorgen, dass Bewohner sicher in ihre Wohnungen kommen oder dass Umzüge gut geregelt werden. Kann das funktionieren? Die Stadt vertraut „Intown“, die Dortmunder Grünen zeigen sich skeptisch.

Das Hannibal ist aufgrund des mangelhaften Brandschutzes seit dem 21. September dieses Jahres ein leeres Wohnhaus – alle 752 Einwohner mussten das Gebäude in einer Nacht- und Nebelaktion verlassen – doch noch immer kommen täglich Hunderte Ex-Bewohner an den Vogelpothsweg 20. Etwa um Post abzuholen, oder Dinge, die noch in den Wohnungen geblieben sind.

Seit vier Wochen organisiert die Stadt diese sogenannten „Betretungen“. Sie stellt Brandwachen auf, die die Einwohner zu den Wohnungen begleitet und auf die Sicherheit achten – falls ein Feuer ausbricht. Und sie organisiert Umzüge. Denn noch immer finden pro Tag bis zu acht davon statt, wie es von der Stadt heißt.

Nach dem die Stadt die Schlüssel an den Besitzer des Hannibals, Intown, übergeben hat, gab es im Rathaus dazu eine Pressekonferenz, in dem unter anderem Krisenstabschef Ludger Wilde (3. v. l.) Fragen der Presse beantwortete. Foto: Daniele Giustolisi/Dortmund24

Dieser organisatorische Aufwand obliegt jetzt wieder „Intown“, jenem Eigentümer des Hannibals, der sich seit Wochen in der Öffentlichkeit rar macht und immer noch kritisiert, dass die Sicherheitsmaßnahmen der Stadt überzogen seien. Kann das funktionieren?

Großes mediales Interesse

Auch wegen dieser spannenden Frage war die Pressekonferenz der Stadt am Montag (23. Oktober) so gut besucht, dass so mancher Journalist keinen Platz am großen Konferenztisch im „Saal Rothe Erde“ mehr fand.

Die Stadt, so sagt es Krisenstabschef Ludger Wilde, gehe davon aus, dass „Intown“ seine Ankündigungen einhalte und das Hannibal jetzt genauso verwalte, wie es die Stadt die letzten Wochen getan hätte. „Da verlassen wir uns drauf“, so Wilde.

Und falls „Intown“ seiner Pflicht nicht nachkommt? Zumindest der Stadt blieben dann nur noch wenige Mittel. Wilde: „Wir können den Eigentümer nicht zwingen, die städtischen Mittel sind da begrenzt.“ Am Ende könnte also der Mieterverein mit zivilrechtlichen Maßnahmen gefragt sein.

Tobias Scholz vom Mieterverein Dortmund will sich für die Hannibal-Bewohner einsetzen. Foto: Ann-Kristin Pott/Dortmund24

Letzterer zeigt sich schon jetzt engagiert, fordert „Intown“ auf, in Sachen Heizungsanlage Nägel mit Köpfen zu machen. Das Problem: Der Vertrag mit dem Dienstleister der Heizung im Hannibal läuft in diesem Jahr aus, danach wird die Heizung abgeschaltet – und das könnte für Probleme im Haus sorgen – denn auch ein leeres Haus muss beheizt werden, um nicht auszukühlen. Ein neuer Dienstleister, so Tobias Scholz vom Mieterverein Dortmund, oder eine mobile Heizungsanlage seien also dringend notwendig, wollte man weitere Schäden am Haus vermeiden.

Stadt leistet weiterhin Unterstützung

Dass man „Intown“ jetzt aber nicht das ganze Feld überlassen möchte, zeigt die Tatsache, dass die Stadt weiterhin ihr Beratungsangebot für die evakuierten Bewohner aufrechterhält. Das Beratungszentrum an der Wittener Straße 120a/Ecke Oberbank bleibt also geöffnet, ebenso gibt es weiterhin die Infonewsletter, die es im Internet und per Post gibt. Und auch was die finanzielle Hilfe seitens der Stadt für die Bewohner betrifft, bleibt alles beim Alten. So gibt es zum Beispiel weiterhin Unterstützung bei Umzügen und Transfers zu Kindergärten oder Schulen. Am Ende, so kündigt es die Stadt immer wieder an, soll „Intown“ die Rechnung bekommen.

Mitglieder der Dortmunder Grünen forderten am Montagmorgen von Hannibal-Eigentümer „Intown“, Hotelzimmer für Mieter anzumieten. Im Bild unter anderem: Katja Bender, Sprecherin des Grünen Kreisverbandes Dortmund (2. v. r.) sowie Ulrich Langhorst, Sprecher der Grünen Ratsfraktion (2.v.l.). Foto: Daniele Giustolisi/Dortmund24

Apropos Intown: Bei der Pressekonferenz der Stadt am Montagmittag ließ sich das Unternehmen einmal mehr nicht blicken. Das war auch am Montagmorgen nicht der Fall, als Mitglieder der Dortmunder Grünen vor dem „Intown“-Büro am Königswall demonstrierten. Dort zeigten sie Plakate mit der Aufschrift „Eigentum verpflichtet“ oder „Wer nur kassieren will, muss zahlen“, übergaben danach „Intown“ einen Brief mit der Forderung, Hotelzimmer für immer noch wohnungslose Hannibal-Mieter anzumieten. Denn von 100 Einwohnern des Hannibals weiß die Stadt nicht, wo sie untergekommen seien. Man vermutet sie bei Freunden und Verwandten.

Jetzt liegt die Verantwortung für 752 Mieter des Hannibals also bei „Intown“. Politik, Stadt, Einwohner – nicht nur sie haben den Wohnungsvermieter jetzt ganz genau im Blick.

Derzeit kursieren Gerüchte, wonach es in mehreren Wohnungen im verlassenen Hannibal Einbrüche gegeben haben soll. Das konnten weder Thomas Koch von der Polizei Dortmund noch Krisenstabschef Ludger Wilde auf Anfrage bestätigen.