Bild: Nadja Lucas/Dortmund24

Am 21. September musste der Wohnkomplex Hannibal II aus Brandschutzgründen geräumt werden. Der Eigentümer verklagt dafür jetzt die Stadt. Der Klage sieht die Stadt allerdings gelassen entgegen.

Nach der Räumung des Hannibal II kommen Mieter nur noch kontrolliert in ihre Wohnungen. 412 Haushalte und 752 Personen sind betroffen. Bis Samstagabend (23. September) sind 120 Personen in der Helmut-Körnig-Halle untergekommen. Mittlerweile sind sie woanders beherbergt worden. „Sie sollen zeitnah in Wohnungen vermittelt werden“, erklärt Ludger Wilde, Leiter des Krisenstabs. 355 Personen haben Gebrauch vom Angebot der Stadt gemacht, andere sind bei Freunden untergekommen. „Wenden Sie sich an uns, dann werden wir auch Ihnen helfen“, so Wilde. Dabei macht er aber auch deutlich: „Haben Sie bitte Nachsicht. Wir haben nicht für alle auf Anhieb eine Wohnung, aber alle werden versorgt.“ So sind viele Hannibal-Bewohner auch in Gemeinschaftsunterkünften untergebracht worden.

Ein wichtiges Thema vor Ort seien Umzüge, so Wilde. „Die können allerdings nicht ohne Weiteres stattfinden, sondern nur mit Sicherheitskräften.“ Jeder, der umziehen möchte, kann das tun. Er muss sich nur vorher an den Infopoint wenden und einen Termin vereinbaren. Denn: „Wenn alle gleichzeitig ausziehen würden, würde rund um das Gebäude Chaos herrschen“, sagt Wilde. Auch bei Umzügen müsse die Sicherheit gewährleistet bleiben. Hierbei können Mieter auch auf finanzielle Unterstützung hoffen. Dafür wenden sie sich am besten an das Sozialamt in der Luisenstraße. „Es gibt keine Hemmnisse für die, die es sich nicht leisten können“, macht Wilde deutlich.

Infopoints bleiben weiter bestehen

Unterstützung für die Hannibal-Bewohner gibt es außerdem in Form der vier Infopoints, auch der Schuldienst bleibt weiterhin bestehen und die Unterstützung vom Mieterverein bleibt ihnen erhalten. „Der Eigentümer fängt an, sich Gedanken zu machen“, stellt Wilde klar. Zeitnah möchte er einen Container aufstellen, um Vermieter vor Ort zu beraten. Außerdem möchte er Ersatzwohnraum zur Verfügung stellen. Dieser soll zwar auch in Dortmund, aber in den umliegenden Gebieten sein.

Wie bekannt wurde, verklagt der Mieter die Stadt wegen der Räumung. „Es gibt ein Klageverfahren, ja. Die Begründung und die Konkretisierung dafür stehen noch aus“, sagt Wilde. Die Klageschrift muss jetzt vom Eigentümer erst einmal begründet werden, danach kann die Stadt sich verteidigen. Um Spekulationen zu vermeiden, äußert sich die Stadt derzeit nicht weiter dazu. Allerdings sieht sie der Klage „sehr gelassen“ entgegen, wie Wilde mitteilt. „Wir haben kompetent gehandelt und lassen uns nicht davon abhalten, zu unterstützen“.

Trotz Klage ein gemeinsames Ziel

Eigentümer und Besitzer haben allerdings ein und dasselbe Ziel: Das Gebäude schnell wieder ans Netz zu bringen. „Der Wohnraum dort wird gebraucht“, sagt Wilde ganz deutlich. Die Stadt hofft jetzt, dass der Vermieter schnell handelt und die Mängel behebt, damit der Wohnkomplex wieder freigegeben werden kann. Wann das der Fall ist, ist schwer zu sagen. Vermutlich handelt es sich eher um mehrere Monate als um Wochen. Denn die baulichen Maßnahmen brauchen Zeit, bevor in dem Gebäude wieder ein Wohnen stattfinden kann. „Wir setzen darauf, dass der Eigentümer die Mängel auch behebt“, so Wilde.

Laut Wilde möchte der Eigentümer den Wohnkomplex schnellstmöglich wieder in Stand setzen, und daran glaubt auch die Stadt. „Unter erheblichem Personaleinsatz übernehmen wir als Stadt gerade den Job des Eigentümers“, stellt Ludger Wilde klar. „Wir machen den Job ganz gut. Jeder der Hilfe will, bekommt sie auch.“ Und weiter: „So lange der Eigentümer ausfällt, sind wir da.“ Der Stadt ist aber auch bewusst, dass in diesem Fall noch viel passieren kann und noch einige Fragen offen seien.

Update, 29. September, 20:09 Uhr: Nach Angaben des WDR hätten sich am Freitagnachmittag (29. September) mehrere aufgebrachte Mieter vor dem Hochhauskomplex eingefunden, um ihren Unmut gegen die Eigentümer des Hannibal II-Komplexes und die Stadt zu zeigen. Die Demonstranten hätten außerdem angekündigt diesen Protest in den nächsten Tagen fortzusetzen.