Bild: dortmund24/ruhr24

Am Freitag (21. September 2018) vor genau einem Jahr mussten die knapp 800 Bewohner des Hannibal-Komplexes in Dorstfeld ihre Wohnungen innerhalb weniger Stunden räumen. Der Grund waren Brandschutzmängel im Gebäude. Bis heute ist nicht klar, wie es mit Hannibal II weitergehen soll.

„Es geht um eine akute Gefahr für Leib und Leben. Die sofortige Evakuierung halten wir für die einzig gerechtfertigte Lösung.“ Die Worte Ludger Wildes, dem damaligen Leiter des Krisenstabs der Stadt Dortmund, läuteten 2017 ein, was für die Bewohner des Wohnkomplexes bis heute Nachwirkungen hat.

Hannibal-Räumung ungerechtfertigt?

Die Räumung des Hannibal II in Dorstfeld kostete die Stadt damals rund 781.000 Euro. Einen Teil davon fordert die Stadt bereits seit Anfang des Monats von der Inhaberin des Wohnkomplexes, Intown, zurück. Intown hält die Räumung des Gebäudes jedoch bis heute für ungerechtfertigt. In den ersten Monaten nach der Räumung wies Intown laut des „Mietervereins Dortmund und Umgebung“ sogar den Instandsetzungsbedarf und Brandschutzmängel zurück.

Jetzt legte die Inhaberin des Wohnkomplexes der Stadt Dortmund jedoch Pläne für die Sanierung der Wohnanlage vor. Rückt eine Wiederbewohnbarkeit der inzwischen lange leer stehenden Wohnung nun doch in greifbare Nähe?

Bekannt ist dem Mieterverein bisher nur, dass für Ende 2019 der Baubeginn geplant ist. 2020 sollen die Wohnungen dann wieder bezogen werden. Von Fachleuten wird die Investitionssumme derweil auf 30 Millionen Euro geschätzt, so der Mieterverein.

Mittlerweile ist auch der kleine Bruder, der Hannibal I in der Nordstadt, von der LEG an einen Investor verkauft worden.

Sanierung bis 2019 zweifelhaft

Ob Intown ihrem Sanierungsplan in dieser Zeitspanne auch wirklich nachkommt, bezweifelt der Mieterverein unterdessen. „Wer die Berichte ehemaliger Bewohner zu früheren Renovierungsmaßnahmen kennt, hat begründet Zweifel daran, dass der Zeitplan zu halten ist“, so Rainer Stücker vom Mieterverein. Die Zweifel werden auch daraus geschürt, dass Intown anstatt einer bloßen Nutzungsuntersagung – wie sie von der Stadt Dortmund gefordert 2017 wurde – eine komplette Stilllegung des Gebäudekomplexes vorantrieb. Wasser und Heizung haben die Wohnungen seit Monaten nicht mehr. Das gefährdet die Bausubstanz zusätzlich.

Krisenmanagement stemmte allein die Stadt

Der Mieterverein wirft Intown zudem vor, dass das Krisenmanagement 2017 komplett der Stadt Dortmund überlassen wurde. Also die Räumung der Wohnungen und die Unterbringung der Mieter in geeigneten Notunterkünften. Auch unterstützende Angebote, wie die Hilfe bei Umzügen oder Ersatzbeschaffungen von Möbeln, leistete Intown laut Mieterverein nicht. Die Bewohner durften nach Räumung ihrer Wohnungen diese nicht mehr betreten. Nur wer eine einstweilige Verfügung beim Landgericht beantragte, kam wieder in das Gebäude.

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Bis heute fragen sich viele, wie es zu den gravierenden Mängeln im Brandschutz des Gebäudes kommen konnte. Der Mieterverein fordert daher auch, dass die „Entdeckung schwerwiegender Brandschutzmängel nicht dem Zufall überlassen werden dürfen.“ Eine Einhaltung des Brandschutzes müsse von den Behörden geprüft werden, auch um eine kurzfristige Räumung wie im Falle des Hannibal II in Zukunft zu vermeiden.