Früher das Zuhause vieler Menschen

Dortmund: Heftige Bilder vom Hannibal II zeigen starken Verfall des Wohnhauses

Hannibal II in Dortmund verfällt und verwahrlost zunehmend.
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Hannibal II in Dortmund verfällt und verwahrlost zunehmend.

Der Verfall des Hannibal II in Dortmund nimmt seinen Lauf. Was früher das Zuhause vieler war, ist heute gezeichnet von Plünderung und Verwahrlosung.

Dortmund - Der traurige Verfall des Wohnkomplexes Hannibal II in Dortmund-Dorstfeld wird immer offensichtlicher. Müll, Unrat, zugewucherte Wege und Spielplätze - die Verwahrlosung des Hochhauses nimmt überhand. An dem Hab und Gut, welches die einstigen Bewohner zurückließen, als sie überstürzt ausziehen mussten, bedienen sich inzwischen viele, die auf Beutezug durch den Komplex streifen.

Hannibal II

Wohnkomplex in Dortmund-Dorstfeld

Adresse

Vogelpothsweg 21 bis 26

Wohneinheiten

412

Dortmund: Hannibal II verfällt seit Evakuierung im Jahr 2017

Wo einem früher spielende Kinder entgegenkamen, sind es heute womöglich Ratten, die sich zwischen Müll und anderem Unrat ihr Nest im Hannibal II gebaut haben. Denn der stapelt sich mitunter Säckeweise in den Eingängen des Hochhauses und auf den Gehwegen davor.

Der Wohnkomplex ist sich selbst überlassen. Es ist keiner mehr da, der sich kümmert, Wege und Spielplätze pflegt, oder das zurückgelassene Hab und Gut der ehemaligen Bewohner im Auge behalten würde. Und so ist es nicht nur der Verfall der vielen Wohnungen, des Gebäudes und des Außengeländes, was missmutig stimmt, sondern auch die blinde Zerstörungswut und die Plündereien durch "zwielichtige Gestalten", wie sie das Mieter Netzwerk Dortmund nennt (mehr Nachrichten aus Dortmund auf RUHR24.de).

Hannibal II in Dortmund: Gitter vor den Fenstern halten Eindringlinge nicht ab

Erst im Mai 2020 warfen Jugendliche aus Jux Möbel aus den oberen Stockwerken des Gebäudes. Dabei ist das Gebäude eigentlich "bauwerksgesichert": Der Eigentümer ließ laut der Stadt Dortmund Fenster und Türen im Erdgeschoss sowie die Zufahrten zur Tiefgarage verschließen.

Im Hannibal II in Dortmund stapelt sich der Müll - Ratten finden hier ein Zuhause.

 

Strom- und Wasserleitungen wurden gekappt. Doch offensichtlich halten die Gitter und Tore jene, die in das Gebäude eindringen wollen, nicht davon ab, dies auch zu tun und in den Wohnungen der ehemaligen Bewohner Schindluder zu treiben.

Dortmund: Räumung von Hannibal II wegen Brandschutzmängel

753 Menschen waren es, die in kürzester Zeit im Herbst 2017 ihre Wohnungen verlassen mussten. Die Stadt Dortmund ließ das Hochhaus damals räumen, weil es erhebliche Brandschutzmängel gegeben haben soll. 

Wo früher Kinder spielten, ist heute ein geisterhaftes und zugewuchertes Außengelände am Hannibal II zu finden.

Das Problem sah die Stadtverwaltung bei einigen vertikalen Schächten, die eine Verbindung zwischen Parkdeck und Wohneinheiten herstellen. Durch sie würde es im Brandfall zu einer lebensgefährlich starken Rauchentwicklung in den Wohnungen selbst, aber auch auf den Rettungswegen kommen, stellten Experten damals fest.

Dortmund: Mangelhafter Brandschutz im Hannibal II - Erinnerung Greenfell Tower

Wegen der "akuten Gefahr für Leib und Leben", vielleicht aber auch weil die Bilder des lichterloh brennenden Greenfell Towers in London mit mehr als 70 Toten noch zu frisch waren, beschloss die Stadt den Wohnkomplex zügig zu räumen. So zügig, dass viele Bewohner überstürzt nur die wichtigsten ihrer Habseligkeiten packten und sich eine neue Bleibe suchten. In den Wohnungen blieben Möbel und andere persönliche Dinge zurück. Bis heute.

Blinde Zerstörungswut: Im Hannibal II in Dortmund bröckelt nicht nur die Fassade.

Drei Jahre ist die Räumung des Hochhauskomplexes Hannibal II nun her. Und noch immer ist nicht klar, was weiter geschehen soll. Stadt und Eigentümer, Lianeo Real Estate ehemals Intown Properties, stehen im Zwist: Es geht um die Sanierung des leer stehenden Hochhauses. 

Denn eigentlich sollten nach Angaben des Mieter Netzwerks schon in diesem Jahr (2020) wieder neue Mieter einziehen können. So zumindest sei der Plan des Eigentümers gewesen. Bislang ist der Wohnkomplex aber weit davon entfernt, sich wieder mit Leben zu füllen und den angespannten Wohnungsmarkt in Dortmund zu entlasten.

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