Am Samstag (14. Oktober) demonstrierten rund 80 Hannibal-Bewohner in der Dortmunder Innenstadt, um auf sich und ihre Situation aufmerksam zu machen.

„Wir wollen wieder rein! Wir wollen wieder rein! Wir wollen wieder rein!“ schallt es am Samstagmittag (14. Oktober) durch die Dortmunder Innenstadt. An der Katharinenstraße haben sich rund 80 Bewohner des Hochhauskomplexes Hannibal II in Dortmund-Dorstfeld versammelt.

„Finanzielle Entschädigung für Alle!“, „Intown enteignen!“, „Keine Geschäfte mit unserem Wohnraum!“, „Intown spielt mit Menschenleben!“ und „Menschenwürdiges Wohnen statt Massenunterkünfte!“ steht auf den Schildern, die die Ex-Bewohner in die Luft halten. Auf einem großen Transparent stehen die Forderungen: „1. Sofort finanzielle Entschädigung für Alle! 2. Sofort Ersatzwohnungen oder Hotelzimmer! 3. Intown enteignen!“

Hannibal-Demo durch die Innenstadt am Samstag (14. Oktober). Foto: Nadja Lucas/Dortmund24
Die Forderungen stehen auf einem Transparent. Foto: Nadja Lucas/Dortmund24

Am Dienstag (10. Oktober) hat sich die Initiative Hannibal II gegründet, damit die Not der Leute nicht weiter ignoriert wird. „Das Verbrecherpack (Anmerkung der Redaktion: gemeint ist Intown, der Eigentümer des Hannibal) gehört zur Rechenschaft gezogen“, so ein Mitorganisator der Demo.

„Wir haben ein Zuhause und wir wollen wieder rein“

Beim „offenen Mikro“, wo jeder Hannibal-Bewohner sagen kann, wie es ihm gerade geht, wird deutlich: Die Nerven liegen blank. „Seit 17 Jahren wohne ich im Hannibal und dann bekommt man auf einmal gesagt ‚gleich wird der Block geräumt‘ und du denkst dir nur ’na super'“, sagt ein Student, der momentan bei seiner Schwester wohnt und für die Klausurenphase lernt. Was ihn besonders trifft: Die Kinder, die ihre Kindheit nicht dort verbringen dürfen. „Die Situation ist bescheiden“, sagt er.

Ein ältere Mann, der seit 33 Jahren im Hannibal wohnt, meint: „So viele wollen im Hannibal bleiben. Auch ich möchte wieder rein. Es wird Zeit, dass etwas gemacht wird.“ Und weiter: „Wir sind in den Ar*** gekniffen! Das ist ein Hohn, was man mit uns macht.“ Die Forderung des 73-Jährigen: Stadt und Intown müssen sich zusammensetzen.

Eine Mieterin beschreibt den Hochhauskomplex so: „Wir sind da alle eine Familie geworden. Ich fühle mich sehr wohl im Hannibal, auch wenn alle ihn immer als ‚asi‘ bezeichnen. Aber es reicht so langsam. Das ist zu viel für uns alle und das ist alles nicht mehr normal.“ Was alle Demonstranten meinen: „Wir haben ein Zuhause und wir wollen wieder rein.“ Auf einem Schild steht: „Wir sind keine Asozialen – sondern Menschen!“

Hannibal-Demo durch die Innenstadt am Samstag (14. Oktober). Foto: Nadja Lucas/Dortmund24
„Wir sind keine Asozialen – sondern Menschen!“ Foto: Nadja Lucas/Dortmund24

Die Demo startet um 13.30 Uhr an der Katharinenstraße und verläuft dann über die Kampstraße bis zur Reinoldikirche, die Kleppingstraße und über die Olpe bis zum Friedensplatz, wo man sich an der Friedenssäule versammelt.

Bei dem Gang durch die Innenstadt, der gut 30 Minuten dauert, hört man immer wieder Rufe wie „Wir wollen wieder rein!“, „Hannibal den Menschen, für Wohnraum muss man kämpfen“ und „Wir wollen nach Hause“.

Wilde kann Demo nachvollziehen

Vor dem Friedensplatz steht auch Ludger Wilde, Leiter des Dortmunder Krisenstabs. „Ich kann es verstehen. Ich würde es auch machen“, sagt er gegenüber unserer Redaktion im Bezug auf die Demo der Hannibal-Bewohner.

Auf dem Friedensplatz ergreift eine 16-jährige Schülerin das Wort: „Unsere Psyche ist kaputt gegangen“, sagt sie. Ihre Noten hätten sich verschlechtert, sie werde gemobbt und bekomme andauernd Ärger. „Wir fühlen uns im Stich gelassen.“

Und eine ältere Bewohnerin ergänzt: „Wir wollen einfach nur zurück. Wir wollen nicht viel, wir wollen einfach nur in unsere Wohnungen.“

Hannibal-Demo durch die Innenstadt am Samstag (14. Oktober). Foto: Nadja Lucas/Dortmund24
Ludger Wilde spricht zu den Demonstranten. Foto: Nadja Lucas/Dortmund24

„Fürchterliches Debakel“

Auch Ludger Wilde ergreift auf dem Friedensplatz an diesem Samstag das Wort: „Es ist ein fürchterliches Debakel. Die Räumung war keine leichte Entscheidung für uns, aber die einzige Möglichkeit. Wir haben alle Alternativen durchgespielt, aber es gab keine andere.“

Das Ziel der Stadt sei, die Bewohner des Hannibal „so schnell wie möglich wieder in Wohnungen unterzubringen“. Wilde macht aber euch deutlich, dass der Zustand des Hannibal die Schuld des Eigentümers sei. Er habe den Brandschutz vernachlässigt. Bis Samstag (14. Oktober) habe Wilde „keine verlässliche Antwort“ von Intown erhalten wie es mit einem Zeitplan aussehen könnte.

Am Montag (16. Oktober) soll wieder eine Informationsveranstaltung in der DASA stattfinden. Wilde hofft, dass an diesem Tag mehr über den Zeitraum gesagt werden kann. Aber: „Die Dauer kann nur Intown selbst sagen.“