"Graffiti-Bombing" in Dortmund: Polizei ermittelt, Insider sieht Besonderheit

Ein Bahnmitarbeiter begutachtet den Schaden an einem Zug, der mit Graffiti beschmiert worden ist. Foto: dpa
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Ein Bahnmitarbeiter begutachtet den Schaden an einem Zug, der mit Graffiti beschmiert worden ist. Foto: dpa

Dortmund/NRW - Sprayer haben mit einem "Graffiti-Bombing" in Dortmund für Aufsehen gesorgt. In der Szene kommt die Aktion wohl gut an. Die Polizei sucht derweil die Täter.

Sprayer haben mit einem "Graffiti-Bombing" in Dortmund an Neujahr für Aufsehen gesorgt. In der Szene kommt die Aktion wohl gut an. Die Polizei wertet derzeit Videos aus und sucht die Täter. Für die Bahn ist das nichts Neues.

Graffiti sind in Dortmund seit jeher angesagt. Die Szene, die Graffiti-Sprayer an Neujahr am Halt Dortmund-West abgezogen haben, ist in der Stadt jedoch eine Seltenheit. Rund 20 Vermummte haben an Neujahr (1. Januar) einen Wagen der Linie S4 an der Haltestelle Dortmund-West großflächig besprüht.

Und wie: Damit der Zug nicht weiterfahren konnte, warfen sie zwei Einkaufswagen auf die Gleise davor und zündeten daneben Nebelwurfkörper. Nach nur fünf Minuten seien sie unerkannt geflüchtet, steht im Bericht der Bundespolizei.

Was sagt die Bundespolizei?

Die Ermittlungen haben begonnen, sagt Volker Stall, Sprecher der Bundespolizei St. Augustin. Die Fahrgäste in der S4 waren erschrocken. Auch der Zugführer sei verständlicherweise nicht ausgestiegen, bis die Sprayer nach wenigen Minuten wieder verschwanden.

Fährt die Bahn weiter, wird meist an einer der folgenden Stationen ein Foto des Graffitis gemacht. Das war an der Möllerbrücke der Fall. Nicht vermummte Täter fotografierten das Graffiti aus der Ferne und rannten davon. Die Polizei hofft nun, sie mit der Beschreibung des Bahnmitarbeiters zu finden. Außerdem werten Ermittler Videoaufnahmen der Tat aus. Im Dezember konnte die Polizei zwei Graffiti-Sprayer in Dortmund stellen.

Erst der dritte Fall in der Region

Beim "Bombing" werden in kürzester Zeit möglichst große Flächen mit Farbe besprüht. In Bochum gab es vor wenigen Jahren erstmals ein solches "Graffiti-Bombing". In Dortmund-Kurl sprühten zehn Vermummte 2018 einen Waggon voll. Damals wurde eine Person festgehalten, die Ermittlungen laufen noch, sagt Stall.

Einfach zu fassen sind Sprayer nicht. Auch, weil es meist kaum Zeugen gibt. Deswegen brauchen die Ermittler etwas Glück, sagt der Polizeisprecher: "Man hofft immer, das sogenannte Blackbook und Speichermedien zu finden, um Hinweise auf andere Taten zu erhalten." Im Blackbook der Sprayer finden sich oft Zeichnungen und Fotos ihrer Graffiti.

Was sagt die Szene?

Ein Szene-Insider spricht zwar von einer Besonderheit, die aber nicht überstilisiert werden sollte. Unter Sprayern würde diese Hau-Ruck-Aktion jedoch vermutlich hoch bewertet. Aufgetaucht sind Fotos des Graffiti bislang jedoch nicht.

In Großstädten wie Berlin sei das "Graffiti-Bombing" an der Tagesordnung. In kleineren Städten wie Dortmund werde es jedoch immer schwerer, Graffiti auf Zügen fahren zu haben, sagt der Szene-Kenner. An Tagen wie Neujahr, wo viele Menschen unterwegs sind, sei es dann besonders gut sichtbar.

Nichts Neues für die Bahn

Für die Deutsche Bahn ist das kein neuer Vorfall. In NRW zählte das Unternehmen 2017 rund 5.000 Straftaten durch Graffiti. Bundesweit sie diese Zahl im ersten Halbjahr 2018 jedoch um etwa vier Prozent zurück gegangen, sagte eine Bahnsprecherin.

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Der Schaden ist jedoch groß: Bundesweit kosten Schäden durch Graffiti rund 10 Millionen Euro pro Jahr. Davon entfällt nur ein Teil davon auf die Reinigung der Waggons. "Zugausfälle, Dispositionsaufwand und zusätzliche Zugfahrten verursachen ebenfalls erhebliche Kosten", so die Sprecherin.

Riskieren sollten Fahrgäste oder Bahnmitarbeiter in solchen Fällen lieber nichts, sagt die Sprecherin. Beobachtungen, die Hinweise zu den Sprayern liefern, wären aber hilfreich.

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