Glocken zu laut: Rechte zeigen Pfarrerin an!

Dortmund/NRW - Nach der Besetzung des Turms der Reinoldikirche durch rechte Aktivisten, haben die Rechten jetzt Strafanzeige gestellt: Gegen die Pfarrerin

Jetzt drehen die Rechten den Spieß um! Nachdem acht Aktivisten der Partei "die Rechte" kurz vor Weihnachten den Turm der Reinoldikirche stürmten und für ihre Propaganda nutzten, erstatten sie nun Strafanzeige gegen die Pfarrerin der Kirche. Es geht um den Vorwurf der Körperverletzung.

Dortmund - Fast zwei Wochen ist es her, dass Aktivisten der Partei "die Rechte" den Turm der Reinoldikirche stürmten. Von dort aus verbreiteten sie ihre Ideologie, breiteten ein Banner mit der Aufschrift "Islamisierung stoppen" aus. Doch jetzt folgt schon der nächste Hammer: Die Neonazis drehen den Spieß einfach um, erstatteten kürzlich Anzeige gegen die Pfarrerin Susanne Karmeier.

Diese hatte während der Turmbesetzung angeordnet, die Glocken der Kirche läuten zu lassen, um das Gebrüll der Rechten zu übertönen. Dafür bekam sie in den Sozialen Medien viel Beifall. Die rechten Aktivisten jedoch fühlen sich jetzt als Opfer, beklagen, die Glocken seien so laut gewesen, dass die Ohren der Aktivisten weh getan hätten.

Strafanzeige gegen Pfarrerin

Ein entsprechender Antrag auf Strafanzeigen des Rechten Michael Brück ist bereits bei der Staatsanwaltschaft eingegangen und wurde gegenüber Dortmund24 bestätigt. "Der Sachverhalt wird geprüft, die Ermittlungen sind eingeleitet", sagt Staatsanwalt Elmar Pleus.

Anzeigenerstatter Brück fordert die Einleitung von Ermittlungen wegen fahrlässiger bzw. gefährlicher Körperverletzung. Karmeier hätte bei der Festnahme der Aktivisten die Glocken abschalten müssen. Andernfalls hätten die Aktivisten Ohrenschutz während der Festnahme bekommen sollen. Er wirft der Pfarrerin im online-veröffentlichten Schreiben an die Staatsanwaltschaft "gefährliche Körperverletzung" vor.

Pfarrerin Susanne Karmeier war am Donnerstag für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Im Gespräch mit Dortmund24 sagte sie kurz nach dem Kirchturmsturm, ein Gespräch mit den Besetzern sei nicht möglich gewesen, da sie die Tür verbarrikadiert hätten.

Der evangelische Kirchenkreis hatte die Aktion der Rechten als "Respektlosigkeit" und als "Missbrauch der Kirche zu Propagandazwecken" bezeichnet.