Corona-Krise setzt Kette schwer zu

Galeria Karstadt Kaufhof mit Schließungen in NRW und im Ruhrgebiet - Insolvenzverfahren eröffnet

Die Coronavirus-Krise setzte Galeria Karstadt Kaufhof heftig zu. Das Insolvenzverfahren ist nun eröffnet, tausende Mitarbeiter verlieren ihre Jobs.

  • Mehr als ein Fünftel aller Galeria Karstadt Kaufhof-Mitarbeiter könnten ihren Job verlieren.
  • Doch die Schließungswelle hat auch Auswirkungen weit über das Unternehmen hinaus.
  • Warenhäuser sind für Innenstädte von enormer Bedeutung.

Update, Mittwoch (1. Juli), 16.38 Uhr: Die Entwicklungen rund um Galeria Karstadt Kaufhof nehmen derzeit ihren Lauf. Wie das Amtsgericht Essen am Mittwoch (1. Juli) mitteilte, ist das Insolvenzverfahren für das Unternehmen und acht verbundene Firmen in Eigenverantwortung nun eröffnet.

Schließung von Galeria Karstadt Kaufhof: Insolvenzverfahren ist eröffnet

Betroffen seien neben der Warenhauskette selbst die Tochterunternehmen Karstadt Sports, Galeria Logistik, Sportarena, Le Buffet, Dinea Gastronomie Karstadt Feinkost, Atrys I und Saks Fifth Avenue Off 5th Europe, wird das Amtsgericht von der Deutschen Presse-Agentur (dpa) zitiert.

Das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung schließt an das bisherige Schutzschirmverfahren an. Galeria Karstadt Kaufhof und Karstadt Sports reichten am Mittwoch beim Gericht die in den letzten Monaten erarbeiteten Insolvenzpläne mit den Details des Sanierungskonzepts ein.

Anfang September entscheiden die Gläubiger von Galeria Karstadt Kaufhof in Essen über die Zukunft des Unternehmens*. Verdi warnte zuvor vor der Zerschlagung des Traditionsunternehmens.

Insolvernzverfahren von Galeria Karstadt Kaufhof eröffnet: Amtsgericht prüft Konzept

Das Gericht hat nun zu prüfen, ob die Pläne den gesetzlichen Voraussetzungen entsprechen. Zum Sachwalter wurde der Insolvenzexperte Frank Kebekus berufen, der die Unternehmen auch schon im Schutzschirm-Verfahren beaufsichtigt hatte.

Update, Sonntag (21. Juni), 12.15 Uhr: Daniela Schneckenburger, OB-Kandidatin der Grünen in Dortmund, hat sich zur Schließung der Filialen von Galeria Kaufhof und Karstadt* geäußert. Die Filialen schließen zu wollen sei nicht nur für die Mitarbeiter, die ihren Arbeitsplatz verlieren, dramatisch - sondern auch ein Kahlschlag für die Innenstadt in Dortmund

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet solle aus Sicht von Daniele Schneckenburger alle Beteiligten, inklusive Oberbürgermeister der Städte, an einen Tisch holen. 

Zudem müsse sich der Eigentümer klar sein, dass eine Vermarktung und Neuaufstellung der leer stehenden Immobilien ohne die Unterstützung der betroffenen Städte ein Problem werden könne

Update, Sonntag (21. Juni) 12 Uhr: Aus Sicht der Stadt Dortmund erzeuge die Situation der Schließung von der Filialen von Galeria und Karstadt viele offene Fragen. 

Schließung von Galeria Kaufhof und Karstadt - Rat der Stadt Dortmund hat Fragen

Warum kommt es zur Schließung?

  • Obwohl die Filiale in Dortmund zu den umsatzstärksten in den vergangenen Jahren gehört hat?
  • Obwohl noch vor wenigen Jahren acht Millionen Euro in den Ausbau investiert wurde
  • Obwohl Kundenpotentiale und Einzugsgröße von zwei bis drei Millionen Euro vorhanden ist

Aus Sicht des Rates der Stadt Dortmund seien nicht finanzielle und betriebswirtschaftliche und auch die coronabedingten Einbußen nicht ausschlaggebend für die Schließung. Vielmehr scheine es, dass die Filialen in Dortmund bei weiteren Verhandlungen über öffentliche Hilfe zur Disposition gestellt werden sollen. 

Der Rat der Stadt Dortmund würde die Verwaltung darum bitten, Kontakt zu den Verantwortlichen des Rettungsschirmverfahrens und zum Signa-Konzern aufzunehmen. Das Ziel: Die Klärung der offenen Fragen und der Erhalt der Filialen in Dortmund. Darüber hinaus wolle man gemeinsam mit anderen betroffenen Städten Kontakt zu NRW-Landesregierung aufnehmen. 

Update, Freitag (19. Juni), 17.25 Uhr: Essen - Auch die Filialen in Essen sind von der drohenden Schließung von Galeria Karstadt Kaufhof betroffen - und das, obwohl es sich um den Hauptsitz des Unternehmens handelt. Essens Oberbürgermeister Thomas Kufen hat sich nun zu der einschneidenden Entscheidung des Warenhauses geäußert. 

"Wenn es so kommen sollte, bedauere ich die Entscheidung sehr und halte sie für falsch", so Oberbürgermeister Thomas Kufen. Und weiter: "Es ist völlig unverständlich, dass am Hauptsitz des Unternehmens zwei Häuser geschlossen werden sollen. Das ist ein Tiefschlag für den Standort und auch für unsere Innenstadt würde das einen großen Einschnitt bedeuten."

Schließung von Galeria Kaufhof-Filialen und Karstadt - auch am Hauptsitz Essen

Er wolle alles dran setzen, um eine neue Strategie für die Galeria Karstadt Kaufhof-Standorte in Essen zu suchen. Insbesondere für die Angestellten, die durch die Schließungen ihren Job verlieren würden, müsste eine Lösung gefunden werden. So will man in Essen weiterhin Gespräche mit den Verantwortlichen der Warenhauskette, dem Betriebsrat und den Gewerkschftsvertretern führen. 

Ob und welche Auswirkungen die aktuellen Filialschließungen in Essen auf die hier ansässige Unternehmenszentrale haben werden, lässt sich derzeit nicht sagen. Die Stadt geht davon aus, dass Essen weiterhin und in unvermindertem Umfang Hauptsitz der Galeria Karstadt Kaufhof GmbH ist, heißt es in der heutigen Pressemitteilung

Galeria Karstadt Kaufhof schließt Häuser in Dortmund, Essen und Düsseldorf

Update, Freitag (19. Juni), 17.25 Uhr: Nun ist es offiziell. Von der Massen-Schließung der Warenhauskette Galeria Karstadt Kaufhof sind auch viele Häuser im Ruhrgebiet betroffen. Insgesamt sind 18 Filialen in NRW bedroht, wie aus einer Liste der Gewerkschaft Verdi hervorgeht. 

Diese Galeria Karstadt Kaufhof sollen geschlossen werden: 

  • Bielefeld
  • Bonn 
  • Brühl 
  • Dortmund (Zwei Häuser)
  • Düsseldorf (Zwei Filialen)
  • Essen (Zwei Filialen)
  • Gummersbach
  • Gütersloh
  • Hamm 
  • Iserlohn 
  • Köln Weiden 
  • Leverkusen 
  • Mönchengladbach Reydt 
  • Neuss 
  • Witten

Galeria Karstadt Kaufhof: 18 Filialen in NRW von der Schließung betroffen

In Dortmund hat sich nun schon die SPD zu der Massen-Schließung geäußert. "Die Absicht von Galeria Karstadt Kaufhof, beide Dortmunder Warenhausstandorte zu schließen, hat uns schockiert. Den 350 Kolleginnen und Kollegen, die von der Schließung betroffen sein werden, gilt unsere uneingeschränkte Solidarität," so die Dortmunder SPD-Landtagsabgeordneten Volkan Baran, Anja Butschkau, Armin Jahl und Nadja Lüders.

Außerdem wolle man das Gespräch mit dem Betriebsrat und Verdi suchen, um zu besprechen, um gemeinsam für den Erhalt zumindest einer Filiale in Dortmund zu kämpfen. "Wir erwarten nun auch von der Landesregierung, dass sie wach wird und sich für den Erhalt von Arbeitsplätzen und des Einzelhandelsstandorts Dortmund einsetzt. Gerade Nordrhein-Westfalen ist mit 18 Filialschließungen am stärksten betroffen. Das darf Laschet, Pinkwart und Laumann nicht kalt lassen",  forderten die Dortmunder SPD-Landtagsabgeordneten in einer Pressemitteilung weiter.

Galeria Karstadt Kaufhof: Standort in Essen muss schließen

Update, Freitag (19. Juni), 14.33 Uhr: Nach Informationen der WAZ sollen in Nordrhein-Westfalen rund 12 Filialen der Warenhauskette Galeria Karstadt Kaufhof schließen. In Essen sollen demnach die Häuser am Willy-Brandt-Platz und im Limbecker Platz geschlossen werden. Das ist besonders brisant, da der Konzern seinen Stammsitz in Essen hat.

Außerdem sollen beiden Filialen in Dortmund auf der Streichliste stehen, auch zwei Häuser in Düsseldorf  und eine Galeria Karstadt Kaufhof-Filiale in Witten sollen schließen müssen.

Galeria Karstadt Kaufhof: Experten befürchtung Verödung der Innenstädte

Erstmeldung, Freitag (19. Juni), 14.09 Uhr: Es ist nur ein kleiner Trost: Es werden weniger Filialen der Warenhauskette Galeria Karstadt Kaufhof geschlossen, als zunächst befürchtet. Doch noch immer sind tausende Mitarbeiter betroffen, tausende, die durch die Schließungswelle ihren Job verlieren werden. Doch die Schließungen ziehen noch größere Kreise: Experten befürchten eine Verödung der Innenstädte, berichtet RUHR24.de*.

Name:

Galeria Karstadt Kaufhof

Hauptsitz:

Essen

Rechtsform:

GmbH

Gründung:

2019 als Zusammenschluss aus Galeria Kaufhof und Karstadt

Zu Beginn der Krise bei Galeria Karstadt Kaufhof im Mai 2020 war laut ARD von 80 Filialen die Rede, die geschlossen werden sollten. Jetzt sind es noch 62 von insgesamt 172 Filialen. 43 aller bisherigen Filialen von Galeria Karstadt Kaufhof liegen in NRW. Für das Land nimmt die Warenhauskette eine besondere Stellung ein.

Schließungen bei Galeria Karstadt Kaufhof: Innenstädte können Verluste nicht ausgleichen

Doch auch wenn nun mehr Filialen am Überleben gehalten werden sollen, ist und bleibt es eine Hiobsbotschaft - in erster Linie für die Mitarbeiter, die nun ihren Job verlieren, aber auch für die Städte und Kommunen. Denn für Innenstädte sind die Warenhäuser nach wie vor wie Magnete, die die Käufer in die Innenstädte ziehen. 

Die Warenhäuser Galeria Karstadt Kaufhof seien nicht irgendwer für die Innenstädte, sie seien "systemrelevant", so Norbert Portz vom Deutschen Städte- und Gemeindebund. Er warnt: Eine derartige Schließungswelle könne die Gefahr der Verödung der Innenstädte bergen. Gerade für schwache Innenstädte könne ein Verlust der Warenhäuser kaum ausgeglichen werden. Ein Desaster also.

Schließungen bei Galeria Karstadt Kaufhof: Tausende Mitarbeiter verlieren ihre Jobs

Ein Szenario, welches vielen Mitarbeitern von Galeria Karstadt Kaufhof in ganz ähnlicher weise droht. Rund 6000 der 28.000 Mitarbeiter dürften nach Angaben des Kölner Stadt-Anzeiger ihren Job verlieren. Besonders für jene, die auf das Einkommen angewiesen sind, ebenfalls ein Desaster. Welche Filialen betroffen sind, bleibe laut Deutscher Presseagentur (dpa) zunächst noch offen. In den Filialen - so auch in Dortmund - bangen die Mitarbeiter nun um ihre Jobs. Dabei könnten die Filialen am Standort Dortmund verschont bleiben.

Mitarbeiter bei Galeria Karstadt Kaufhof bangen um ihre Arbeitsplätze.

Das nun 18 Filialen weniger als vormals gedacht schließen müssen, hätte durch Zugeständnisse von Vermietern und Beschäftigten erreicht werden könne. Nach Informationen aus dem Umfeld des Konzerns liefen aber vor allem die Verhandlungen mit den Immobilieneigentümern zäh. Dabei muss der Sanierungsplan bereits Ende Juni vorliegen. 

Galeria Karstadt Kaufhof: Kurzarbeit ab Juli

Für die Mitarbeiter begann schon im April die lange Zeit des Hoffens und Bangens. Ab der ersten Juliwoche könnte zudem in einzelnen Bereichen und Filialen Kurzarbeit beantragt werden, heißt es in einem Bericht der Wirtschafts Woche. 

Doch auch jene, die nicht unmittelbar bei der Warenhauskette angestellt sind, könnte die Krise des Giganten am Ende treffen. Verdi warnte bereits im Mai davor, dass auch zehntausende Arbeitsplätze bei anderen Einzelhändlern langfristig gefährdet sein könnten. Denn: Die Attraktivität der Innenstädte sei durch die Schließungen bedroht.

Details zur Schließung der Galeria Karstadt Kaufhof Filialen

Der Handelsriese war durch die Corona-bedingte Schließung aller Filialen in eine schwere Krise geraten. Anfang April hatte die Warenhauskette Rettung in einem Schutzschirmverfahren gesucht. Der Konzern erwartete eine Milliarde Umsatzverluste durch die Pandemie im aktuellen Jahr. 

Details dazu, welche Karstadt-Kaufhof-Filialen geschlossen werden, wie der Interessensausleich für die von Kündigung betroffenen Mitarbeiter und ein Zukunftskonzept für den Konzern aussehen soll, wird in Kürze, laut ARD möglicherweise schon im Laufe des heutigen Freitags (19. Juni), erwartet. *RUHR24.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Rubriklistenbild: © Henning Kaiser, Birgit Reichert / dpa, Collage: RUHR24

Mehr zum Thema