Krise durch Pandemie

FZW Dortmund und weitere NRW-Clubs in Not: Betreiber senden Hilferuf an die Politik

Trotz Lockerungen: Eine Wiedereröffnung der Clubs ist nicht absehbar. Viele Liveclubs stehen jedoch vor dem wirtschaftlichen Aus - und fordern Hilfe

  • Viele Clubs wie das FZW in Dortmund stehen vor der Zahlungsunfähigkeit.
  • Der Belastung durch bleibende Fixkosten stehen seit dem Coronavirus-Lockdown keine Einnahmen mehr entgegen.
  • Ohne weitere Zuschüsse und Kredite führt der Lockdown für viele Clubs in eine endgültige Schließung.

Update, Samstag (1. August), 20 Uhr: Nachdem das FZW wegen des Coronavirus monatelang geschlossen war, öffnet die Veranstaltungsstätte in Dortmund schon bald wieder seine Türen. Anfang August geht es los - allerdings anders, als es Besucher vielleicht gewohnt sein könnten.

Erstmeldung: Dortmund - Als eine der ersten Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus wurden Veranstaltungen abgesagt. In diesem Zuge mussten auch gleich alle Diskotheken, Kneipen und Clubs schließen. Bereits seit Mitte März haben sich so auch die Türen des FZW in Dortmund nicht mehr geöffnet. Nun droht dem Club der Ruin - und somit die endgültige Schließung.

FZW Dortmund

Nachtclub / Veranstaltungsort für

Pop- und Rockkonzerte, Poetry Slam

Adresse

Ritterstraße 20

44137 Dortmund

Telefon

0231 286808910

Club droht Schließung: Coronavirus-Lockdown ruiniert FZW

"In einer Pandemie dürfen Menschen nicht zusammenkommen", weiß Volker May, CEO der FZW Event GmbH. Doch er weiß auch: Clubs wie das FZW Dortmund existierten nur zu einem einzigen Zweck: Menschen zusammenzubringen.

Denn ohne das gemeinsame Tanzen und Feiern, ohne sich einander nahe zu sein, verlören Konzerte, Clubnächte oder auch Poetry Slams ihren Reiz. Also, selbst wenn man versuchen würde, Konzerte unter Einhaltung der aktuellen Coronavirus-Vorgaben, wie den Abstandsregeln, stattfinden zu lassen, wäre es wohl nicht das Gleiche. 

FZW Dortmund: Abstandsregeln im Club unmöglich einzuhalten

Doch selbst wenn Club-Betreiber versuchen würden, all diese Maßnahmen umzusetzen, und den Feiernden vermittelt werden könnte, dass sich beim nächsten Rockkonzert keine schwitzenden Körper aneinanderreiben dürfen, bei der nächsten Clubnacht keine Berührungen stattfinden dürfen, selbst dann würde es am Ende wirtschaftlich gesehen doch keinen Sinn ergeben, die Veranstaltungen stattfinden zu lassen. 

Denn, so rechnet Volker May vom FZW Dortmund in einer Pressemitteilung vor, wäre "bei Einhaltung der aktuellen Vorgaben der Länder und des Bundes eine Durchführung von Konzerten oder Clubnächten in Musikspielstätten mit einer Kapazität kleiner als 1.000 Quadratmetern wirtschaftlich nicht tragfähig."

Ähnlich düstere Aussichten für Clubs, Discos und Bars prophezeit auch Virologe Jonas Schmidt-Chanasit. Das Virus finde in Discos perfekte Bedingungen, um sich zu verbreiten. Er geht deshalb davon aus, dass die nächtliche Party-Szene erst dann wieder zum Leben erweckt werden kann, wenn es entweder einen Impfstoff gibt, die Pandemie vorbei ist oder die Immunität in der Bevölkerung weiter angestiegen ist.

Für die Clubs und Bars in Dortmund, die unter der Coronavirus-Krise leiden, gibt es nun eine Hilfsaktion auf Facebook. Die Betreiber bitten um Spenden für die Fixkosten und als Unterstützung in der schweren Zeit.

Ein Club versucht es trotzdem mit einer Wiedereröffnung: Die Großmarktschänke will mit einem neuen Konzept der Corona-Krise trotzen.

Club-Kultur wird in der Corona-Krise unterschätzt

Wenn wesentlich weniger Besucher als in normalen Zeiten die Veranstaltungen besuchten, würden die Kosten nicht aus den Einnahmen der Tickets und Getränke gedeckt werden. Noch weniger Sinn würde jedoch eine derartige Erhöhung der Preise machen, dass die Kosten gedeckt wären.

Die Beatsteaks im FZW Dortmund

Allerdings: "Clubs sind Orte, an denen Kultur gelebt wird, an denen Menschen zusammenkommen, kreativ und ausgelassen sind", so May. Clubs seien Treffpunkte und der Klebstoff der Gesellschaft. Es wäre deshalb fatal, wenn die Bedeutung der Club-, Nacht- und Konzertkultur weiter unterschätzt würde.

FZW Dortmund: Keine Einnahmen, aber Fixkosten

Doch die finanzielle Situation im FZW Dortmund sei angespannt. Fixkosten wie die Miete blieben laut Betreiber weiter bestehen, während es keine Einnahmen mehr gäbe. Außerdem sei eine Wiedereröffnung nicht absehbar, aktuelle Lockerungen gelten für Clubs nicht. Nach May müssen weitere Hilfen her. Und so erklärt er in einer Forderung an die Zuständigen in der Politik, warum die Situation seinen Club in Pleite führen - und was Abhilfe verschaffen könnte.

Die Unterzeichner der Erklärung fordern deshalb unter anderem eine Umgestaltung der Kreditprogramme, etwa mit längeren Laufzeiten und Möglichkeiten, später Teile der Kredite erlassen zu bekommen. Auch Rettung von Unternehmen, die in der Vergangenheit erfolgreich gewirtschaftet und regelmäßig Steuern gezahlt haben, wird gefordert, sowie ein Zuschuss zu den weiter laufenden Fixkosten.

Weitere Clubs unterstützen FZW Dortmund in der Corona-Krise

Doch nicht nur die Dortmunder Party- und Konzertlocation hat mit der derzeitigen Situation ihre Probleme. Die Forderungen der Betreiber des FZW an die Politik werden bundesweit von vielen Clubs und Konzerthäusern unterstützt. Darunter das Gloria und die Live Music Hall in Köln. 

Diese Locations aus NRW müssen schließen, wenn keine Hilfeleistungen erfolgen. Folgende Einrichtungen unterstützen die Forderungen:

  • Gloria, Köln 
  • Club Bahnhof Ehrenfeld, Köln 
  • Carlswerk Victoria, Köln 
  • FZW, Dortmund 
  • Live Music Hall, Köln 
  • Helios37, Köln 
  • Kulturfabrik, Krefeld 
  • Fusion Club, Heaven & Conny Kramer, Münster

Außerdem haben bundesweit 22 weitere Clubs die Forderungen unterzeichnet und geben an, ansonsten schließen zu müssen.

Rubriklistenbild: © Lisa Meinen

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