Studie zieht negative Bilanz

Flughafen Dortmund bekommt heftige Kritik – "dunkelgelbe Karte" könnte das Aus des Airports bedeuten

Kritiker regionaler Flughäfen, wie dem Flughafen Dortmund, legen eine vernichtende Studie vor.
+
Kritiker regionaler Flughäfen, wie dem Flughafen Dortmund, legen eine vernichtende Studie vor.

Der Flughafen Dortmund ist immer wieder harter Kritik ausgesetzt. Jetzt reagiert der Manager des Airports – und zeigt sich erbost. 

  • Eine Studie zu allen regionalen Flughäfen Deutschlands kommt zu einem vernichtenden Urteil.
  • Auch dem Flughafen Dortmund wird ein schlechtes Zeugnis ausgestellt.
  • Doch der Geschäftsführer des Airports wehrt sich vehement gegen die Kritiker.

Dortmund - Immer und immer wieder muss der Flughafen Dortmund ordentlich Kritik einstecken: zu hohe Subventionen, eine klimaschädliche CO2-Bilanz, unrentabel. Nach einer Studie, an der auch der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) beteiligt ist, geht die Abrechnung mit allen regionalen Flughäfen in Deutschland in die nächste Runde. Auch gegenüber dem Airport Dortmund wird der Ton harscher: Die Studie spart nicht mit Kritik an dem Ruhrgebiets-Flughafen.

Flughafen

Dortmund Airport 21

Art

Regionaler Verkehrsflughafen

Airlines

EasyJet, Eurowings, Lauda, MaltaAir, Ryanair, SunExpress, WizzAir

Flughafen Dortmund: Geschäftsführer will schlechte Kritiken entkräften

Schon die einführenden Worte der Studie "Regionalflughäfen – Ökonomisch und klimapolitisch unverantwortliche Subventionen" offenbaren, was den Leser erwartet: "Fast alle Regionalflughäfen in Deutschland steckten schon vor 2020 in einer wirtschaftlichen Krise und konnten ihren Betrieb nur mit staatlichen Subventionen aufrecht halten." 

Klar ist: Die Studie rechnet mit der negativen Bilanz – in wirtschaftlicher, aber auch in klimapolitischer Hinsicht – aller regionalen Flughäfen in Deutschland ab. Auch der Flughafen Dortmund kommt nicht gut weg. Im besten Fußballjargon bekommt dieser von den Verfassern der Studie, dem Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS) und dem BUND, die "dunkelgelbe" Karte. Kritisiert werden vor allem die hohen Subventionen, ohne die der Flughafen Dortmund nicht überlebensfähig wäre (mehrNachrichten aus Dortmund auf RUHR24.de).

Flughafen Dortmund: Streckenangebot vor allem von Billigairlines 

Außerdem kommt die Studie zu dem Ergebnis, dass der Flughafen eigentlich keinen Beitrag für die "Konnektivität" der Region ans internationale Flugnetz, also den Anschluss der Region an den Rest der Welt, bietet. Der Flughafen bediene einzig die durch Billigairlines angebotenen Urlaubs- und Freizeitflüge. 

Die Grünen stellen dahingehend fest: "In Dortmund werden Steuergelder für den Betrieb einer klimapolitisch unverantwortlichen Mobilität verschwendet." Das Ergebnis, welche Klimabelastung die Flughäfen zu verantworten hätten, sei für Dortmund erschreckend. Etwa 274.024 Tonnen direkte CO2-Emissionen verursacht laut BUND der vom Dortmunder Flughafen initiierte Flugverkehr.

Flughafen Dortmund sichert viele regionale Arbeitsplätze

Doch auch der Geschäftsführer des Flughafens Dortmund, Udo Mager, zieht eine negative Bilanz. Und zwar hinsichtlich der Belastbarkeit der Studienergebnisse. Die Studie ziele auf einfache Effekte ab und sei "rein interessengeleitet". Wichtige Aspekte, wie regionalwirtschaftliche Effekte, Sicherung von Arbeitsplätzen und die Anbindung von ganzen Regionen bliebe außen vor. Sogar "zweifelhaften Behauptungen und Ungenauigkeiten" wirft der Manager den Machern der Studie vor und gibt den Verfassern auch gleich die "rote Karte".

Besonders den fehlende Beitrag zur "Konnektivität" will Mager so nicht stehen lassen: Der Dortmunder Flughafen weise mit einem Schwerpunkt auf Destinationen in Osteuropa ein Alleinstellungsmerkmal auf. Den Flughafen Düsseldorf, den Reisende aus dem Ruhrgebiet binnen einer knappen Stunde mit der Bahn erreichen können, würde der Flughafen Dortmund entlasten und wirke so einer Überlastung des Flughafens Düsseldorf entgegen.

Flughafen Dortmund: Jahresendergebnis trotz Verbesserungen negativ

Auch die Kritik an der Wirtschaftlichkeit des Flughafens will Mager zerlegen: "Unser Jahresergebnis konnten wir um 3,8 Millionen Euro verbessern." Er verschweigt dabei nicht, dass das Jahresendergebnis 2019 trotzdem bei minus 10,36 Millionen Euro lag. Ein Minus, das trotz steigender Passagierzahlen am Flughafen Dortmund nur durch massive Subventionen ausgeglichen werden kann. 

Flughafengeschäftsführer Udo Mager hält wenig von den Ergebnissen der Studie.

Die Studie rechnet vor: 2018 mussten 14 Millionen Euro von den Stadtwerken Dortmund – also letztlich von allen Energiekunden – und der Stadt Dortmund zugeschossen werden. Geld, welches viele im Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs, also bei den Bussen und Bahnen, besser untergebracht sähen. Die Stadtwerke sind mit 74 Prozent am Flughafen beteiligt, die Stadt Dortmund mit 26 Prozent.

Flughafen Dortmund: Subventionen bald von der EU untersagt

So schlagen die Verfasser der Studie vor, dass ein übergreifendes Flughafenkonzept den "Flughafenwildwuchs lichten" und stattdessen ein Zug-Flug-System die An- und Abreise aus allen Regionen zu Drehkreuzflughäfen ermöglichen sollte.

Prekär für den Flughafen Dortmund, der auf Subventionen angewiesen ist, ist zudem: Ab 2024 hat die EU die Subventionierung des laufenden Betriebs von Flughäfen untersagt.

Studie erkennt starken Passagierzuwachs am Flughafen Dortmund 

Doch nicht alles in Dortmund ist nur negativ: Tatsächlich scheinen immer mehr Passagiere den Flughafen zu nutzen. Die Studie attestiert dem Flughafen sogar einen starken Passagierzuwachs. Der Flughafen scheint also tatsächlich eine wachsende Bedeutung zu haben. 

Das gilt auch für die wirtschaftlichen Effekte, die sich auf die ganze Region übertragen. In einer Pressemitteilung des Flughafens Dortmund wird jedoch ernüchtert festgestellt, dass "Arbeitsplatzeffekte und die Interessen der Beschäftigten der Regionalflughäfen für die Verfasser der Studie aber nicht von Belang zu sein scheinen."

Flughafen Dortmund von Corona-Pandemie hart getroffen

Was die Ergebnisse der Studie angeht, findet Udo Mager, liege vieles im Argen: "Der Eindruck dürfte nicht falsch sein, dass die schwierige wirtschaftliche Lage der von den Folgen der [Corona-] Pandemie besonders betroffenen Flughäfen genutzt werden soll, um deren Marktaustritt zu bewirken." Zudem werde der Kampf um die regionalen Flughäfen auf dem Rücken der Beschäftigten, die um ihre Arbeitsplätze und Existenzgrundlage bangen, ausgetragen. "Das ist zynisch und entlarvend zugleich", so Mager.

Und tatsächlich, die Vermutung des Managers bestreiten die Macher der Studie gar nicht unbedingt. Denn in der Studie heißt es auch: "Die Krise birgt die Chance der Konsolidierung des völlig ineffizienten deutschen Flughafensystems" – also die Abschaffung der meisten regionalen Flughäfen zugunsten weniger internationaler Drehkreuzflughäfen.

Mehr zum Thema