Dass sie gegen Facebook nicht anstinken können, wissen Ulrich Krieger und Peter Stirnberg. Trotzdem bieten sie mit einem Ableger des sozialen Netzwerk „Diaspora“ eine sichere Alternative zum Mark Zuckerbergs Imperium an. Wir haben die beiden in ihrer kleinen Softwareschmiede an der B1 besucht und sagen euch, warum Facebook-Chef Mark Zuckerberg begeistert von der Idee ist.

Dortmund-Innenstadt-West. Von seinem weißen Lederstuhl blickt Peter Stirnberg auf einen riesigen PC-Monitor, der eigentlich ein Fernseher ist. Von hier aus bietet der 58-Jährige zusammen mit seinem Geschäftspartner Ulrich Krieger (57) eine Alternative zu Facebook an. „RuhrConnect“ heißt das Soziale Netzwerk, das ein Ableger des großen sozialen Netzwerks „Diaspora“ ist. Es setzt sich aus vielen kleinen lokalen Netzwerken zusammen, die alle einen eigenen Server haben. Zusammen haben sie etwa 700.000 Mitglieder – und wollen damit eine Alternative zu Facebook bieten.

Alternative oder doch Konkurrenz? Die beiden Software-Entwickler lachen. „Wenn Sie sozial ausgeschlossen werden wollen, dann melden Sie sich ruhig bei Facebook ab“, scherzt Stirnberg. Dass die beiden Dortmunder gegen Mark Zuckerbergs Imperium kaum ankommen, ist ihnen klar. „Das wäre hanebüchen, Facebook verdrängen zu wollen“, sagt Stirnberg. Es gehöre nunmal zur Wahrheit dazu, dass Facebook mittlerweile nicht mehr wegzudenken sei.

Ulrich Krieger und Peter Stirnberg von der Netz & Werk oHG haben einen Ableger des datensicheren sozialen Netzwerk Diaspora in Dortmund gestartet. Foto: Daniele Giustolisi/Dortmund24

Inzwischen, das weiß er, spiele sich das Leben vieler Menschen online hauptsächlich bei Facebook ab. Geburtstage werden hier angekündigt, Verabredungen getroffen oder Nachrichten gelesen. Wenn man es also nicht schafft, seinen Freundeskreis von einem Wechsel von Facebook zu Diaspora zu bewegen, dann sollte man bei Facebook bleiben. Wenn da nicht die Datensicherheit wäre. Denn die – sagen Krieger und Stirnberg – sei bei Facebook alles andere als gut.

Die beiden sprechen von der NSA, also vom Auslandsgeheimdienst der USA, der auf Facebook sein Unwesen treibe. Von US-Servern, auf die die Behörden vor Ort Zugriff hätten. Und von Werbung, die auf persönlichen Daten basiere.

Mit „Diaspora“ ein Zeichen setzen

Und so wollen die beiden Software-Entwickler mit „Diaspora“ ein Zeichen setzen. Stirnberg: „Mit diesem Statement wollen wir den Leuten sagen, dass sie bei Facebook entrechtet werden, dass das nicht mehr mit Demokratie zu tun hat.“

Bei Diaspora sei die Kommunikation so verschlüsselt, dass niemand an die Daten komme, die auf einem Server in Straßburg lagern. Und das Netzwerk sei frei von Werbung.

Und wie will man das Projekt finanzieren? „Gar nicht“, sagt Stirnberg, „das Projekt dient als Statement.“

So sieht die Oberfläche von „RuhrConnect“ aus. Der Diaspora-Ableger wird von den Dortmundern Ulrich Krieger und Peter Stirnberg betrieben. Foto: Daniele Giustolisi/Dortmund24

Geld machen die beiden Software-Entwickler dann mit anderen Dingen. Zum Beispiel mit einem sicheren und verschlüsselten E-Mail-Dienst, das sich „ruhrmail“ nennt. Die Geschäftspartner bieten ein Postfach ab einem Euro pro Monat an – ähnlich wie Branchenpartner Posteo es auch macht.

Um sich beim Diaspora-Ableger „ruhrConnect“ anzumelden, reicht allerdings eine x-beliebige E-Mail-Adresse und ein Passwort. Das wars. Das Sichere: Der Server wird von Stirnberg und Krieger kontrolliert, die wiederum garantieren, dass keine Daten nach außen gelangen. Anonymität, Sicherheit und Werbefreiheit – diese drei Kernbegriffe sind die Basis für das Netzwerk.

Facebook-Gründer spendete Geld

Etwa seit Anfang Mai 2017 gibt es den Diaspora-Ableger „ruhrConnect“ jetzt, aktuell sind rund 130 Mitglieder angemeldet. Ihnen stehen ähnliche Funktionen wie bei Facebook zur Verfügung, etwa Gruppenchats und Timelines. Neu erfunden hat Diaspora das Rad also nicht. Übrigens: Erfunden wurde die freie Software 2010 von amerikanischen Mathestudenten. Um das Projekt zu finanzieren, sammelten sie Spenden. Und welche Ironie: Einer der Spender ist kein geringerer als Facebook-Gründer Mark Zuckerberg, der dem Wired-Magazin einst sagte: “ Ich halte Diaspora für eine gute Idee, ich sehe ein bisschen von mir in den Erfindern. Für sie ist es auch nur der Versuch, die Welt ein bisschen besser zu machen.“ In diesem Sinne.