Tragödie im Libanon 

Explosion in Beirut: Frau aus Dortmund hilft in den Trümmern – ein emotionaler Einblick

Eine Frau aus Dortmund hat nach der schrecklichen Explosion in Beirut (Libanon) geholfen, nach Überlebenden zu suchen. Ein emotionaler Rückblick.

  • Die Dortmunderin Leslie Saydak half nach der verheerenden Explosion in Beirut bei der Suche nach Verschütteten.
  • Bei dem Unglück kamen mindestens 150 Menschen ums Leben.
  • Die junge Frau aus Dortmund reiste mit einem Team der deutschen Hilfsorganisation @fire in den Libanon.

Dortmund - Es war ein Dienstag, der 4. August, als ein schockierendes Video plötzlich auf den Smartphones der Welt geschaut wurde: Im Hafen von Beirut explodierte ein Speicher, in dem mehrere tausend Tonnen Ammoniumnitrat gelagert wurden. Ein Brand hatte die hochexplosiven Materialien zur Detonation gebracht.

Nach der verheerenden Explosion sendete der Libanon bald einen Hilferuf, dem auch mehrere Teams der deutschen Hilfsorganisation @fire folgten. Einem der Teams gehörte auch die Dortmunderin  Leslie Saydak (24) an (mehr Nachrichten aus Dortmund auf RUHR24.de).

Stadt

Beirut

Land

Libanon

Premierminister

Hassan Diab

Explosion in Beirut: Frau aus Dortmund sah Video und folgte Hilfeaufruf

Auch Leslie Saydak erfuhr von der Tragödie aus den Nachrichten. Geschockt verfolgte sie gemeinsam mit ihren Kollegen von @fire, einer internationalen Katastrophenschutzorganisation, in den Medien, was weiter geschah. Als dann die Anfrage des libanesischen Botschafters, mit der Bitte um internationale Hilfe die Hilfsorganisation erreichte, überlegte die gebürtige Dortmunderin nicht lang: Sie meldete sich freiwillig und flog nur zwei Tage später in den Libanon zu ihrem ersten Auslandseinsatz.

Vier Tage lang war die Dortmunderin in Beirut im Einsatz. Täglich durchsuchte sie die Trümmer in der vom Militär errichteten Sperrzone im Hafen der Stadt. Als Teil eines USAR (Urban Search and Rescue) Teams, suchte Leslie Saydak nach Lebenszeichen von Verschütteten. Denn trotz der massiven Zerstörung der Gebäude im Hafen von Beirut sollte nichts unversucht bleiben, um mögliche Überlebende zu finden.

Beirut: Frau aus Dortmund durchsuchte Trümmer nach Explosion

So durchsuchte die 24-Jährige mithilfe von Lebendsuchhunden die Trümmer. Es musste Gewissheit geschaffen werden, dass niemand lebendig unter den Trümmern begaben war. Und tatsächlich schlug keiner der Hunde bei der Suche an - es wurden keine Überlebenden gefunden. "Aber auch die Gewissheit, dass es keine Überlebenden gibt, ist für die Verwandten wichtig", so Seydak.

Retter von @fire waren mit Lebendsuchhunden in den Trümmern von Beirut im Einsatz.

Denn bald schon werden Bagger anrollen, um die Trümmer nach und nach zu beseitigen. Was dann unter dem Schutt und in den Ruinen der Gebäude gefunden wird, weiß die junge Frau nicht. "Vermutlich werden Leichen unter den Trümmern liegen." Doch sie selber habe glücklicherweise keine zu Gesicht bekommen - das Militär hatte bereits alle Toten, die sichtbar auf den Trümmern lagen, geborgen.

Helfer nach Explosion in Beirut: Funktionieren statt Nachdenken

So blieb das mulmige Gefühl, dass sich – wenn auch leblose – menschlich Körper unter den Trümmern befinden, nur vage. "Vor Ort funktioniert man einfach und denkt über sowas gar nicht nach", berichtet Saydak. 

Die Zerstörung, die sie bei ihrer Ankunft in Beirut zu Gesicht bekam, empfand sie als beeindruckend. Obwohl sie das Video kannte, wurde ihr das Ausmaß der Tragödie erst bewusst, als sie es mit eigenen Augen sah: Nach Angaben des ZDF wurden bei der Explosion mehr als 150 Menschen getötet, etwa 6000 verletzt. 

Doch noch etwas bewegte die Dortmunderin sehr: "Trotz dieser Tragödie, trotz aller Verzweiflung erfuhren wir so viel Hilfsbereitschaft und Dankbarkeit aus der Bevölkerung. Essen, Trinken – alles wurde uns Helfern immer wieder angeboten."

Nach der Explosion in Beirut: Wenig Schlaf für die Helfer

Für Leslie Saydak ist genau diese Erfahrung - Helfen zu können, wenn Hilfe benötigt wird - der Grund für ihr langjähriges Engagement: zunächst beim THW, bei der freiwilligen Feuerwehr (ab 2017) und seit 2019 bei @fire. Wenig Schlaf, Hitze, hohe Luftfeuchtigkeit, extreme körperliche Anstrengen – genau dafür, so sagt sie, sei sie ausgebildet worden. "Wir sind alle sehr fit und kamen gut mit der Situation klar."

Inzwischen ist sich die 24-Jährige, die derzeit als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Geo-Physik an der Uni Bochum arbeitet sicher, dass sie ihr ehrenamtliche Engagement zur Profession machen will: "Meine Bewerbung bei der Berufsfeuerwehr läuft bereits."

Alle Helfer bei @fire arbeiten ehrenamtlich. Trotzdem sind Hilfsorganisationen wie @fire auf Spenden angewiesen um international schnell Hilfe leisten zu können.

Rubriklistenbild: © @fire

Mehr zum Thema