Wissenschaftliche Prognose

EM 2021: TU-Dortmund-Forscher sicher – dieses Land wird Europameister

Wer wird Fußball-Europameister 2021? Frankreich, Spanien oder gar Deutschland? Ein Team aus Wissenschaftlern der TU Dortmund hat sich an eine Prognose gewagt.

Dortmund - Das Ergebnis der Berechnungen rund um ein Forscherteam der TU Dortmund zeigt vor allem eins: Es bleibt spannend! Denn auch, wenn die Forscher aus Dortmund, Innsbruck, Gent und München einen klaren Favoriten für die Fußball EM der Herren ausgemacht haben, liegt die Gewinnwahrscheinlichkeit des Favoriten nur wenig höher als die des - prognostizierten - Zweitplatzierten.

Fußball EMUEFA-Fußball-Europameisterschaft
Turnusalle vier Jahre
Nächstes DatumFreitag, 11. Juni 2021 bis Sonntag, 11. Juli 2021

Fußball EM 2021: Wie sind die Chancen auf einen Sieg? Forscher der TU Dortmund simulierten alle Spiele

Um eine stichhaltige Prognose zur Fußball EM 2021 abgeben zu können, haben die Forscher um die TU Dortmund die gesamte EM 100.000 Mal simuliert. Dazu kombinierten die sportbegeisterten Wissenschaftler mehrere statistische Modelle, welche mit allerhand Informationen zur Spielstärke der Teams angefüttert wurden. Darunter etwa der Marktwert oder die Anzahl der Spieler, die in der Champions League aktiv sind. Aber auch sozioökonomische Faktoren des Herkunftslandes, wie das Bruttoinlandsprodukt, wurden berücksichtigt. 

Anschließend trainierten die Forscher das Modell mit historischen Daten. „Wir haben das Modell mit den jeweils zu dem Zeitpunkt aktuellen Daten für die vergangenen vier Europameisterschaften gefüttert“, erklärt Andreas Groll von der TU Dortmund das Vorgehen. Dann wurden die tatsächlichen Spielausgänge mit den vorhandenen Daten verglichen. Deshalb sollte die Prognose des aktuellen Turniers im „Idealfall sehr genau ausfallen.“ Und siehe da: Frankreich wird Fußball-Europameister!

Wer holt den Titel? TU Dortmund erklärt Frankreich zum Favoriten für die Fußball EM 2021

Zumindest ist das die Vorhersehung des internationalen Forscherteams. Mit einer Gewinnwahrscheinlichkeit von 14,8 Prozent liegt Frankreich allerdings nur knapp vor den Engländern, denen die Wissenschaftler eine Gewinnwahrscheinlichkeit von 13,5 Prozent errechneten (alle News zur Fußball-EM 2021 auf RUHR24).

Prof. Andreas Groll leitet an der Fakultät Statistik der TU Dortmund das Fachgebiet Statistical Methods for Big Data und berechnete den wahrscheinlichen Sieger der Fußball-EM.

Dicht auf dem Fuße folgt Spanien mit einer Gewinnwahrscheinlichkeit von 12,3 Prozent. Doch auch die Forscher wissen: Entschieden ist die Fußball EM noch lange nicht. Das zeigten auch die relativ knappen Abstände bei den Gewinnwahrscheinlichkeiten an der Spitze. „Es liegt in der Natur von Prognosen, dass sie auch danebenliegen können“, gibt Achim Zeileis von der Universität Innsbruck zu.

Weiter erklärt der Wissenschaftler: „Wir liefern Wahrscheinlichkeiten, keine Gewissheiten, und eine Gewinnwahrscheinlichkeit von 15 Prozent heißt zugleich, dass die Mannschaft zu 85 Prozent nicht Turniersieger werden kann.“ Am Ende bleibt also eigentlich alles weiter ungewiss?

Erfolgreiche Prognosen: Forscher der TU Dortmund berechnen Sieger der Fußball EM 2021

Zeileis schränkt ein: Bisher seien die Prognosen durchaus erfolgreich gewesen. 2008 konnten mithilfe von Prognosen das EURO-Finale, sowie 2010 und 2012 der Sieger der Welt- und Europameister richtig vorhergesagt werden.

Doch warum spielt die deutsche Nationalmannschaft bei den Berechnungen keine Rolle an der Spitze der wahrscheinlichen Gewinner? Auch dafür gibt es eine Erklärung, die wohl bei einigen unabhängig von Zahlen, Statistiken und Wahrscheinlichkeitsberechnungen schon die Gewinnfreude getrübt haben könnte: Die deutsche Nationalmannschaft wurde dieses Jahr in eine besonders herausfordernde Gruppe gelost, so Andreas Groll von der TU Dortmund.

„In Gruppe F sind drei sehr starke Teams, darunter der amtierende Weltmeister Frankreich und der Europameister Portugal“, so Groll. Die Wahrscheinlichkeit, es in dieser Gruppe bis ins Achtelfinale zu schaffen ist daher geringer als in anderen Gruppen. Doch es gibt noch Hoffnung für die Deutschen. Denn wer es bis ins Achtelfinale schaffe, habe dann auch ganz gute Chancen weiterzukommen.

Europmeister Deutschland - die Wahrscheinlichkeit ist laut Forschern der TU Dortmund eher gering

Dass Deutschland Europameister wird, ist mit 10,1 Prozent allerdings deutlich weniger wahrscheinlich als bei den anderen Favoriten. Wie gut das Modell ist, erfahren Fans spätestens am 11. Juli, denn dann findet das Finale im Wembley Stadion in London statt. Bis dahin heißt es: Daumen drücken und die Hoffnung nicht aufgeben.

Statistische Berechnung des Europameisters: das Forscherteam

Neben Andreas Groll und Franziska Popp von der TU Dortmund besteht das internationales Forschungsteam aus Gunther Schauberger von der TU München, Christophe Ley und Hans Van Eetvelde, beide von der Universität Gent, Lars Hvattum von der Hochschule Molde in Norwegen und Achim Zeileis von der Universität Innsbruck.

Rubriklistenbild: © Thilo Schmürgen/dpa

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