Bild: Daniele Giustolisi/RUHR24

Sie sind da! Seit Montag (8. Juli) kann man in Dortmund E-Scooter ausleihen. Die elektrisch betriebenen Roller stehen an vielen Stellen in der Stadt verteilt. RUHR24 hat sie für euch getestet.

  • Das Fahren mit dem E-Scooter macht Spaß, ist aber nicht ganz günstig.
  • Der Ausleih-Vorgang ist relativ unkompliziert.

App runterladen, Code am E-Scooter einscannen und die Fahrt kann beginnen.

Naja, ganz so schnell geht es mit der Leihe des neuen und gehypten Fortbewegungsmittels dann doch nicht.

Ich lade mir zunächst die App „Circ“ herunter, dem Verleiher der E-Scooter. Dann möchte die App – für mich ein bisschen zu neugierig – Telefonnummer, Namen und Vornamen sowie meine E-Mail-Adresse und die Kreditkartendaten wissen. Mit letzteren zahle ich die Gebühr und hoffe, dass meine Daten in der „Circ“-App sicher sind.

E-Scooter stehen an vielen Stellen in Dortmund

Einen E-Scooter in Dortmund zu finden, ist am Starttag nicht schwer. Über die App werden die freien E-Roller angezeigt, ich laufe vom Büro eine Minute zum Rande des Hansaplatzes, wo drei freie Exemplare auf mich warten.

Die App „Circ“ zeigt an, wo in Dortmund freie E-Scooter stehen. Screenshot: Daniele Giustolisi/RUHR24 via Circ

Über die App muss ich am Lenker des Rollers – an dem sich auch der Schalter für das Licht befindet – einen QR-Code einscannen. dann ist der E-Scooter entsperrt und die Fahrt beginnt. Kurz wird der Preis auf meinem Monitor eingeblendet, dann verschwindet er wieder: Ein Euro kostet die Freischaltung vor jeder Fahrt, dann zahlt man 15 Cent – pro Minute (!).

E-Scooter - auch E-Tretroller - stehen seit Montag, 8. Juli 2019, in Dortmund zum Verleih. Foto: Daniele Giustolisi/RUHR24
QR-Code scannen, dann kann es los gehen. Für Handy und Getränk gibt es Halterungen. Vorne gibt es zwei Handbremsen. Foto: Daniele Giustolisi/RUHR24

Das Handy kann ich an einer Halterung am Lenker befestigen und über eine Schraube fixieren. Funktioniert gut. Denn: Beim Überfahren von Kopfsteinpflaster, hohen Bordsteinen und Baustellenkabeln sollte das Handy bombenfest am Lenker sitzen, damit es nicht auf dem Dortmunder Asphalt zerschellt.

+++ E-Scooter in Dortmund: Diese 10 Dinge wusstest du garantiert noch nicht über die neuen Roller +++

Dann geht es los: Ein paar Mal muss ich über die Ruckelpiste Hansastraße mit dem Fuß anschieben, dann kann ich mit dem rechten Daumen einen Hebel drücken und werde erstmal durch den ungewohnten Antrieb fast vom E-Roller geschleudert.

Zugegeben: Am Anfang ist Vorsichtig geboten, vor allem beim Anfahren. Mein Tipp: Gewicht nach vorne verlagern, wenn man nicht möchte, dass der Antrieb dafür sorgt, dass der Vorderreifen hochfliegt. Achtung: Mit den Tretrollern, die viele aus der Jugend kennen, haben die E-Scooter nicht viel zu tun. Allein schon das Gewicht ist mit um 10 Kilogramm deutlich höher. Und aufgrund einer fehlenden Federung spürt man wirklich jedes Loch im Asphalt.

Leihgebühr nur schwer zu finden

Auf dem Handy zeigt die App unterdessen an, zu wie viel Prozent der Scooter geladen ist und wie lange er geliehen ist. Wer vermeiden möchte, dass das Handy in den Ruhemodus schaltet, kann es via USB-Schnitstelle mit dem Scooter verbinden.

Schade: Nirgendwo wird live die Leihgebühr auf dem Display des Handys angezeigt. Das nervt mich und ist in meinen Augen intransparent. Selbiges gilt für die Tatsache, dass ich in der App nur schwer die Preise für ein Fahrt finde. Erst wenn man auf der Karte einen freien Scooter anklickt, erscheint die Leihgebühr.

Die erste Hürde nehme ich am Hohen Wall – eine Baustelle wartet auf mich. An manchen Stellen müssen Kabel überfahren werden und auch abgesenkte Bordsteine scheinen nicht ungefährlich. Ich vermute: Hier lauern in Zukunft die größten Gefahren. Erst kürzlich hatte sich ein Mann mit seinem E-Roller schwer verletzt.

E-Scooter - auch E-Tretroller - stehen seit Montag, 8. Juli 2019, in Dortmund zum Verleih. Foto: Daniele Giustolisi/RUHR24
An Baustellen, wie hier auf dem Hohen Wall, ist Vorsicht geboten. Foto: Daniele Giustolisi/RUHR24

Circ empfiehlt wohl deshalb, einen Helm aufzusetzen. Denn bei einer Geschwindigkeit bis maximal Tempo 20 im Straßenverkehr wird mir zeitweise ganz anders. Vor allem, weil Autofahrer mich nicht wirklich oder zu spät wahrnehmen.

Auf dem Wallring, dessen Radweg von der Fahrbahn abgetrennt ist, ist das noch kein Problem. Aber auf den Abschnitten, auf denen Radfahrer und Autos sich die Fahrbahn teilen, ist Vorsicht geboten. Gebremst wird übrigens über die zwei Handbremsen am Lenker. Und wie bitte soll ich anzeigen, dass ich abbiegen möchte? Es gibt nämlich keinen Blinker. Und meine Hände möchte ich bei 20 km/h ungerne vom Lenker nehmen.

Die App zeigt an, wie viel Prozent Akku der E-Roller noch hat und wie lange man unterwegs ist. Schade: Die Gebühr wird live nicht angezeigt. Screenshot: Daniele Giustolisi/RUHR24 via Circ

Auf Höhe des U-Turms läuft mir plötzlich ein Fußgänger vor den E-Scooter – wo ist die Klingel? Ich suche hektisch, aber da ist nichts. Dann stelle ich fest, dass die Klingel sich tarnt, am Griff. Man muss wie beim Gas-Geben auf einem Motorrad daran drehen.

Roller wird auf dem Alten Markt abgestellt

Nach 20 Minuten habe ich den Wall umrundet und will den E-Scooter wieder abstellen – und tue dies schön zentral auf dem Alten Markt. Er ist nämlich keine Verbotszone. Dagegen darf man im Stadtgarten oder im Westpark keine Roller abstellen. Die Verbotszonen für E-Scooter sind auf einer Karte in der App rot markiert.

E-Scooter - auch E-Tretroller - stehen seit Montag, 8. Juli 2019, in Dortmund zum Verleih. Foto: Daniele Giustolisi/RUHR24
RUHR24-Redakteur Daniele Giustolisi, hier auf der Hansastraße, hat einen E-Scooter getestet. Foto: Daniele Giustolisi/RUHR24

Am Ende bekomme ich die Rechnung: Vier Euro für eine Fahrt von 20 Minuten. Selbst wenn man den einen Euro für die Freischaltung abzieht: Sind Gebühren von 9 Euro für eine Stunde ok? Zum Vergleich: Die Fahrräder von Metropolrad kosten pro Stunde zwei Euro und für 24 Stunden neun Euro.

Mein Fazit: Es macht Spaß, mit dem E-Roller durch die Gegend zu fahren, auch wenn es ungewohnt ist und im Straßenverkehr gefährlich erscheint. Für längere Strecken würde ich aber immer das Fahrrad vorziehen, weil es günstiger ist und subjektiv weniger gefährlich. Und: Mit einem Fahrrad bleibt man in Bewegung statt auf dem E-Scooter doof aus der Wäsche zu gucken.