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Das haben die Pflegekräfte des Dortmunder Klinikums noch nie erlebt: Ein todkranker Mann hat seine Lebensgefährtin geheiratet – auf der Intensivstation.

  • Das Team des Dortmunder Klinikums hat zwei Liebenden eine Last-Minute-Hochzeit ermöglicht.
  • Der 62-jährige Bräutigam liegt im Sterben.
  • Nach der Trauung sind die Eheleute überglücklich.

Für den 62-jährigen Patienten ist es wohl die letzte Station seines Lebens. Er wird in Dortmund palliativ behandelt. So nennen das Mediziner, wenn es für einen Menschen auf die Zielgeraden seines Lebens zugeht und dieser Weg möglichst schmerzfrei und würdevoll sein soll.

Immer wieder hat er den Pflegekräften gegenüber erwähnt, dass er seine langjährige Lebensgefährtin gerne heiraten würde. Diesen letzten Wunsch wollte ihm das Team des Dortmunder Klinikums gerne erfüllen. In nur 24 Stunden organisierte es eine ungewöhnliche Hochzeit, die wohl allen Beteiligten immer in Erinnerung bleiben wird.

Klinikum Dortmund ermöglicht Last-Minute-Hochzeit

Die Liebesgeschichte der beiden Eheleute beginnt vor gut neun Jahren auf einer Kur. Schon da war klar, dass der 62-Jährige ein Lungenleiden hat.

Jetzt steht das Ende für ihn bevor. Und diesen schweren Weg möchte er gern mit seiner 51-jährigen Lebensgefährtin gehen und das ganz offiziell als seine Ehefrau. Diesen Wunsch ermöglichen ihm die Pflegekräfte des Klinikums Dortmund vor einigen Tagen gern.

Kirchenmusik statt piepsende Geräte

Als sich die Automatik-Tür der Intensivstation an diesem besonderen Tag mit einem Surren öffnete, ertönte dort nicht das monotone Surren und Piepen der Geräte, sondern Kirchenmusik vom Band. Laut Klinikum Dortmund hat die 51-Jährige überwältigt innegehalten.

Ihr Mann (62) lag in seinem Bett. Er hatte am Morgen extra lange seine Atemmaske über dem Mund. Der Sauerstoff gab ihm Kraft für die anstehende Trauung. Er wollte seine große Liebe heiraten, so lange er noch kann. Jetzt gleich also Hochzeit. 24 Stunden vorher war das noch nicht absehbar.

Schwierigkeiten vor der Hochzeit

Schwester Michaela hatte sich ans Telefon gehängt und das Standesamt in Dortmund informiert. Die Braut müsse noch ein paar Unterlagen einreichen, wurde ihr dort gesagt. Allerdings wohnen die Eheleute knapp vier Stunden entfernt. Doch die Frau setzte sich ans Steuer – „es ist ja schließlich sein letzter Wunsch, mich zu heiraten“, sagt sie.

Nachts erreichte sie ihre Heimatstadt. Ihrem Mann ging es in Dortmund indessen den Umständen entsprechend gut. Die Schwestern sagten ihr, dass sie ihn noch nie so voller Vorfreude gesehen hätten. Das machte der 51-Jährigen Mut.

Dann schläft sie; vielleicht drei Stunden. Lebt er noch, wenn ich morgen wieder aufwache? Diese Gedanken gingen ihr durch den Kopf. Morgens weit vor Bürobeginn konnte sie dann aufs Standesamt, der Mitarbeiter machte auf kurzem Dienstweg alles möglich.

Klinikum Dortmund wird Schauplatz für besondere Hochzeit

Für ein Brautkleid, Brautstrauß und andere Dinge, die zu einer Hochzeit gehören, reichte die Zeit dann aber nicht mehr. An ihrem Hochzeitstag hat die 51-Jährige eine Jeans und ein rotes T-Shirt getragen. So ging es dann auf die Intensivstation.

Klinikum Dortmund. Foto: Daniele Giustolisi

Das Team hatte am Bett ihres Bräutigams ein weißes Laken mit Herzen und Lichterketten angebracht. Über seinem Kopf klebte ein kleiner Zettel: „Mr & Mrs“. Und da so schnell keine Fliege für den Bräutigam aufzutreiben war, hatte das Team des Klinikums Dortmund aus Bettsocken und einem Band eine Fliege gebastelt. „Das ist gerade echt alles ein Wechselbad der Gefühle, ein Taumeln zwischen Freude und Traurigkeit, irgendwie alles so unwirklich“, sagt die 51-Jährige.

Eheleute müssen nun Abschied nehmen

Nach wenigen Minuten war auf der Intensivstation auch schon wieder alles vorbei. Die Standesbeamtin hatte die Trauung vollzogen. In dem Zimmer mit den vielen Geräten und Knöpfen befand sich nun ein frisch getrautes Ehepaar. Der Mann atmet schwer – vor Glück: „Jetzt bist du endlich meine Frau“.

Unter diesen ungewöhnlichen Umständen musste auch die Hochzeitsfeier ausfallen. Die frisch getrauten Eheleute haben dem Team der Station aber Pizza spendiert und gesagt: „Feiert ihr für uns. Wir werden dazu nicht mehr kommen.“ Nach der Trauung wird es für das Paar nun heißen: Abschied nehmen.