"Haben mit der EAE reagiert, während andere Selfies schossen"

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Dortmund/NRW - "Wir haben reagiert, andere haben Selfies geschossen", sagte Oberbürgermeister Sierau. Die Erstaufnahmeeinrichtung "An der Buschmühle" ist nun geschlossen.

Die Erstaufnahmeeinrichtung "An der Buschmühle" schließt seine Pforten. Der Schraubenschlüssel löste und entsorgte die letzten Befestigungen am Schild an der B54 in Richtung Innenstadt. Die Erstaufnahmeeinrichtung "An der Buschmühle" schließt seine Pforten. Für die Vertreter der Stadt und des Hotels "Radisson Blu" bleibt eine Mischung aus Erleichterung und Stolz.

Dortmund - Oberbürgermeister Ullrich Sierau wurde nicht müde, seinen Dank an Dieter Ulbricht, den General Manager des Radisson Blu Hotels, auszusprechen. Neben warmen Worten und einem Versprechen, das Hotel in jedem Fall weiterzuempfehlen, gab es auch noch Erinnerungsstücke. Ein kleines Bild und das Straßenschild, dass Autofahrern auf der B54 die Richtung gewiesen hat.

2015 nahe am Zusammenbruch

Am 10. April 2017 wurden die letzten Flüchtlinge in der Erstaufnahmeeinrichtung (EAE) registriert. Danach starteten die ersten Rückbauarbeiten. Rechtzeitig zur neuen Bundesligasaison 2017/18 und den Sommerveranstaltungen im Westfalenpark soll die Parkplatzfläche F1 wieder freigegeben werden. "Damit geht eine lange und durchaus turbulente Zeit zu Ende", sagte Sierau und ergänzte: "Wir sind froh, mit dem Radisson Blu Hotel einen Partner und Nachbarn in dieser Zeit gefunden zu haben, auf dem man sich verlassen konnte. Vielen Dank."

Im Jahr 2007 war die Dortmunder EAE noch am Westfalendamm. 2011 wechselte die Einrichtung dann nach Hacheney. "Im Jahr 2015, als die Flüchtlingsströme explodierten, die Stadt Dortmund überrannt wurde und unsere Regierungschefin mehr Wert auf Selfies als auf das eigentliche Krisenmanagement gelegt hat, waren Kapazitäten der EAE Hacheney hoffnungslos überfordert, sodass wir handeln mussten", sagte Sierau. In einer Zeit, in der knapp 80% der Flüchtlinge des Landes NRW in Dortmund ankamen, hat man sich sowohl vom Bund als auch vom Land etwas alleine gelassen gefühlt.

Dortmund hat reagiert

"Wir haben uns als Stadt nie weggeduckt und mussten reagieren", sagte Sierau. Ordnungsdezernentin Diane Jägers fügte hinzu, dass in jenem Sommer die Belastungsgrenzen der freiwilligen Helfer und der Örtlichkeiten mehr als nur überschritten wurden. Ab Juni 2015 erhöhte sich die Zahl der Flüchtlinge, die in Dortmund ankamen sprunghaft und blieb bis Januar 2016 auf einem extremen Niveau.

Innerhalb von sechs Wochen wurden Leichtbauhallen aufgestellt, währenddessen noch fünf Fliegerbomben entschärft und letztendlich bis November insgesamt 900 Plätze (plus 100 Reserveplätze) installiert. "Ich kann definitiv behaupten, dass wir unseren Job gemacht haben", sagte Sierau mit Stolz.

Kein Besuchereinbruch im Radisson Blu Hotel

Ulbricht gab zu, dass die Geschäftsführung über den Vorstoß der Stadt, ein EAE neben dem Hotel zu erreichten, nicht begeistert war. "Wir mussten kurz schlucken, haben uns dann aber dafür entschieden, mit allen Mitteln zu helfen", bekundete Ulbricht. Das Radisson Blu Hotel habe sich, so die Vertreter der Stadt Dortmund, stets kooperativ gezeigt und war ein sehr guter Nachbar.

Ein Hotel mit vier Sternen und eine Zeltstadt mit Flüchtlingen? Natürlich hat das nicht in die Marketingstrategie gepasst. "Es gab aber nur sehr wenige negative Stimmen unserer Gäste", bestätigte Ulbricht. Die Besucherzahlen haben sich sogar verbessert. Zudem hat das Hotel zwei Flüchtlinge aus Syrien im Team als Auszubildende und als Praktikanten aufgenommen.

Positives Fazit von beiden Seiten

Die Errichtung der EAE "An der Buschmühle" war für Dortmund und für das Radisson Blue eine tiefgreifende Erfahrung. "Wir sind erleichtert. Das Zusammenleben im EAE hat gut – bis auf die üblichen Probleme – funktioniert. Wir haben in dieser Krisenzeit professionell reagiert", sagte Ordnungsdezernentin Jägers. Die Erfahrungswerte sind mit Sicherheit hilfreich für Krisen und neue Flüchtlingsströme, die in unserer Welt nicht auszuschließen sind.

Durch die Weiterentwicklung der Prozessketten im Asylverfahren haben sich mittlerweile neue Grundvoraussetzungen für Erstaufnahmeeinrichtungen (mindestens 1000 Plätze) gebildet, die sowohl am Standort "An der Buschmühle", als auch in Hacheney nicht erfüllt werden. Zukünftig wird es keine Erstaufnahmeeinrichtung mehr in Dortmund geben.

Nicht erleichtert, aber stolz!

Auf die Frage, ob Oberbürgermeister Ullrich Sierau erleichtert sei, dass die Stadt Dortmund damit nichts mehr zu tun habe, antwortete er Folgendes: "Nein, ich bin erst erleichtert, wenn Menschen nicht mehr auf die Flucht gehen müssen. Und danach sieht es aktuell leider nicht aus."

Die nächstgelegene Erstaufnahmeeinrichtung befindet sich mittlerweile in der Stadt Unna, im Stadtteil Massen.