Wettlauf um die Null

Dortmund: Experte von der TU stellt irren Zero-Covid-Plan vor

Zero-Covid? Drei Experten, darunter ein Wissenschaftler der TU Dortmund, haben einen Plan vorgestellt, wie das Coronavirus eingedämmt werden könnte. Einige Länder haben es bereits vorgemacht.

Dortmund – Mit einem Drei-Stufen-Plan wollen Wissenschaftler aus drei verschiedenen Ländern der Corona-Pandemie ein Ende bereiten: Zero-Covid heißt die Strategie, mit der eine erfolgreiche Eindämmung des Coronavirus gelingen soll. Dazu müssen zunächst die Infektionszahlen in einem knallharten Lockdown auf null gedrückt werden. Ein Verfechter dieser Strategie leitet den Bereich Medizinische und Biologische Physik an der TU Dortmund.

HochschuleTechnische Universität Dortmund (TU)
Studenten 33.440 (2020)
Fakultät Physik/Medizinische und Biologische Physik

Zero-Covid: Professor der TU Dortmund über Drei-Stufen-Plan um Corona zu besiegen

Bereits seit Mitte Dezember steckt das Leben in Deutschland im zweiten Lockdown seit Ausbruch der Corona-Pandemie fest. Ein fortwährender Dämmerzustand, der nur im Sommer kurz unterbrochen wurde. Doch trotz weiterem Lockdown ist in der zweiten Welle der Pandemie, kaum etwas von einer Entspannung im Infektionsgeschehen zu spüren. Auch nicht in Dortmund (alle News zu Corona in NRW auf RUHR24.de).

Und so schwant manch einem womöglich Unausweichliches: Denn wenn der aktuelle Lockdown nicht radikal etwas an der Lage ändern kann, werden wir es wohl nie zu einem Ende der Corona-Pandemie schaffen.

Diese Denkweise ist es, die Verfechter der Zero-Covid-Strategie dazu brachten, einen radikalen drei Stufen Plan aufzustellen. Der am Ende aber zu einem Ende der Pandemie – und somit zum „Sommer des Jahrhunderts“ führen soll. Zero Covid – keine Corona-Neuinfektionen sind das Ziel (alle News zu Corona in NRW im Live-Ticker auf RUHR24.de).

Corona beenden: Wissenschaftler aus Dortmund erklärt Zero-Covid-Strategie

Einer der Experten, der zu den Verfechtern der Zero-Covid-Strategie (lest hier, was genau hinter der Zero-Covid-Strategie steckt) gehört, ist Prof. Matthias Schneider von der TU Dortmund. Der Physiker ist überzeugt: nur mit noch strengeren Maßnahmen als die, die wir aktuell haben, können wir einen Weg aus der Corona-Krise finden. Er stützt sich dabei auf das Modell des US-amerikanischen Pandemie-Experten Yaneer Bar-Yam. Ein weiterer Mitstreiter ist außerdem der australische Gesundheitsökonom Stephen Duckett.

Seiner Überzeugung folgend, engagiert sich der Wissenschaftler der TU Dortmund auch bei „Wellenbrecher jetzt“. Die Initiative aus Deutschland fordert eine Exit-Strategie für die Krise. Dreh und Angelpunkt ist dabei die Annahme, dass ein Ende der Corona-Krise möglich ist – und zwar in drei Schritten.

  • Schritt eins: Mithilfe eines sehr strengen Lockdowns, der alle Wirtschaftsbereiche miteinbezieht, soll innerhalb kleinerer Regionen das Ziel der null Neuinfektionen erreicht werden.
  • Schritt zwei: Regionen, die mindestens zwei Wochen virenfrei sind, werden zu sogenannten „Green Zones“, die weitestgehend zur Normalität zurückkehren können. „Green Zones“ werden streng vor Einflüssen aus „Red Zones“, die noch nicht das Ziel der null Neuinfektionen erreicht haben, geschützt.
  • Schritt drei: Zwischen mehreren „Green Zones“ können sichere Reisekorridore entstehen. Nach und nach würde sich das Gebiet der zusammenhängenden „Green Zones“ erweitern, in denen das Leben wieder seinen normalen Lauf nehmen kann - eine Motivation für die „Red Zones“, um auch weiter an der Null zu arbeiten und zur „Green Zone“ zu werden.

Für den Professor liegt der Überzeugung, dass die Pandemie beendet werden kann, die wissenschaftliche Betrachtung der Pandemie zugrunde – und die Beobachtung, dass die Strategie in anderen Ländern, wie in Australien oder Neuseeland, unlängst zum Erfolg führte. Nach Ansicht des Dortmunder Professors helfe nämlich gerade die Physik, die Corona-Pandemie die einem exponentiellen Wachstum folge, besser zu verstehen. Denn: viele physikalische Konzepte seien auf die verschiedensten Themengebiete anwendbar – und so auch auf die Corona-Pandemie.

Physiker der TU Dortmund: Die Corona-Pandemie ist ein kollektives Phänomen

Anders als Mediziner, die sich auf den einzelnen Patienten fokussieren, würden Physiker die aktuellen Geschehnisse unter einer anderen Denkweise betrachten. Der Ausbruch, die Corona-Pandemie sei ein „kollektives Phänomen“, so der Physiker in einem Kurzinterview auf der Seite der TU Dortmund. Vielen Menschen falle es jedoch schwer zu verstehen, wie rasant exponentielles Wachstum sei – und wie schnell es außer Kontrolle geraten könne.

Und so vergleicht auch der Pandemie-ExperteYaneer Bar-Yam die Bekämpfung der Corona-Pandemie damit, wie wir einen Brand in unserem Haus löschen würden. Auch dieses würden wir, so der Experte, vollständig löschen. Daher müsse auch in der Pandemie der Weg dahin führen, die Infektionszahlen auf (nahezu) Null zu bringen – ebenso, wie man auch ein Feuer im Haus nicht mit kleiner Flamme weiterbrennen lassen würde.

Maskenpflicht und geschlossene Läden: Deutschland befindet sich noch immer im Lockdown.

Um beispielsweise ein Superspreading-Event zu verstehen, benötige es Erfahrung im Umgang mit kollektiven Wahrscheinlichkeiten, so der Physiker. Und genau diese bringt der Professor der TU mit: 2003 promovierte Schneider im Bereich der Biophysik, 2009 folgte die Habilitation. An der TU Dortmund forscht er im Bereich der Medizinphysik oder, wie es Schneider auch nennt, an den „den phy­si­ka­lischen Prinzipien des Lebens“. Und die lägen nun einmal auch der Pandemie zugrunde.

Noch hält der Physiker Matthias F. Schneider von der Uni Dortmund die Strategie von Zero-Covid weiterhin für umsetzbar. Dennoch: Inzwischen seien die Zahlen der Corona-Neuinfektionen so weit gestiegen, dass der Weg zu null ein weiter wäre, gibt er gegenüber der Zeit zu bedenken. Daher müsse es nun zunächst darum gehen, die Situation wieder unter Kontrolle zu bringen.

Rubriklistenbild: © Roland Baege/TU Dortmund

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