Knapper Wohnraum

Wohnungsnot in Dortmund: Stadt hat besondere Pläne – und erntet harte Kritik

Die Wohnungsnot in Dortmund ist groß und viele Wohnungssuchende verzweifelt. Die Stadt will Abhilfe schaffen. Doch ein neues Vorhaben kommt nicht gut an.

Dortmund – Eine passende Wohnung in Dortmund zu finden ist nicht leicht. Selbst für einfache Ansprüche hat der Wohnungsmarkt in der Ruhrgebiets-Stadt wenig zu bieten - vor allem wenn das Budget knapp ist. Wie angespannt der Wohnungsmarkt in Dortmund ist, weiß auch die Stadt und will den städtischen Wohnungsbau ankurbeln. 830 neue Wohnungen sollen entstehen – doch dem Mieterverein Dortmund ist das zu wenig.

StadtDortmund
OberbürgermeisterThomas Westphal
Einwohner 588.250

Wohnungen zur Miete in Dortmund: Mit knappem Budget kaum zu finden

Die Neubaurate für Wohnungen in Dortmund ist niedrig – „zu niedrig“ wie die Stadt Dortmund betont. Zudem fielen gleichzeitig bestehende Wohnungen aus der „Mietbindung des öffentlich geförderten Wohnungsbaus“ heraus. Sprich: Städtischer Wohnraum geht an Finanzinvestoren und private Immobilienunternehmen über.

Deshalb will die Stadt nun die bereits bestehende Dortmunder Stadtentwicklungsgesellschaft zu einer kommunalen Wohnungsbaugesellschaft weiterentwickeln. Die Gesellschaft soll in kommunaler Hand verbleiben und sich um die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum für alle Zielgruppen in Dortmund kümmern. Also auch für Wohnungssuchende mit kleinem Budget (mehr News aus Dortmund auf RUHR24)

Das ist auch nach Ansicht des Mietervereins Dortmund dringend nötig. Denn: Nach Berechnungen der Stadt hätten rund 50 Prozent aller Haushalte Anspruch auf einen Wohnberechtigungsschein. Gleichzeitig gehe die Zahl der geförderten und preisgebundenen Wohnungen allerdings immer weiter zurück.

Dortmund: Mehr bezahlbare Wohnungen für die Stadt

Bis zum Jahr 2027 sollen einer Mitteilung der Stadt zufolge deshalb rund 1200 Wohnungen zur Verfügung gestellt werden. Rund 830 davon sollen neu gebaut werden. Die Stadt strebt außerdem an, die vorgeschriebene Quote von 25 Prozent öffentlich geförderter Wohnungen in der Stadt zu überschreiten. Es soll also mehr günstiger und geförderter Wohnraum in Dortmund entstehen, als unbedingt gefordert.

Ein Neubau mit 17 Wohnungen am Rand der Dortmunder Gartenstadt entstand in wenigen Tagen.

Thomas Westphal freut der erste Schritt, der zur Entspannung des Dortmunder Wohnungsmarkts führen soll: „Wir nehmen so unmittelbaren Einfluss auf den lokalen Wohnungsmarkt und die Mietpreisgestaltung.“ Doch dann wird es knifflig. Denn bevor die vielen Wohnungen neu gebaut werden können, braucht es zunächst geeignete Grundstücke. Dazu will die Stadt sich nun „vordringlich dem Bauplanungsrecht, der Erschließung und dem Kanalbau widmen.“

In den ersten Jahren will die Stadt Dortmund dazu Grundstücke im Wert von 63 Millionen Euro an die stadteigene Gesellschaft übergeben. Sobald die nun neu geschaffene Wohnungsbaugesellschaft genügend Erlöse erzielt, sollen weitere Wohnungsbauprojekte realisiert werden. Bis dahin könnte es aber noch gut drei bis vier Jahre dauern, so die Stadt.

Günstige Wohnungen in Dortmund zu finden ist problematisch

Klar ist jedoch: Die Stadt hat die Versorgung der Dortmunder mit günstigem Wohnraum als dringendes Problem erkannt und will dieses nun gezielt angehen. Das erkennt auch der Mieterverein Dortmund wohlwollend an: „Endlich gibt es konkretere Überlegungen, wie Wohnungen in Regie der Stadt Dortmund neu gebaut werden können. Dies begrüßen wir ausdrücklich“, heißt es in einem Statement des Vereins.

Doch das „Aber“ lässt nicht lange auf sich warten: „Die Zahl der maximal geplanten Wohnungen enttäuscht“, so Tobias Scholz, Geschäftsführer des Mietervereins Dortmund. Auf fünf Jahre verteilt entsprächen 830 neue Wohnungen im besten Fall 170 Wohnungen im Jahr.

Wenn dann zudem wie angekündigt nur 50 Prozent davon geförderte Wohnungen seien, gäbe es nur rund 85 neue geförderte Wohnungen im Jahr – zu wenige, wenn man betrachtet, wie groß der Druck auf den Dortmunder Wohnungsmarkt schon jetzt ist. Und jedes Jahr verrät der städtische Mietpreisspiegel aufs Neue, wie teuer die Wohnungen in Dortmund inzwischen sind.

Mieterverein forder 500 neue Wohnungen für Dortmund - im Jahr

Tatsächlich weicht die von der Stadt Dortmund angedachte Anzahl neuer Wohnungen drastisch von der Forderung des Mietervereins zur Kommunalwahl ab: Statt 170 Wohnungen sieht der Verein ein Wohnungsbauprogramm mit 500 Wohnungen im Jahr für angemessen. Denn nicht nur preisgünstiger Wohnraum sei ein Problem in der Stadt. Menschen mit Schufa-Eintrag oder bislang wohnungslose Menschen haben noch größeren Schwierigkeiten, eine passende und bezahlbare Wohnung anzumieten.

Der Mieterverein hält es daher für dringend notwendig, dass die Stadt prüft, ob nicht noch mehr städtische Wohnungen in den „angedachten Baugebieten“ entstehen und ob nicht auch noch mehr Grundstücke in das Projekt einbezogen werden könnten.

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