Wohnungen wurden verkauft

Mieter in Dortmund verunsichert: Neuer Eigentümer hat irritierende Forderungen

Wohnhaus in Dortmund
+
Design ohne Titel (12).jpg

Bei einigen ehemaligen Vonovia-Mietern in Dortmund macht sich Sorge breit. Der neue Eigentümer fordert sensible Daten. Der Mieterverein schaltet sich ein.

Dortmund - Wie viele Informationen muss ein Mieter über sich persönlich und der Wohnung, in der er lebt, an den Vermieter preisgeben? Diese Frage beschäftigt derzeit einige Mieter in Dortmund. Sie werden von ihrem Hauseigentümer regelrecht ausgefragt.

MieterschutzMieterverein Dortmund und Umgebung e.V.
Mitgliedercirca 16.000
DachverbandDeutscher Mieterbund (DMB)

Mieter in Dortmund: Neuer Investor kauft Vonovia-Wohnungen Vonovia in Hombruch und Jungferntal

Die Mieter mit Wohnanschrift in den Dortmunder Stadtteilen Hombruch und Jungferntal zahlten ihre Miete bislang an die Bochumer Immobiliengesellschaft Vonovia. In den vergangenen Wochen wurden die Leute jedoch darüber informiert, dass ihre Wohnungen zum 28. Februar verkauft wurden. Neuer Eigentümer sei nun die Dusapro Immobilien GmbH aus dem Rhein-Main-Gebiet, wie der Mieterverein Dortmund in einer aktuellen Mitteilung schreibt.

Soweit so gut, denn eine Wohnungsübernahme durch einen neuen Finanzinvestor ist erst einmal nicht ungewöhnlich. Die Mietparteien wurden dementsprechend über die Änderung informiert. Trotzdem macht sich unter den Mietern der Mehrfamilienhäuser in Dortmund eine Sorge breit (mehr News aus Dortmund auf RUHR24.de).

Neuer Wohnungseigentümer fragt Mieter in Dortmund aus – ist das Vorgehen korrekt?

Zwar habe die Dusapro ihren neuen Mietern ein Willkommensanschreiben geschickt. Dieses beschränkt sich jedoch offenbar nicht nur auf allgemeine Informationen zur Erreichbarkeit der neuen Hausverwaltung oder die neue Kontoverbindung. Vielmehr fragt das Unternehmen von jedem Mieter sensible Daten ab, heißt es vonseiten des Mietervereins.

Bilder des Anschreibens zeigen, dass die Mieter dem neuen Eigentümer sowohl die Kontaktdaten, den Geburtstag, die Höhe und Zusammensetzung der aktuellen Mietzahlung sowie Informationen zu Kautionen und die aktuellen Zählerstände zukommen lassen sollen. Diese Anforderungen haben die Mieter verunsichert – ist ein solches Vorgehen üblich?

Dieses Schreiben der Dusapro GmbH an die Mieter in Dortmund liegt dem Mieterverein vor.

Ehemalige Vonovia-Mieter in Dortmund werden ausgefragt - Mieterverein: „Das sorgt für Unverständnis“

„Es ist üblich, dass ein Käufer vom Voreigentümer alle notwendigen Informationen erhält, um den Bestand weiter bewirtschaften zu können. Wenn Informationen fehlen, sollte er diese vom Voreigentümer erfragen, anstatt die Mieter auszufragen.“, sagt Markus Roeser, wohnungspolitischer Sprecher des Mietervereins Dortmund.

Im Falle der Häuser in Hombruch und Jungferntal würden „ohne Notwendigkeit hochsensible Daten“ abgefragt. Das Sorge für Unverständnis. „Gleichzeitig entsteht der Eindruck, dass dem neuen Eigentümer die gekauften Wohnungen und ihr Zustand vor Kauf nicht vollständig bekannt waren“, so Markus Roeser weiter.

Neuer Eigentümer fordert Fotos der Wohnungen: Badezimmer seien besonders wichtig

Doch damit nicht genug. Denn wie aus dem Schreiben von Dusapro hervorgeht, sollen die Mieter des Weiteren ihre Wohnungen fotografieren und die Bilder per E-Mail an den Eigentümer schicken. Fotos der Badezimmer seien dabei besonders wichtig, da diese „ebenfalls von unserer Bank benötigt“ werden. Laut dem Dortmunder Mieterverein gebe es allerdings keine Garantien, dass die Fotos datenschutzrechtlich korrekt verarbeitet werden und auch keine Aussage darüber, wer sie einsehen wird.

Dieses Schreiben der Dusapro GmbH an die Mieter in Dortmund liegt dem Mieterverein vor.

Wofür der Immobilienkonzern all die Informationen der neuen Mieter benötigt, werde ebenfalls nicht deutlich. Laut Schreiben werden sie nicht an Dritte weitergegeben oder veröffentlicht und dienen lediglich der Vervollständigung der Unterlagen.

Mieter in Dortmund verunsichert: Neuer Eigentümer Dusapro beschreibt Vorgehen als üblich

Auf Anfrage von RUHR24 teilte die Dusapro GmbH mit, dass die Angaben der Mieter freiwillig seien. Außerdem seien die erfragten Auskünfte bei einem Eigentümerwechsel üblich. Bei Unklarheiten und Fragen der Mieter sei die Dusapro „natürlich bereit, diese zu kläeren“, hieß es weiter.

Auch der Mieterverein macht deutlich, dass Mieter nicht verpflichtet sind, für den Vermieter den Zustand der Wohnung zu dokumentieren. Versehentlich „falsche handschriftliche Angaben zur aktuellen Miete oder Zählerständen“ könnte der Vermieter als Anpassung von Miethöhen oder Betriebskostenvorauszahlungen verstehen.

Große Sorge beim Mieterverein Dortmund: Mieter sollen auf Kautionsanspruch verzichten

Ein weiterer Punkt in dem Dusapro-Schreiben besorgt den Mieterverein zusätzlich. Demnach fordert der Eigentümer die Mieter auf, eine Verzichtserklärung für Kautionsforderungen gegenüber dem bisherigen Wohnungseigentümer Vonovia zu unterschreiben – auch diese Angaben seien jedoch freiwillig.

„Nach den gesetzlichen Regelungen (§ 566 a BGB) haben Mieter im Fall eines Wohnungsverkaufs grundsätzliche Ansprüche auf Rückzahlung der Kaution gegenüber dem Alt- und Neueigentümer. Sollte etwa ein Erwerber zahlungsunfähig sein, haftet der Voreigentümer“, sagt Silke Schwarz, Rechtsanwältin und Rechtsberaterin beim Mieterverein Dortmund.

Video: Schimmel, Untermiete & Co.: Das sind die Mieter-Rechte!

Sie macht darauf aufmerksam, dass wenn Mieter den vorherigen Eigentürmer (Vonovia) aus der Haftung entlassen, würden sie damit freiwillig auf den „ihnen gesetzlich zustehenden Mieterschutz“ verzichten. „Vermieter haben allgemein keinen Anspruch auf Abgabe einer Erklärung zur Entlassung des Voreigentümers aus der Haftung“, so die Rechtsanwältin weiter.

Der Mieterverein Dortmund vertritt Mieter in Dortmund und Umgebung bei Unklarheiten, Problemen und Rechtsstreitigkeiten. Laut eigenen Angaben ist der Verein mit rund 16.000 Mitgliedern einer der größten Mietervereine im Ruhrgebiet.