Briefträger bekommen viel zu tun

Dortmund: Neue Verordnung beschert tausenden Mietern Brief-Berge

Eine neue Verordnung führt dazu, dass sich bei einigen Mietern bald Briefe stapeln könnten.

Dortmund – Gut gemeint, ist nicht immer auch gleich gut gemacht. Zum Beispiel, wenn eine Verordnung nicht dazu führt, Mieter besser über ihren Energieverbrauch zu informieren, sondern nur dazu, dass sich bei tausenden Mietern in Dortmund zukünftig – nach Auffassung der Dogewo – unsinnige Abrechnungen in Papierform stapeln. Wie RUHR24* berichtet, übt die Dogewo deutliche Kritik an der neuen Heizkostenverordnung. Doch ist diese immer zutreffend?

WohnungsbaugesellschaftDortmunder Gesellschaft für Wohnen mbH (Dogewo)
Gründung1918
GeschäftsleitungKlaus Graniki

Dortmund: Dogewo findet neue Heizkostenverordnung wenig durchdacht

„Die Verordnung ist aus unserer Sicht nicht vollständig durchdacht“, erklärt Klaus Graniki, Geschäftsführer der Dogewo21. Dass sein Unternehmen jedem Mieter, der in einem Haus mit Zentralheizung wohnt, nun monatlich eine Aufstellung ihres Heizwärme- und Warmwasserverbrauchs per Post zuschicken soll, empfindet er mindestens als wenig nachhaltig – wenn nicht gleich als völlig unsinnig. Denn immerhin könnten die Mieter der Dogewo ihr Daten längst jederzeit im hauseigenen Serviceportal abfragen.

6.300 Haushalte in Dortmund bekommen seit Februar jeden Monat eine Aufstellung darüber zugeschickt, wie viel Warmwasser sie verbraucht haben, und wie viel Energie beim Heizen ihrer Wohnung draufging. Dazu sei die Wohnungsbaugesellschaft Dogewo laut eigener Mitteilung ihren Mietern gegenüber nach einer Novelle der Heizkostenverordnung, die am 1. Dezember 2021 in Kraft trat, verpflichtet.

Die Verordnung besagt, dass alle Mieter monatlich eine Übersicht zu ihrem Verbrauch erhalten müssen. Das soll Mieter laut dem Informationsportal vermietet.de dazu motivieren, bewusster mit ihrem Energieverbrauch umzugehen. Die neue Verordnung steht also ganz im Sinne der Nachhaltigkeit. Und auch fernablesbare Zähler sind nun Pflicht. Techniker, die an der Haustür klingeln, weil sie Zähler in der Wohnung oder dem Keller ablesen müssen, gehören damit der Vergangenheit an.

Dortmund: Mieter sollen Bewusstsein für Energieverbrauch bekommen

Ein Bewusstsein für den eigenen Energieverbrauch zu schaffen – das findet auch die Dogewo laut eigener Mitteilung richtig und wichtig. Die Betrachtung jedes einzelnen Monats ergebe dagegen wenig Sinn. „Es sollte der Verbrauch in den Heizperioden im Fokus stehen“, erklärt Graniki. Zudem sei der Briefversand „wenig nachhaltig“. Deshalb bietet die Dogewo seinen Mieter an, dass sie die Abrechnung statt auf dem klassischen Postweg, auch über den digitalen Weg erhalten können.

Graniki kritisiert auch, dass die neue Informationspflicht den Mietern zudem zusätzliche Kosten aufbürde. Eine Befürchtung, die auch Jutta Hartmann vom Mieterbund gegenüber der tagesschau.de äußerte: „Hohe Abrechnungskosten könnten durch den erhöhten Aufwand für die notwendigen monatlichen Angaben und Vergleiche entstehen.“

Diese Kosten für den Vermieter seien jedoch umlegbare Betriebskosten. Heißt: Die erhöhten Kosten für die aufwändigere Abrechnung kann der Vermieter seinen Mietern auf die Nebenkosten aufschlagen. Eine Begrenzung der Kosten sieht die neue Verordnung nicht vor. Höheren Kosten für Mieter liegen ein Stück weit also auch in der Verantwortung der Vermieter (mehr Nachrichten aus dem Ruhrgebiet auf RUHR24).

Dortmund: Dogewo startet neues Serviceportal für Mieter

Weiterhin sieht die neue Verordnung auch etwas Vergleichbares, wie die von der Dogewo vorgeschlagenen Aufstellung des Verbrauchs in den Heizperioden vor. Denn die monatliche Abrechnung muss nämlich auch einen Vergleich zu den Heizkosten des Vorjahres, sowie zum Durchschnittsverbrauch beinhalten.

Mieter der Dogewo können ihre Heizkostenabrechnung online abrufen.

Die Novelle besagt zudem, dass die Abrechnungen ab dem 1. Januar 2022 nur „während der Heizperiode mindestens monatlich bereitgestellt werden muss“. Und auch eine digitale Abrechnungsvariante sieht die neue Verordnung durchaus vor: Laut tagesschau.de kann die Übermittlung der Daten demnach nicht nur per Brief, sondern auch per E-Mail, per App oder über ein Webportal erfolgen kann.

Die Dogewo startete mit einem entsprechenden Serviceportal im Sommer 2021. Darin finden Mieter alle wichtigen Unterlagen, wie ihren Mietvertrag oder ihre Betriebskostenabrechnung. Auch der Heiz- und Warmwasserverbrauch kann in dem Portal von den Mietern eingesehen werden. Mieter müssen sich nur einmalig registrieren. Die Zugangsdaten zum Portal erhalten sie anschließend von der Dogewo. *RUHR24 ist Teil des Redaktionsnetzwerks von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Dogewo21; Collage: RUHR24

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