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Klima im Ruhrgebiet: Der traurige Grund, warum in Dortmund jetzt Wein wächst

Die größten Weingebiete Deutschlands liegen überall, nur nicht im Ruhrgebiet. Trotzdem wird in Dortmund Wein angebaut. Und er gedeiht prächtig. Doch das hat einen traurigen Grund.

Dortmund – Normalerweise ist Dortmund eher bekannt für sein Bier. Doch seit ein paar Jahren wird in der Ruhrgebietsmetropole auch Wein angebaut. Am Phoenix See im Stadtteil Hörde bewirtschaftet die Emschergenossenschaft (EGLV) seit 2012 einen Weinberg, später kam ein weiterer im Umweltkulturpark in Dortmund-Barop dazu. Aber wie ist das mitten im städtischen Ruhrgebiet möglich?

StadtDortmund
BundeslandNordrhein-Westfalen
Bevölkerung603.167

Wein aus Dortmund: 2012 wurde in der Ruhrgebietsmetropole der erste Weinberg angepflanzt

Stichwort Klimawandel: Bedingt durch die steigenden Temperaturen ist es an ausgewählten Standorten mittlerweile möglich, Wein anzubauen. Früher war das nur im warmen Süden möglich, mittlerweile hat sich die Wein-Anbaugrenze aber deutlich nach Norden verschoben, schreibt die Emschergenossenschaft auf ihrer offiziellen Website.

Im Jahr 2012 hat die Genossenschaft am Dortmunder Phoenix See, der sich ohnehin im stetigen Wandel befindet, ihren ersten Weinberg mit 96 Weinreben bepflanzt. Zum Jahreswechsel 2017/2018 folgte am Dortmunder Rüpingsbach im Stadtteil Barop der nächste Weinberg. Letzterer ist mit 300 Reben um einiges größer als der Weinberg in Hörde und noch dazu handelt es sich bei dem Baroper Anbau-Gebiet um einen „Mitmach-Weinberg“. Sprich: Jeder der schon immer mal Wein anbauen wollte, kann mitmachen.

Der Anbau von Wein braucht viel Sonne – der Klimawandel macht es in Dortmund möglich

In Dortmund wird aktuell ausschließlich Weißwein angebaut. Vor allem über den Standort am Phoenix See ist die Emschergenossenschaft erfreut: „Der Weinberg steht für die neue Lebens- und Erlebnisqualität im Neuen Emschertal, ist Zeichen des Wandels im einst von Kohle- und Stahlindustrie geprägten Kohlenpott.“

Auch wenn bereits im Mittelalter während einer Warmzeit der Anbau von Wein im Ruhrgebiet möglich war, überraschen die Weinberge in Dortmund dennoch. Vor allem, weil das Wetter dort im Gegensatz zu den größten Weinregionen Deutschlands, in Baden-Württemberg, deutlich feuchter ist. Und der Anbau von Wein verlangt Sonne. Viel Sonne.

Wein findet dank des Klimawandels in Dortmund gute Bedingungen zum Gedeihen

Doch der Klimawandel des vergangenen Jahrhunderts hat den Anbau von Wein in Dortmund binnen kürzester Zeit möglich gemacht: „Der Wein hat Temperaturansprüche, die selbst vor hundert oder fünfzig Jahren hier in der Region noch nicht erfüllt waren“, sagte Mario Sommerhäuser von der Emschergenossenschaft im Gespräch mit der WAZ (Bezahlinhalt). „Doch was wir in den letzten Sommern erlebt haben, ist dramatisch!“

Heißt konkret: Durch die steigenden Temperaturen findet der Wein selbst in Dortmund gute Bedingungen, um zu gedeihen. Dazu kommt, dass die Emschergenossenschaft bei ihrem Anbau komplett auf grüne Rebsorten setzt: Die sind deutlich widerstandsfähiger als rote Sorten und brauchen weniger Sonne.

Am Phoenix See in Dortmund wird seit 2012 Wein angebaut.

Außerhalb Dortmunds soll in den kommenden Jahren ein noch größerer Wein-Standort entstehen

Alleine schafft die Emschergenossenschaft es übrigens nicht mit dem Anbau ihres Weins: Als die Instandhaltung der Weinberge immer größer wurde, holte sich die EGLV die Weinexpertin Tina Krachten ins Boot, die bereits als Kellermeisterin in einem alten Weingut in der Pfalz gearbeitet hat. Der Weinanbau in Dortmund hat für sie aber einen ganz besonderen Reiz: „Die Emschergenossenschaft ist eine Art Pionier“, sagte sie der WAZ.

Zusammen mit Krachten will Mario Sommerhäuser ab 2022 und 2023 einen „sehr großen Weinbau-Standort mit 8000 bis 9000 Rebstöcken“ im Ruhrgebiet erschaffen. Allerdings nicht in Dortmund, sondern am Wasserkreuz Emscher/Rhein-Herne-Kanal in Castrop-Rauxel.

Schon bald könnte wegen des Klimawandels sogar der Anbau von roten Trauben in Dortmund möglich sein

Für Dortmund haben Krachten und Sommerhäuser derweil ganz andere Pläne, und zwar den Anbau von roten Rebsorten. Aufgrund des Klimawandels könnte das schon bald möglich sein, auch wenn die roten Sorten deutlich mehr Sonne benötigen als die grünen Trauben. „Es gibt Rotweine, die für das Ruhrgebiet ideal geeignet sind: Frühburgunder und Spätburgunder“, sagt Winzerin Tina Krachten und fügt hinzu: „In Dortmund steht auch ein Cabaret Noir – doch diese Reben brauchen noch drei Jahre, bis wir Ertrag sehen.“

Bei Sommerhäuser löst der Gedanke von Dortmunder Rotwein aber gemischte Gefühle aus: Er hofft, dass dessen Anbau nicht jedes Jahr möglich sein wird.

Rubriklistenbild: © Emschergenossenschaft

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