21 Gebiete in Dortmund

Dortmund: CDU-Ratsfraktion lehnt Bewerbung um UNESCO-Weltkulturerbe ab

41 Stätten und Landschaften in Deutschland sind UNESCO-Weltkulturerbe. Jetzt will sich auch das Ruhrgebiet bewerben. Doch die CDU-Fraktion in Dortmund hat Zweifel.

Dortmund – Bald schon könnte die Kokerei Hansa in Dortmund in einem Atemzug mit den Pyramiden von Gizeh in Ägypten, den Wasserfällen von Iguazu in Argentinien und dem Great Barrier Reef in Australien genannt werden. Denn die Dortmunder Stiftung Industriedenkmalpflege möchte die „Industrielle Kulturlandschaft Ruhrgebiet“ als UNESCO-Weltkulturerbe bewerben. Doch die CDU-Fraktion hat etwas dagegen.

OrganisationUNESCO
HauptsitzParis, Frankreich
Gründung16. November 1945, London, Vereinigtes Königreich
LeitungAudrey Azoulay

Dortmund: CDU-Fraktion gegen die Bewerbung zum Weltkulturerbe

Die Partei sieht mit der Bewerbung die zukünftige Stadtentwicklung in Dortmund gefährdet. In der Stellungnahme argumentiert der CDU-Fraktionssprecher Uwe Waßmann: „Das Image des Ruhrgebiets wird in der Öffentlichkeit vielfach verzerrt und falsch dargestellt und wahrgenommen.“

Von der Bewerbung zum UNESCO-Weltkulturerbe wären allein in Dortmund 21 Gebiete betroffen – darunter auch der Hafen und die Zeche Zollern –, die sich gänzlich oder teilweise auf Dortmunder Stadtgebiete befinden. Für die CDU berge das Vorhaben sehr das Risiko, „das Ruhrgebiet in der öffentlichen Wahrnehmung als Museum zu platzieren anstatt als Ort der Innovation, des Aufbruchs und der Transformation“.

Dortmund und das restliche Ruhrgebiet: Region als UNESCO-Weltkulturerbe

Halden, Zechen und echte Malocher – das Ruhrgebiet ist ein traditionsträchtiger Ort der besonderen Art. Von 1850 bis in die 1960er Jahre herrschte hier die Schwerindustrie. „Mit der Bewerbung soll die Einzigartigkeit dieser tiefgreifenden Ära aufgezeigt werden“, schreibt die Stiftung Denkmalschutz auf der Website.

In ihrer Stellungnahme betont die CDU Dortmund auch, sie sei stolz auf die „große Geschichte Dortmunds und der Region als Industrieregion mit den Themen Stahl, Kohle oder Bier.“ Doch sieht sie offenbar in einer Ernennung zum UNESCO-Weltkulturerbe eine zu große Gefahr für den Strukturwandel.

Die CDU-Fraktion in Dortmund spricht sich gegen das Vorhaben aus, Teile des Ruhrgebiets als UNESCO-Weltkulturerbe zu bewerben.

CDU in Dortmund sieht bei Bewerbung zum UNESCO-Weltkulturerbe die Stadtentwicklung in Gefahr

„Die Region dem Diktat eines Weltkulturerbes und den damit verbundenen Restriktionen zu unterwerfen, ist aus Sicht der CDU dabei nicht hilfreich.“ Die größten Bedenken äußert die Partei gegenüber den „Restriktionen“ die einem UNESCO-Weltkulturerbe auferlegen sind. Exemplarisch nennt die Fraktion in Dortmund die sogenannten „Pufferzonen“.

Dabei handelt es sich um das landschaftliche beziehungsweise städtische Umfeld der UNESCO-Stätten. Das unterliegt ebenfalls Regeln, um die herausragende Bedeutung des Weltkulturerbes nicht zu beschädigen.

Dortmund: CDU warnt vor Richtlinien, die ein UNESCO-Weltkulturerbe erfüllen muss

Davon betroffen sind beispielsweise Bebauungspläne und Sanierungsmaßnahmen. Sie dienen dem „präventiven Schutz von Welterbestätten durch die Steuerung der Zulässigkeit von konkurrierenden Vorhaben“, wie der Bundestag in einem Schreiben erklärt.

Prominente Beispiele seien laut der CDU-Fraktion die Feldschlößchenbrücke in Dresden oder die Montanregion Erzgebirge. Zu den Bedenken, Stadtteile in Dortmund als UNESCO-Welkulturerbe zu bewerben, hat sich die Stiftung Denkmalschutz auf RUHR24-Anfrage noch nicht geäußert.

Dortmund: UNESCO-Weltkulturerbe auf der einen, innovativer Fortschritt auf der anderen Seite

Vonseiten der Verwaltung erhält die Stiftung immerhin Rückenwind. Der Planungsdezernent der Stadt Dortmund, Ludger Wilde, sagte über das Vorhaben: „Das wäre ein echter Imagegewinn für die Region und sicherlich auch ein Standortfaktor für Investoren.“

Insgesamt stehen auf der UNESCO-Liste des Kultur- und Welterbes 41 Stätten und Landschaften in Deutschland. Ob das Ruhrgebiet bald Teil dieser Liste sein wird, ist unklar. Zwei zentrale Punkte stehen in der Diskussion einander gegenüber: der Fortschritt und die Erinnerung.

Rubriklistenbild: © Daniele Giustolisi/RUHR24

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