Klare Ansage

TU Dortmund: Professor sorgt mit radikalen Aussagen im „Spiegel“ für Eklat

Walter Krämer, TU-Dortmund-Professor und Sprach-Pfleger hat sich im „Spiegel“ zur Gendersprache geäußert und radikale Aussagen getätigt. Sie sind nicht unumstritten.

Dortmund - Die deutsche Sprache ist im Wandel. Gendersternchen halten inzwischen auch in so manch einem Behördentext Einzug. Doch schmecken tut das nicht jedem. Jetzt hat sich Walter Krämer von der TU Dortmund prominent zu Wort gemeldet. Er ist in erster Linie Statistik-Professor - und zeitgleich erster Vorsitzender des „Vereins Deutsche Sprache“ (VDS). Im Spiegel äußert er nun teils radikale Ansichten zur Sprache.

NameVerein Deutsche Sprache
1. VorsitzenderWalter Krämer
SitzDortmund

TU-Dortmund-Professor Walter Krämer lehnt Gendersternchen ab

„Bachelor- und Masterarbeiten mit Gendersternchen lehne ich ab. Ich erwarte, dass man die Regeln der deutschen Sprache in akademischen Abhandlungen einhält“ ist eine dieser radikalen Aussagen, die aktuell nicht nur im Spiegel, sondern auch über den Twitter-Kanal des Vereins Deutsche Sprache verbreitet wird.

Der Verein mit Sitz in Dortmund hat eine eher konservative Auffassung von Sprache. Gendersternchen und Co. sind darin nicht vorgesehen. In den Leitlinien des VDS ist die Rede von einem „zerstörerischen Eingriff einer vorwiegend ideologisch motivierten Genderbewegung, die an den Grundfesten unserer Sprache, der Grammatik, sägt.“

TU Dortmund: Professor Walter Krämer antwortet automatisch auf Mails mit Gendersternchen

Die Ablehnung der gegenderten Sprache geht sogar so weit, dass TU-Dortmund-Professor Krämer eine automatische Antwort auf eine Mail, in der es ums Gendern geht, eingerichtet hat. Darin steht: „Darf ich Sie bitten, mir Ihre Post nochmals in korrektem Deutsch zu schicken? Leider lässt mein Eingangsfilter keine Nachrichten mit Gender(*) durch.“

Nicht nur mit automatischen Mail-Antworten wie dieser sorgt Walter Krämer an der TU Dortmund für Irritation. So distanzierte sich der Allgemeine Studierendenausschuss (Asta) der TU Dortmund von dem Wissenschaftler, weil er 2019 durch rechtspopulistische Aussagen - etwa in Aushängen vor seinem Büro - aufgefallen war.

Die damalige Universitätsleitung sah in den Aushängen, die keinen erkennbaren Bezug zur universitären Tätigkeit Krämers aufweisen würden, kein Problem. So sei ein Aushang Krämers mit einem vermeintlichen Hitler-Zitat von der Meinungsfreiheit gedeckt gewesen. Die damalige TU-Rektorin Ursuala Gather bezeichnete den Aushang von Hitler-Zitaten in Schaukästen allerdings als „geschmacklose und unsensible Provokation.“

Asta der TU Dortmund kritisiert Verein Deutsche Sprache

Auch den Verein Deutsche Sprache sieht der Asta der TU Dortmund für seine „lächerliche Deutschtümelei und rechte Rhetorik“ kritisch - etwa die Flyeraktion des VDS an verschiedenen Unis zum juristischen Widerstand gegen „sprachpolizeiliche Genderregeln“.

Die Kritik für Krämer und seinen VDS geht sogar so weit, dass Kinderbuchautorin Kirstin Boie („Ritter Tenk“) 2020 den Sprachpreis des Vereins nicht annahm, weil Krämer zuvor von „Genderwahn“ und vom „aktuellen Meinungsterror unserer weitgehend linksgestrickten Lügenpresse“ gesprochen hatte.

TU-Dortmund-Professor: Gendersternchen gehört noch nicht zur deutschen Orthografie

So sehr die Aussagen Krämers in manchen Kreisen irritieren mögen - zumindest was das Gendersternchen betrifft, liegt er (noch) nicht ganz daneben. Denn: Der Genderstern gehört derzeit nicht zum Zeichenbestand der deutschen Orthografie. Lehrer und Professoren, die das streng auslegen, werden ihn also in der Schule und wohl auch an der Uni als Fehler anstreichen müssen.

Apropos gendern: Gegen die Nennung beider Geschlechtergruppen versperrt sich Krämer dann doch nicht ganz. Er habe nichts dagegen, „beim Schreiben oder Reden über konkrete Menschen wenn nötig auch festzuhalten, dass darunter Männer wie Frauen vertreten sind“, schreibt er in einem Gastbeitrag für Cicero.

Das sei immer dann nötig, wenn man konkret herausstellen wolle, dass der Anteil eines bestimmten Geschlechts wichtig sei. Ansonsten reiche das „generische Maskulinum“ - also Bäcker für alle Bäcker und Bäckerinnern oder Held für alle Helden und Heldinnen. Krämer spitzt zu: „Nero und die Christen- und Christinnenverfolgung? Eher esse ich meine Bibel.“ Hinweis: Wir haben im Text ergänzt, dass die umstrittenen Aushänge vor dem Büro Krämers schon 2019 zu Diskussionen geführt hatten und dass die damalige TU-Rektorin Gather diese Aushänge persönlich missbilligt hatte.

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