Ansprache auf Querdenker-Demo

TU Dortmund-Mitarbeiter: „Corona-Pandemie eine PR-Show“ – AStA geschockt

Der AStA distanziert sich von einem Mitarbeiter der TU Dortmund. Der Coronavirus-Gegner hatte die Pandemie bei einer Rede auf einer Demo verharmlost.

Dortmund – Gefährliche Falschmeldungen, eine krude Verschwörungstheorie und dann auch noch der Legitimationsversuch der fraglichen Aussagen, durch den Verweis auf die TU Dortmund: Was ein Mitarbeiter der Universität bei seiner Rede auf einer Demo von Gegnern der Corona-Maßnahmen äußerte, rief beim AStA (Allgemeine Studierendenausschuss) nicht nur Ablehnung, sondern auch Wut hervor. In einem Statement distanziert sich die Studierenden-Vertretung deutlich von dem Mann und fordert die TU auf, sich ebenfalls politisch klar zu positionieren.

AStAAllgemeinen Studierendenausschuss
UniversitätTechnischen Universität Dortmund
Aufgabepolitische Vertretung der Studierenden

TU Dortmund: Studierendenausschuss distanziert sich von Uni-Mitarbeiter

Fabian Günther, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Kunststofftechnologie engagiert sich seit Monaten in der Szene der Corona-Maßnahmen-Gegner, berichtet der WDR. Anders als Corona-Leugner streiten Gegner der Corona-Maßnahmen nicht ab, dass es das Virus gibt, doch sie bestreiten oder verharmlosen die Gefährlichkeit des Coronavirus.

Die Verschwörungstheoretiker behaupten zudem, dass die Regierungen ihre Bürger durch die Schutzmaßnahmen unterdrücken und – ähnlich einer Diktatur – ihrer Grundrechte berauben will.

TU Dortmund: Corona-Maßnahmen-Gegner verharmlosen Virus

So verglich auch Günther bei einer Demo im Sommer 2020 (27. Juni) den medialen Umgang mit dem Coronavirus mit dem „System der Nachrichten, wie man es nur aus Unrechtsregimen der Vergangenheit kannte“. Für den AStA ist bereits das Grund genug, sich von dem Mann zu distanzieren (mehr Nachrichten aus Dortmund auf RUHR24.de).

Denn auch, wenn die Studierendenvertretung den Wert der Meinungsfreiheit als äußerst wichtig erachtet, und es begrüßt, dass auch Mitarbeiter der Universität diese äußern, erklären sie, dass „die Bezeichnung der jetzigen Situation als ‚Diktatur‘, die Lage in tatsächlichen Diktaturen ins Lächerliche zieht“.

Corona-Kritiker auf der Querdenker-Demo am Sonntag in Dortmund.

In seiner Rede stellte der TU-Mitarbeiter dann auch klar, dass die Corona-Pandemie für ihn offensichtlich eine PR-Show sei, die einzig und allein dem Zweck diene, der Pharmaindustrie hohe Gewinne zu bescheren. Inszeniert würde diese PR-Aktion durch etablierten Medien, die er laut WDR „Systempresse“ nennt.

AStA der TU Dortmund: Versuch der wissenschaftlichen Legitimation

Doch was noch viel schlimmer ist: Um seinen Aussagen ein gewisses Gewicht zu verleihen, verwies Günther auf seine Tätigkeit bei der TU Dortmund – der AStA wertet das als Versuch, seine fraglichen Äußerungen wissenschaftlich zu legitimieren.

Und spätestens an diesem Punkt ging es dem Ausschuss dann offenbar mit den Äußerungen Günthers zu weit: Dass die Universität mit Verschwörungsideologien und rechten Äußerungen in Verbindungen gebracht wird, sei nicht mit der Aufgabe einer wissenschaftlichen Einrichtung, wie sie die TU Dortmund ist, zu vereinbaren. Günthers Auftritt verurteilten sie „zutiefts“.

Dortmund: Universität bittet Mitarbeiter zum Gespräch

Dementsprechend aufgebracht distanzierte sich der AStA nicht nur von Fabian Günther, sondern forderte auch gleich die Universität auf, Stellung zu beziehen. Die TU Dortmund suchte laut WDR offenbar das Gespräch mit dem Mitarbeiter. Laut der Pressestelle der TU dürfe aufgrund des Grundrechts auf Meinungsfreiheit zwar jeder seine Meinung privat frei äußern - auch Mitarbeiter der TU Dortmund - dennoch dürfen solche Äußerungen nicht „im Namen der Universität“ getätigt werden. Eine öffentliche Distanzierung von den Äußerungen Fabian Günthers ließ die TU Dortmund allerdings bisher vermissen.

Im Gespräch mit dem WDR wiederholte Fabian Günther im Kern dennoch seine Aussagen: Die Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie seien unverhältnismäßig. Viele Zahlen, wie der Inzidenzwert, seien aus der Luft gegriffen und entbehrten vieler wissenschaftlicher Grundlagen.

Anm. d. Red.: Bereits vor Veröffentlichung des ursprünglichen Berichts, hatte der Mitarbeiter gegenüber dem AStA eingeräumt, das es ein Fehler gewesen sei, die TU Dortmund in seiner Vorstellung bei der Demo als Arbeitgeberin zu erwähnen. Diese Information soll an dieser Stelle ergänzt werden.

Rubriklistenbild: © Roland Baege/TU Dortmund