Mehr Unfälle durch Senioren

Dortmund: Nach Unfall-Tod von Kind (4) – emotionaler Appell der Familie

Nach einem tödlichen Unfall mit einem Kind in Dortmund richtet die Familie nun einen emotionalen Appell an den Bundestag.
+
Nach einem tödlichen Unfall mit einem Kind in Dortmund richtet die Familie nun einen emotionalen Appell an den Bundestag.

Der Unfalltod eines vierjährigen Jungen in Dortmund hatte Ende Februar für Fassungslosigkeit gesorgt. Jetzt wendet sich die Familie an den Bundestag – mit einem emotionalem Appell.

Dortmund – Der tödliche Unfall in Dortmund war passiert, als der Vierjährige mit seiner Mutter die Aplerbecker Straße in Dortmund überqueren wollte. Ein 84-jähriger Autofahrer sieht die rote Ampel nicht und überfährt das Kind. Kurz darauf stirbt es. Jetzt wollen die Hinterbliebenen dafür sorgen, dass andere Familien solche Tragödien nicht durchmachen müssen.

Tödlicher Unfall mit Kleinkind in Dortmund: Familie startet Petition an den Bundestag

Die Anteilnahme war groß. „Dieser Unfall hat niemanden unberührt gelassen“, sagte Dortmunds Oberbürgermeister Thomas Westphal anschließend. Man werde alles dafür tun, dass so etwas nicht noch einmal passiere. Am Unfallort, nahe einer Kindertagesstätte, soll künftig etwa der Verkehr entschärft werden.

Bei einem Unfall in Dortmund ist ein vierjähriger Junge gestorben. Jetzt äußerte sich OB Thomas Westphal zu der Tragödie.

Doch der Familie des toten Jungen reicht das nicht. Sie sieht ein strukturelles Problem und wendet sich nun mit einem flammenden Appell an den Bundestag. Denn sie sieht den Staat in der Pflicht, zu prüfen, ob jemand mit 65 Jahren oder älter noch tauglich ist, ein Auto zu fahren. Deshalb haben die Hinterbliebenen nun eine Petition an den Bundestag gerichtet.

Unfall in Dortmund: „Wie viele unnötige Tote wollen sie noch verantworten?“

Darin fragen sie: „Wie viele unnötige Tote (unter anderem Kinder) wollen sie noch verantworten?“ Ihr Argument: Die Zahl der von Senioren verursachten tödlichen Unfälle in Deutschland sei zuletzt um rund 8 Prozent gestiegen. Bei Autofahrern unter 25 sei der Trend hingegen rückläufig. Und: Das Problem werde sich mit dem demografischen Wandel weiter verschlimmern.

Deshalb nehmen sie nun den Staat in die Pflicht: „Der Staat hat die Pflicht jeden Bürger zu schützen und es kann nicht hingenommen werden, das die Menschen im hohen Alter, die nicht mehr dazu in der Lage sind, weiterhin ein Fahrzeug bewegen“, schreibt die Familie unserer Redaktion. Die Fahrerlaubnis dürfe nicht mehr ein Leben lang gültig sein.

Video: Führerschein-Umtausch

Nach Unfall in Dortmund: Tests für Senioren gibt es in anderen Ländern bereits

Als Beispiele führen sie Regelungen in anderen EU-Ländern an. In Spanien etwa muss jeder Autofahrer ab 65 seinen Führerschein alle fünf Jahre erneuern lassen. Dann wird auch eine medizinische Untersuchung fällig. Bei Mietwagen schlagen die Vermieter dort mittlerweile sogar eine sogenannte „Seniorengebühr“ auf.

In Nachbarländern wie der Schweiz und Großbritannien ist das ebenfalls üblich. Hier müssen Senioren ab 70 Jahren alle zwei beziehungsweise drei Jahre ihre Führerscheine verlängern lassen. Auch dann wird ein Medizin-Check fällig. In Deutschland bietet der ADAC lediglich „Fahr-Fitness-Checks“ für Senioren an. Diese sind jedoch freiwillig und haben keine direkten Folgen. Die Fahrtauglichkeit wird hierzulande nur bei Berufskraftfahrer wie Bus- und Lkw-Fahrern regelmäßig überprüft.

Debatte um Fahrtests für ältere Menschen: Am Alter kann man es nicht festmachen

Kritiker sagen: Nicht das Alter einer Person beeinträchtige die Fahreignung. Viel mehr seien es die damit einhergehenden körperlichen und gesundheitlichen sowie generelle psychische Probleme. Wenn jemand etwa schlecht sieht oder Ausfallerscheinungen zeigt, kann das etwa nach Unfällen durchaus dazu führen, dass er den Lappen abgeben muss.

Doch in Deutschland handelt es sich dabei laut Bußgeldkatalog.org immer um Einzelfallentscheidungen. Einen generellen Entzug des Führerscheins oder besondere Tests für Senioren gibt es hierzulande bislang nicht. Denn: Nicht jeder, der 75 Jahre alt ist, sieht auch schlecht oder reagiert automatisch langsam.

Unfall in Dortmund: Familie richtet nach tödlichem Unfall Petition an den Bundestag

Die Familie des bei dem Unfall getöteten Jungen will das ändern und fordert deshalb nun eine verpflichtende Tauglichkeitsprüfung bei älteren Verkehrsteilnehmern ab 65 Jahren. Also eine regelmäßige „kleine praktische Prüfung“, bei der Defizite auffallen könnten. „In den Fällen, in denen es offensichtlich gar nicht mehr geht, müsste dann auch rigoros die Fahrerlaubnis dauerhaft entzogen werden“, schreiben sie in dem Text zur Petition auf Openpetition.

Bisher haben bereits mehrere Hundert Menschen die Petition der Familie unterschrieben. Das Quorum liegt bei 50.000 Unterschriften. Erst wenn diese Schwelle erreicht wird, gibt das Portal die Petition an den Bundestag. Dann können auch Politiker Stellung dazu nehmen und so eine Gesetzesänderung anstoßen. Auch wenn es ihnen ihr Kind nicht zurückbringt, hätte die Familie so dennoch etwas erreicht.

Mehr zum Thema