Einzelhandel in NRW

Dortmund Innenstadt: Streik bei Ikea, H&M, Saturn, Zara und Co legt Shopping-Meile lahm

Mitarbeiter großer Ketten wie H&M, Ikea, Saturn oder Zara treten am Dortmund (16. Juni) in den Streik. Auch Corona hat damit zu tun.

Dortmund – Die Liste der Streik-Teilnehmer liest sich wie das Who-is-Who der deutschen Shopping-Landschaft: Mitarbeiter großer Ketten wie H&M oder Zara treten heute in Dortmund* in den Streik. Die Gewerkschaft Verdi ruft am Mittwoch (16. Juni) Betriebe der Innenstädte und Möbelhäuser auf, die Arbeit niederzulegen. RUHR24* erklärt, wer streikt und was das für Kunden bedeutet.

StadtDortmund
Tat des StreiksMittwoch (16. Juni 2021)
GewerkschaftVerdi

Dortmund: Streik heute in der Innenstadt – auch H&M, Saturn, Ikea mit dabei

Die Beschäftigten der Innenstadt-Geschäfte kommen aus einer langen Durststrecke. Corona machte den Mitarbeitern zu schaffen – wochenlang gab es nur Kurzarbeitergeld, also 60 Prozent des Netto-Gehalts (Beschäftigte mit mindestens einem Kind: 67 Prozent). Nicht wenige Geschäfte mussten wegen Corona ganz dicht machen*.

Die Gewerkschaft Verdi fordert deshalb nun von den Arbeitgebern, diese Verluste wieder auszugleichen – und zwar durch eine Erhöhung des Gehalts für die Mitarbeiter. Um dieser Forderung Nachdruck zu verleihen, wollen am heutigen Mittwoch (16. Juni) Mitarbeiter großer Ketten aus Innenstädten sowie Möbelhäusern streiken. Verdi nennt folgende Geschäfte:

  • Ikea,
  • Primark,
  • Saturn,
  • H&M,
  • TK-Maxx,
  • Smyths Toys,
  • Zara,
  • Galeria Karstadt Kaufhof,
  • Esprit und
  • Douglas.

Die zentrale Kundgebung startete um 11 Uhr auf dem Friedensplatz in der Innenstadt von Dortmund. Von Streiks der vergangenen Zeit gibt es die Erfahrungen, dass die bestreikten Geschäfte selbst an Streiktagen geöffnet bleiben, allerdings unter Umstände mit einer dezimierten Besetzung der Mitarbeiter. Für Kunden sollte es also wohl keine Einschränkungen geben. Wer sichergehen will, ruft vor dem Shopping in seinem Ziel-Geschäft an.

Corona-Pandemie: Verdi verweist auf Strapazen durch Click and Collect bei H&M, Zara, Primark und Co.

Verdi-Verhandlungsführerin Silke Zimmer verweist indes die Arbeitgeber auf die Corona-Strapazen der vergangenen Monate: Mitarbeiter der Ketten hätten sich auf Click & Collect und Click & Meet* eingelassen und umgesetzt – was jetzt entlohnt werden müsste. „Das war mit harter Arbeit, hoher Flexibilität und nicht zuletzt auch mit vielen persönlichen Kontakten und der damit verbundenen Angst vor einer möglichen Ansteckung verbunden. Dieser Einsatz muss sich nun in einem fairen Tarifabschluss widerspiegeln.“

Vonseiten der Arbeitgeber gibt es offenbar die Bereitschaft, das Gehalt der Mitarbeiter zu erhöhen – um einen Prozent. Außerdem bieten sie eine Einmalzahlung in Höhe von 1,4 Prozent des individuellen Entgelts an, die auch kumuliert nach zehn Monaten erst im April 2022 zur Auszahlung kommen kann.

Verdi sieht dieses Angebot „in keinem Verhältnis zu den historischen Umsatzsteigerungen im Einzelhandel und der außergewöhnlichen Leistung, die die Beschäftigten in der Pandemie erbracht haben.“ (Hier weitere News zum Coronavirus in NRW* bei RUHR24 lesen).

Mehr Gehalt für Einzelhandel in NRW: Streik in Dortmund – Verdi verlangt 4,5 Prozent mehr Lohn

Das fordert Verdi für die rund 700.000 Beschäftigten im Einzelhandel in NRW:

  • 4,5 Prozent und 45 Euro mehr Lohn, Gehalt und Ausbildungsvergütung bei einer Laufzeit von 12 Monaten,
  • ein Mindestentgelt von 12,50 Euro pro Stunde,
  • die gemeinsame Beantragung der Allgemeinverbindlichkeit der Tarifverträge.

Der Einzelhandelsverband in NRW als Vertretung der Geschäfte verweist dagegen auf die aktuell schwierige Lage in der Branche. Es gäbe Verlierer (Non-Food-Segment) und Gewinner der Pandemie. Ein gemeinsamer Branchentarifvertrag sei ein „tarifpolitischer Spagat, der nur im Wege einer differenzierenden Lösung und mittels einer langen Laufzeit gelingen kann“, sagte NRW-Arbeitgeberverhandlungsführer Christopher Ranft.

Streik in Dortmund: Einzelhandelsverband hält Lohn-Forderungen von Verdi für überzogen

Die Forderungen von Verdi hält der Einzelhandelsverband selbst ohne Krise für kaum zu erwirtschaften. Er wirft Verdi sogar unverantwortliche Forderungen vor, weil die Gewerkschaft die Betriebe außer Acht lasse, die aktuell um ihre Existenz bangten. Der Vertreter des Einzelhandels pocht deshalb auf eine Lösung, die die Arbeitgeber in zwei Gruppen einteilt und dabei nach der Pandemiebetroffenheit unterscheidet:

  • Gruppe 1: Betriebe, die die Pandemie gut überstanden haben. Deren Mitarbeiter sollen ab Juli 2021 2,4 Prozent mehr Gehalt bekommen. Sollten die Betriebe weiterhin gut wirtschaften, sollen deren Mitarbeiter ab Mai 2022 weitere 1,4 Prozent mehr Gehalt bekommen. Ab Mai 2023 soll dann eine weitere Erhöhung um zwei Prozent folgen.
  • Gruppe 2: Betriebe, die 2020 von der Corona-Pandemie betroffen waren. Ein Prozent mehr Lohn ab März 2022. Sollte es auch 2021 wegen Corona schlecht laufen, folgt eine zweite Anhebung der Löhne um 1,4 Prozent ab November 2022. Weitere zwei Prozent dann ab November 2023.

Wer zur Gruppe 1 und wer zur Gruppe 2 gehört, will der Einzelhandelsverband zusammen mit der Gewerkschaft ausverhandeln. Die Tarifverhandlungen im Einzelhandel werden am 22. Juni fortgesetzt. *RUHR24 ist Teil des Redaktionsnetzwerks von IPPEN.MEDIA.

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