Kunden droht Chaos

Dortmund heute: Leere Regale und geschlossene Geschäfte? Verdi kündigt Streiks im Einzelhandel an

Die Gewerkschaft Verdi ruft am heutigen Mittwoch (7. Juli) zu Warnstreiks im Dortmunder Einzelhandel auf. Gefordert werden höhere Löhne und bessere Tarifbedingungen.

Dortmund – Um bessere Löhne und Tarifanpassungen für Beschäftigte des Einzelhandels zu bekommen, ruft die Gewerkschaft Verdi am Mittwoch abermals zu ganztägigen Streiks in der Dortmunder Innenstadt auf. Los gehen soll es mit einer Kundgebung um 11 Uhr auf dem Friedensplatz in der Innenstadt. Im Anschluss ist ein Demonstrationszug geplant.

GewerkschaftVerdi
Gründung19. März 2001, Berlin
SitzBerlin

Streik im Einzelhandel in Dortmund: Verdi fordert heute höhere Löhne für Beschäftigte

Die Verhandlungen für bessere Löhne und tarifliche Anpassungen für den Einzelhandel sowie den Groß- und Außenhandel gehen in dieser Woche bereits in die vierte Runde. Dennoch läge für die Beschäftigen bislang kein „akzeptables Angebot“ vor, so die Gewerkschaft Verdi in einer Mitteilung von Dienstag (6. Juli). Deshalb würde heute zu einem ganztägigen Warnstreik aufgefordert werden.

„Bislang ist in den Verhandlungen kein Durchbruch erreicht, deshalb gehen die Beschäftigten vor den vierten Verhandlungsrunden nochmal auf die Straße. Die Arbeitgeber sollen ihr Zeitspiel beenden und sich endlich Richtung Abschluss bewegen“, so Verdi-Verhandlungsführerin Silke Zimmer.

Warnstreik in der Innenstadt von Dortmund: Geschäfte des Einzelhandels heute auch betroffen?

Wie die Gewerkschaft mitteilt, würden sich im Laufe des Tages mehr als 300 Betriebe mit über 1500 Beschäftigten auf den Weg nach Dortmund machen, um in der Innenstadt an einer zentralen Kundgebung teilzunehmen. Für Kunden des Dortmunder Einzelhandels bedeutet dies ganz klar: Chaos. Inwieweit sich die Demo auf das Einkaufen in der Ruhrgebietsmetropole auswirken wird, bleibt abzuwarten.

Beim letzten Streik am 16. Juni rief Verdi die Betriebe der Innenstädte und Möbelhäuser auf, ihre Arbeit niederzulegen. Erfahrungen aus vergangenen Streiks zeigen aber, dass die Läden selbst an Streiktagen geöffnet bleiben - allerdings mit deutlich weniger Mitarbeitern. Für Kunden sollte es also keine Probleme geben.

Verdi kündigt für heute einen Streik in der Innenstadt von Dortmund an – bleiben die Geschäfte zu?

Beschäftigte im Einzelhandel sollten besser entlohnt werden: Verdi nennet Gründe für Lohnanpassung

Für Verdi-Verhandlungsführerin Silke Zimmer gibt es klare Gründe für eine Anpassung der Löhne und Tarifbedingungen: So hätten die Beschäftigten des Handels insbesondere während der Corona-Pandemie bewiesen, wie zuverlässig sie die Gesellschaft mit notwendigen Dingen versorgen. Dazu käme, dass der Handel während des ersten Pandemie-Jahres 2020 ein deutliches Umsatzplus gemacht hätte – das müsse nun ausreichend entlohnt werden. Angebote unter der Preissteigerungsrate seien daher nicht akzeptabel.

Wenn die Beschäftigten des Handels nun streiken, so Zimmer, dann würden sie dies aus „purer Not“ machen. Viele von ihnen müssten mit den Löhnen ihren Lebensunterhalt bestreiten – ein Problem vor allem für Beschäftigte, die während Corona in Kurzarbeit waren und mit bis zu 40 Prozent weniger Gehalt klarkommen mussten. „Die wussten nicht, wie sie zum Beispiel steigende Mieten bezahlen sollten“, so Zimmer.

Streik heute in Dortmund: Was Verdi von den Arbeitgebern für die Beschäftigten verlangt

Die die rund 700.000 im Einzelhandel beschäftigten Arbeitnehmer fordert Verdi deshalb die folgenden Anpassungen:

  • 4,5 Prozent und 45 Euro mehr Lohn, Gehalt und Ausbildungsvergütung bei einer Laufzeit von 12 Monaten,
  • einen Mindestlohn von 12,50 Euro pro Stunde,
  • die gemeinsame Beantragung der Allgemeinverbindlichkeit der Tarifverträge.

Dortmund: Einzelhandelsverband hält Forderungen von Verdi für nicht erreichbar

Der Einzelhandelsverband, welcher stellvertretend für die Geschäfte steht, weist derweil auf die schwierige Lage der Handelsbranche hin: Es gäbe Verlierer (Geschäfte, die während des Lockdowns komplett geschlossen hatten, wie etwa Textilläden) und Gewinner. Ein gemeinsamer Branchentarifvertrag sei unter diesen Voraussetzungen nicht leicht umzusetzen, so NRW-Arbeitgeberverhandlungsführer Christopher Ranft.

Die Forderungen von Verdi hält der Einzelhandelsverband auch ohne Pandemie für kaum möglich. Er wirft Verdi sogar unverantwortliche Forderungen vor, weil die Gewerkschaft die Geschäfte außer Acht lasse, die wegen der Lockdowns um ihre Existenz bangten. Ranft forderte deshalb bereits im Juni eine Einteilung der Arbeitgeber nach Pandemiebetroffenheit:

  • Gruppe 1: Betriebe, die die Pandemie gut überstanden haben. Deren Mitarbeiter sollen ab Juli 2021 2,4 Prozent mehr Gehalt bekommen. Sollten die Betriebe weiterhin gut wirtschaften, sollen deren Mitarbeiter ab Mai 2022 weitere 1,4 Prozent mehr Gehalt bekommen. Ab Mai 2023 soll dann eine weitere Erhöhung um zwei Prozent folgen.
  • Gruppe 2: Betriebe, die 2020 von der Corona-Pandemie betroffen waren. Ein Prozent mehr Lohn ab März 2022. Sollte es auch 2021 wegen Corona schlecht laufen, folgt eine zweite Anhebung der Löhne um 1,4 Prozent ab November 2022. Weitere zwei Prozent dann ab November 2023.

Wer zu welcher Gruppe gehört, wollte der Einzelhandelsverband eigentlich mit Verdi aushandeln. Bisher sind beide Seiten aber auf keinen gemeinsamen Nenner gekommen.

Rubriklistenbild: © Heike Baudzus/RUHR24

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