Archäologen erstaunt

Sensationsfund in Dortmund: Junge macht beim Spielen unglaubliche Entdeckung

Von Anna Quasdorf

In einem Dortmunder Wald hat ein Junge einen archäologischen Fund aus der Jungsteinzeit gemacht.

Eigentlich wollte Till nur mit seiner Schwester und seinen Freunden im Wald spielen. Doch dann entdeckte der Junge einen 6.000 Jahre alten Gegenstand.

Dortmund – Erneut meldet die Stadt Dortmund einen archäologischen Sensationsfund. Doch in diesem Fall haben nicht Archäologen den spannenden Fund ausgegraben – sondern ein Junge rein zufällig beim Spielen.

StadtDortmund
BundeslandNordrhein-Westfalen
Fläche280,7 km²
Bevölkerung603.167 (Stand: Dezember 2020)

Dortmund: Junge entdeckt archäologisches Artefakt beim Spielen im Wald

Schon oft hat der Till mit seiner Schwester und seinen Freunden an einem Hang in einem Dortmunder Wald am Stadtrand gespielt, berichtet der WDR. Dabei habe die Gruppe Unterschlüpfe gebaut oder auch Aussichtsplattformen und Staudämme an einem kleinen Bach errichtet (alle News aus Dortmund bei RUHR24).

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Am Muttertag dieses Jahres spielte Till ebenfalls wieder an dem Hang im Wald – und entdeckte zwischen Blättern und Tannennadeln einen seltsamen Stein. Zusammen mit seiner Schwester untersuchten sie den 9,8 Zentimeter langen und 4 Zentimeter breiten Gegenstand. Dieser Stein schien für die beiden von Menschenhand behandelt worden zu sein – sofort konnten die beiden zuordnen, dass das Fundstück mal eine Funktion gehabt hatte, erklärt die Stadt Dortmund in einer Pressemitteilung.

Archäologischer Fund in Dortmund: Artefakt stellt sich als Dolch aus der Jungsteinzeit heraus

Für Tills Vater war sofort klar, dass es sich um einen archäologischen Fund handeln musste, der mysteriöse Stein also mehrere Jahrhunderte, wenn nicht sogar Jahrtausende alt war. Aufgrund dessen gaben sie den Stein bei der Fundmeldung der Denkmalbehörde ab – genau das richtige Vorgehen wie die Stadt betont.

Wenige Zeit später konnte die Denkmalbehörde bestätigen: Es handelt sich tatsächlich um ein archäologisches Exemplar. Genauer gesagt um eine Spitzklinge aus Silex (Feuerstein), welches einmal die Klinge eines Dolches bildete. Die Archäologen der Stadt Dortmund schätzen den Fund auf rund 6.000 Jahre und datierten das Stück in das Jungneolithikum (Jungsteinzeit) ein.

Diese Spitzklinge hat der Till an einem Waldstück in Dortmund gefunden.

Archäologischer Fund in Dortmund: Dolchklinge stammt aus der „Michelsberger Kultur“

Auf dem Foto der Stadt Dortmund erkennt man: Der Feuerstein ist durch seine flache Retusche spitz zugearbeitet, der Bulbus (Schlagbuckel) ist am flachen Ende zu erkennen. Dieser entsteht beim Abschlagen des Klingenrohlings am Nukleus. Aufgrund dessen typischer Machart, kann die Spitze der „Michelsberger Kultur“ zugeordnet werden.

Diese Kultur existierte in der Jungsteinzeit und zeichnete sich durch Messer- und Dolchklingen, Beilen und Gefäße und Schalen mit geknickter Wandung aus. Auch in Dortmund konnte bereits in der Vergangenheit einige Fundstücke aus der „Michelsberger Kultur“ ausgegraben werden – diese Fundstücke gelangten im Zuge der Eiszeit durch die Gletscher vom Norden bis nach Dortmund.

Video: Mehr als 2.000 Jahre bewohnt: Rätselhafte Grabstätte in NRW entdeckt

Dortmund: Gefundene Dolchspitze könnte mal bis zu 20 Zentimeter lang gewesen sein

Die Dolchklingen, die meist im heutigen Südholland hergestellt worden sind, waren ursprünglich bis zu 20 Zentimeter lang. Der tägliche Gebrauch der Klingen führte jedoch meist zu einem Bruch der Spitze. Dadurch wurde der Dolch jedoch nicht unbrauchbar – ein einfaches Bearbeiten der Spitze reichte und die Klinge wurde wieder scharf.

Doch ähnlich wie bei einem Bleistift wurde die Klinge mit der Zeit dadurch immer kürzer, bis nur noch wenige Zentimeter übrig blieben und eine erneute Bearbeitung die Spitze endgültig unbrauchbar gemacht hätte. Für die Dortmunder Archäologen ist es gut denkbar, dass es sich bei Tills Fund um eine Spitze handelte, die nicht mehr zu gebrauchen war und deswegen entsorgt worden ist.

Nach Dolchfund in Dortmund: Till bekommt die Spitze wieder zurück

Doch wie kam es dazu, dass der 6.000 Jahre alte Fund auf dem Waldboden an dem Hang gefunden wurde und nicht versteckt unter einer mächtigen Erdschicht lag? Die natürliche Erosion erscheint für die Archäologen als wahrscheinlichste Möglichkeit. Derartige Funde werden als Lesefunde bezeichnet – es fehlt der Zusammenhang zwischen dem Fund und dem Fundort.

Die Dortmunder Denkmalbehörde hat die Klinge fotografiert, katalogisiert und wird derzeit noch weiter untersucht. Nach Abschluss der Arbeiten wird Till als Finder das Artefakt wieder zurückerhalten. Wie der Finder gegenüber der Stadt Dortmund verraten hat, soll die Dolchklinge einen Ehrenplatz im Haus der Eltern erhalten.

Dortmund: Immer wieder finden Archäologen Artefakte und Relikte

Erst wenn die Familie aus Dortmund wegziehen oder die Klinge verkaufen möchte, wird die Denkmalbehörde wieder aktiv und wird versuchen, das Artefakt der Stadt Dortmund zukommen zu lassen.

In Dortmund werden immer wieder archäologische Funde gemacht, beispielsweise wurde im August 2020 am Dortmunder Ostentor Überreste eines Wassergrabens entdeckt. Auch mittelalterliche Skelette wurden am Dortmunder Ostentor schon entdeckt.

Ein Fund aus der Jungsteinzeit ist ungewöhnlich, allerdings nicht unmöglich. Die ersten Aufzeichnungen, die eine Besiedlung des heutigen Dortmunds aufzeigen, reichen bis mehrere tausend Jahre vor Christus zurück. Zu dieser Zeit sorgten der Ackerbau und der Beginn der Viehzucht zu einem deutlichen Bevölkerungswachstum.