Verstorbener „SS-Siggi“

Dortmund: Neonazis scheitern mit Antrag für „Siegfried-Borchardt-Platz“

Siegfried Borchardt starb im Oktober dieses Jahres. Nun will die rechtsextreme Partei „Die Rechte“ in Dortmund einen Platz nach dem Neonazi benennen.

Dortmund – Wenn in einer Stadt bekannte Persönlichkeiten sterben, werden manchmal Plätze nach ihnen benannt, um auch über ihren Tod hinaus an sie zu erinnern. Ein solches Denkmal wünscht sich offenbar die Partei „Die Rechte“ für ihr verstorbenes Mitglied Siegfried Borchardt in Dortmund. Der Rat der Stadt sieht das jedoch anders.

StadtDortmund
Einwohner588.250 (2020)
Fläche280,7 km²

Dortmunder Neonazi Siegfried Borchardt ist tot – die Rechte fordert Denkmal für „SS-Siggi“

Der über die Stadtgrenze von Dortmund hinaus bekannte „SS-Siggi“ war im Oktober im Alter von 67 Jahren gestorben. Über den Tod des Neonazis hatte „Die Rechte“ am 3. Oktober in einem Telegram-Kanal informiert. Wenige Tage später fand in der Innenstadt von Dortmund sogar ein großer Trauermarsch in Gedenken an Siegfried Borchardt statt. Fast 500 Teilnehmer sollen an der rechtsextremen Versammlung teilgenommen haben.

Durch einen Trick soll die Neonazi-Partei nun versucht haben, Borchardt, der unter anderem wegen Volksverhetzung, Landfriedensbruchs und gefährlicher Körperverletzung vorbestraft war, eine letzte Ehre zu erweisen.

Der im Dortmunder Stadtrat aktive Rechtsextremist Matthias Deyda (Die Rechte) habe laut einem Bericht der Ruhr Nachrichten (Bezahlinhalt) einen Antrag an Dortmunds Oberbürgermeister Thomas Westphal (SPD) gestellt. Darin fordert er einen „Siegfried-Borchardt-Platz“ im Stadtgebiet.

Dortmund: Rechtsextreme tricksen im Stadtrat – Antrag auf „Siegfried-Borchardt-Platz“

Für den Antrag musste das Ratsmitglied zu einem Trick greifen. Denn die Rechte hat im Stadtrat mit Deyda als einzigem Sitz keinen Fraktionsstatus und könne derartige Anträge dort nicht einbringen. Stattdessen habe Deyda den Weg über den Bürgerdienste-Ausschuss genommen, über den alle Bürgerinnen und Bürger ihre Anliegen einreichen können.

Siegfried Borchardt starb im Oktober 2021. Hier zu sehen: der Neonazi im Jahr 2014 im Dortmunder Stadtrat.

Die Stadt Dortmund hat den Schriftwechsel anlässlich der Ausschuss-Sitzung am Dienstag (14. Dezember) veröffentlicht. Daraus geht hervor, dass gegen den Antrag der Rechten zunächst einmal rechtlich nichts vorzubringen ist (mehr News aus Dortmund bei RUHR24 lesen).

Kurioser Antrag von Neonazis: Siegfried Borchardt sei in Dortmund beliebt gewesen

Der Inhalt des Antrags dürfte im Bürgerdienste-Ausschuss dann aber doch für Empörung gesorgt haben. Borchardt sei mit „Leib und Seele“ Dortmunder gewesen, heißt es in dem Schreiben. Das habe er nicht nur durch die Unterstützung der Borussia zum Ausdruck gebracht, „sondern auch durch die Tatsache, dass er sich früh lokalpolitisch engagierte“. Weiter sei er bei vielen Dortmundern beliebt gewesen, was sich in seinem Heimatstadtteil Dorstfeld gezeigt haben soll.

Dazu ergänzend: „SS-Siggi“ hat 1982 den rechtsextremen BVB-Fanclub „Borussenfront“ sowie die später verbotene „Freiheitliche Deutsche Arbeiterpartei“ gegründet. Der westliche Stadtteil Dorstfeld gilt außerdem schon lange als Hochburg der Neonazi-Szene in Dortmund.

„Siegfried-Borchardt-Platz“: Neonazis schlagen Hansa- und Friedensplatz in Dortmund vor

Für die Partei „Die Rechte“ aber offenbar alles keine Hindernisse, die „gute Tradition, große Persönlichkeiten mit einer Platz- und/oder Straßenbenennung zu ehren“, zu brechen. Man rege deshalb an, eine Liste mit allen Plätzen in Dortmund zu erstellen, die „aufgrund ihrer nicht-personenbezogenen Namensgebung für eine Umbenennung“ in einen „Siegfried-Borchardt-Platz“ infrage kämen.

Genannt werden in diesem Zusammenhang unter anderem bekannte Plätze wie der Hansaplatz und der Friedensplatz in der Innenstadt.

Laut dem Bericht der Ruhr Nachrichten traf diese Forderung im Ausschuss auf großen Unmut. „Wir werden niemals eine Straße nach Nazis benennen“, zitiert die Zeitung Fraktionsmitglied Svenja Noltemeyer von den Grünen. Der Antrag sei einstimmig abgelehnt worden. Der Dortmunder Rat muss sich demnach nicht mit möglichen Plänen zu einem „SS-Siggi“-Platz auseinandersetzen.

Rubriklistenbild: © Sabrina Wagner/RUHR24, DPA; Collage: RUHR24

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