Kommentar

Westphals Corona-Posse in Dortmund: Hätte er sich lieber um die Sicherheit der Kinder gekümmert

SPD-Kandidat Thomas Westphal freut sich zwischen dem amtierenden Oberbürgermeister Ullrich Sierau und dessen Vorgänger Gerhard Langemeyer.
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Dortmunds Oberbürgermeister Thomas Westphal (SPD) will Schulen und Kitas in Dortmund wegen Corona schließen, darf aber nicht.

Dortmund will die Schulen und Kitas schließen, das Land NRW aber nicht. Die Corona-Posse wird so langsam peinlich und ist zum Fremdschämen, findet RUHR24-Redakteur Daniele Giustolisi.

Dortmund - Dortmund, NRW, ja ganz Deutschland sind aktuell Zeugen einer peinlichen Corona-Posse, die ihren Ursprung im Rathaus von Dortmund, genauer gesagt im Büro von Oberbürgermeister Thomas Westphal (SPD) hat.

NameThomas Westphal
PositionOberbürgermeister von Dortmund
ParteiSPD

Dortmund: Corona-Streit um Schulen und Kitas wird immer peinlicher

Klar, man kann die Sorge des Thomas Westphal nachvollziehen. Dortmunds Inzidenzwert rast seit Tagen nach oben. Am Samstag (20. März) sogar erstmals seit dem 23. Januar wieder über 100. Die britische Mutation ist da. Der OB von Dortmund will jetzt handeln und Schüler und Kita-Kinder, sowie deren Angehörige vor Corona schützen.

Fraglich ist die Art und Weise, wie das geschehen soll. In einer Pressekonferenz am Dienstag (16. März) verkündete Westphal zunächst, die Schulen in Dortmund schließen zu wollen. Das sei kein Appell, so seine Aussage, sondern ein Fakt. „Wir werden das tun.“

Dortmund gegen NRW: Thomas Westphal liefert sich unwürdiges Corona-Schauspiel um Schulen und Kitas

Dabei weiß der SPD-Mann ganz genau, dass er für die Maßnahme die Zustimmung aus Düsseldorf braucht. Es folgt ein unwürdiges, mediales Schauspiel, in dem sich Thomas Westphal, NRW-Ministerpräsident Armin Laschet und NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef-Laumann über Mikrofone der TV-Sender gegenseitig Inkompetenz vorwerfen. Das ist zum Fremdschämen.

Am Mittwoch (17. März) beruft Westphal plötzlich eilig eine Pressekonferenz in der Berswordthalle am Alten Rathaus ein. Dort erneuert der Dortmunder OB seine Forderung nach Schulschließungen, verschiebt sein Vorhaben aber auf den darauffolgenden Montag (22. März).

Corona-Mutante breitet sich aus: Dortmund will plötzlich nicht nur Schulen, sondern auch Kitas schließen

Bis Donnerstagabend (18. März) tut sich nichts, dann versendet die Presseabteilung der Stadt Dortmund eine Mitteilung, in der plötzlich wie aus dem Nichts auch von Kita-Schließungen die Rede ist. Zusätzlich zu den Tausenden Schülern und deren Eltern sind nun auch Tausende Eltern von Kita-Kindern verunsichert, weil die Stadt beabsichtigt, Kitas am kommenden Montag schließen zu wollen. Das Chaos ist perfekt.

Dortmunds Oberbürgermeister Thomas Westphal (l.) stellte sich am Mittwoch (17. März) vor die TV-Mikrofone und untermauerte seine Forderungen.

Am Freitag (19. März) dann, landet plötzlich ein mit Sperrfrist versehener interner Entwurf eines Schreibens des Jugendamts an die Öffentlichkeit. Dieser sei laut Stadt für den „Entscheidungsfall“ vorbereitet worden, also für den Fall, dass die Stadt die Kitas hätten schließen dürfen.

E-Mail-Panne in Dortmund: Kita verkündet versehentlich Schließung wegen Corona

In dem Schreiben ist von einem Betretungsverbot für Kitas ab Montag (22. März) die Rede. Der Träger einer Kita habe diesen „aufgrund eins internen Übermittlungsfehlers“ fälschlicherweise bereits verschickt. Viele Eltern sind nun im Glauben, die Kitas in Dortmund würden am Montag geschlossen. Doch das ist längst nicht der Fall, weil das Land nicht zugestimmt hat.

Video: Lauterbach: „Die dritte Welle ist da und nicht mehr aufzuhalten“

Der peinliche und öffentlich geführte Machtkampf zwischen der Stadt Dortmund und dem Land NRW endet vorerst am Freitagabend (19. März). Erneut pfeift das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen Thomas Westphal zurück. Schulen und Kitas bleiben in Dortmund auch am Montag geöffnet.

Eltern in Dortmund ist schnell Klarheit in Sachen Schul- und Kitaschließungen zu wünschen

Während sich Thomas Westphal, Armin Laschet, Yvonne Gebauer und Karl-Josef Laumann politische Grabenkämpfe (SPD vs. CDU/FDP) leisten, fühlen sich viele Eltern in Dortmund durch Westphals Pläne übergangen und wissen nicht, wie sie kurzfristig Betreuung für ihre Kinder bekommen sollen.

Es ist eine Corona-Posse, die auf dem Rücken von Schülern, Kita-Kindern und deren Angehörige in Dortmund ausgetragen wird. Man kann ihnen nur wünschen, dass schnell Klarheit herrscht. Und es bleibt die Frage: Warum setzt sich die Stadt nicht vehementer für einen besseren Schutz von Schülern und Kita-Kindern ein, statt für deren Verbannung aus dem öffentlichen Leben? Dieser Kommentar entspricht der Meinung des Autors und muss nicht unbedingt die Ansicht der gesamten Redaktion widerspiegeln.

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