Brief an Yvonne Gebauer

Dortmund: Schüler verzweifeln wegen Corona und fordern drastische Änderung für Abschluss

In der Corona-Pandemie wenden sich Schüler aus Dortmund jetzt an NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP). Sie fordern eine drastische Änderung beim diesjährigen Abschluss.

Dortmund – Vom 19. bis 27. Mai schreiben die Schüler der Klassen 10 in NRW ihre Abschlussprüfungen (ZAP 2021) in Deutsch, Englisch und Mathematik in der Corona-Pandemie. Viel Zeit ist bis dahin nicht mehr – Grund genug für eine Schülerin aus Dortmund, den Finger in die Wunde zu legen. Sie sagt: „Das macht mir Angst!“

StadtDortmund
Corona-Inzidenz203,7
SchuleAnne-Frank-Gesamtschule

Dortmund: Schüler schreiben ans NRW-Schulministerium – Corona-Prüfungen dezentral stellen

Maryam Kannouj ist Schülerin der Anne-Frank-Gesamtschule in Dortmund. Zusammen mit der Schülerschaft der 10. Abschlussklasse hat sie sich in einem Brief an das Schulministerium in NRW und die Bildungsministerin Yvonne Gebauer (FDP) gewandt. Den Schülern geht es um eine Vereinfachung der im Mai stattfindenden Prüfungen, auch ZAP 2021 genannt. Die werden wie jedes Jahr zentral gestellt.

„Mit Vereinfachung ist gemeint, die Prüfungen nicht zentral gestellt zu bekommen, sondern jeweils vom Klassenlehrer“, heißt es in dem Brief an Yvonne Gebauer. Den Grund erläutert die Schülerin im Gespräch mit RUHR24.

„Wir haben Wissen verloren. Wir Schüler merken einfach, dass uns etwas fehlt für die Abschlussprüfungen“, sagt Maryam Kannouj. Und die Lehrer würden besser wissen, wie es um den Wissensstand der jeweiligen Klassen bestellt ist (alle News zu Corona in NRW bei RUHR24).

Die Schülerin aus Dortmund bringt die Probleme auf den Punkt. Immer wieder hat es einen Wechsel von Präsenz- und Distanzunterricht gegeben. Immer wieder seien Schüler in Quarantäne gewesen.

Dortmund: Schüler verzweifeln an Corona-Unterricht – zahlreiche Noten verschlechtern sich

Auch der Alltag im Wechselunterricht sei nicht ganz einfach gewesen. Viele Schüler würden das Gefühl haben, dass sie nicht gut auf den Abschluss vorbereitet sind. „Die Noten gehen runter. Es gibt Beispiele von Schülern, die kurz vor dem sogenannten Q stünden und jetzt wohl auf einen Hauptschulabschluss abfallen“, so Maryam Kannouj. Mit Q meint sie den Qualifikationsvermerk, die Berechtigung für die Oberstufe.

Einen Vorwurf an die Lehrer gibt es indes nicht. Die, heißt es auch im Brief an Yvonne Gebauer, würden tolle Arbeit machen und versuchen, die Schüler jederzeit zu unterstützen.

„Der Distanzunterricht hat bis auf die technischen Probleme meistens gut funktioniert“, so Maryam Kannouj. Auch die Ausstattung mit iPads sei gut. Dennoch würden die Hürden in der Corona-Pandemie nur wenige Wochen vor dem Abschluss sehr groß erscheinen. Seit einem Jahr, heißt es im Brief, würde man bereits unter den Folgen leiden.

NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP).

Dortmund: Schüler vor Abschluss im Mai – psychischer Stress durch Corona-Pandemie

Der Unterricht, der eventuell auch bald draußen stattfinden könnte, würde sich stets verändern, teilweise würden die Schüler nicht bei ihren eigentlichen Lehrern Unterricht haben. Das sei, besonders im Hinblick auf den im Mai stattfindenden Abschluss, auch psychischer Stress.

„Man versucht etwas mitzunehmen aus dem Distanz- und Wechselunterricht. Doch je näher der Abschluss kommt, desto höher ist der Druck“, sagt die Dortmunder Schülerin. Neben den schulischen Problemen würden die Schüler auch noch unter den regulären Corona-Regeln zu leiden haben – besonders das Fehlen der sozialen Kontakte sei sehr schwer zu ertragen.

Der Brief an Yvonne Gebauer ist, wie auch Maryam Kannouj im Gespräch mit RUHR24 unterstreicht, keine Kritik an der Corona-Politik. „Ich gebe niemandem die Schuld. Es ist schwierig zu sagen, was der bessere Weg ist“, sagt die Schülerin.

Maryam Kannouj erzählt, dass die gesamte Stufe 10 und die Schülervertretung der Anne-Frank-Gesamtschule in Dortmund, wo die Stadt eine Statistik über die Corona-Fallzahlen in den einzelnen Stadtteilen veröffentlicht hat, hinter der Aktion stünden.

Sie selbst will Abitur machen und danach studieren. Doch die im Mai stattfindenden Abschlussprüfungen stehen aktuell dazwischen. „Auch ich merke selber, dass sich die Noten verschlechtert haben. Das macht mir Angst.“

Rubriklistenbild: © Oliver Berg/dpa / Collage: RUHR24

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