Kommentar

Dortmund: Raser spielen mit der Polizei Katz und Maus – und die ist auch noch zufrieden

Polizist begutachtet ein Auto in Dortmund
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Die Polizei kontrollierte am Wochenende hunderte von Fahrzeugen im Kampf gegen die Raser-Szene.

Kein Wochenende vergeht, an dem Raser den Wall in Dortmund nicht unsicher machen. Die Polizei klopft sich für ihre Kontrollen auf die Schulter. Das ist peinlich, meint RUHR24-Redakteur Daniele Giustolisi.

Dortmund – Mal zeigt die Polizei Dortmund Rasern die „rote Karte“, mal will sie die Szene „konsequent ausbremsen“. Woche für Woche landen Pressemitteilungen dieser Art im Postfach der Dortmunder Medien. Nur: Es verändert sich gefühlt nur wenig an der Situation in der BVB-Stadt.

StadtDortmund
OberbürgermeisterThomas Westphal (SPD)
PolizeipräsidentGregor Lange

Dortmund: Raser spielen mit der Polizei Katz und Maus

Böse ausgedrückt: Die Raser spielen mit der Dortmunder Polizei Katz und Maus. Finden Kontrollen in der Innenstadt statt, fahren die Auto-Chaoten einfach zum Phoenix See nach Hörde. Zur Not tun es auch die Autobahnen in und rund um Dortmund.

Sicher: Die Polizei investiert viel Aufwand, um die Szene in Schach zu halten. Ende Januar dieses Jahres etwa waren in einer Nacht 150 Kräfte in eine große Kontroll-Aktion eingespannt. Das sind Unmengen an Kosten, die dafür entstehen und für die der Steuerzahler aufkommt. Für ein Problem, das so unnötig ist, wie schlechter Kaffee.

Polizei Dortmund zeigt sich häufig zufrieden mit ihren Einsätzen gegen Rasern

Erstaunlich ist, dass sich die Polizei – dafür dass das Raser-Problem gefühlt seit Jahren nicht deutlich besser wird – erstaunlich oft selbst auf die Schulter klopft. Man sei dem Ziel wieder näher gekommen, illegale Rennen zu verhindern, schreiben die Beamten in ihre Einsatzberichte. Oder: Die strategische Fahndung habe sich bewährt.

Video: 10 Fragen an einen Ex-Raser

Es mag durchaus sein, dass einzelne Maßnahmen punktuell wirken. Als Dortmunder fragt man sich aber dann, warum es nach Jahren immer noch Woche für Woche Bilanzen von Schwerpunkteinsätzen gibt – mit immer unglaublicheren Zahlen an Delikten. Kann es sein, dass Raser sich nicht an den Kontrollen stören?

Polizei Dortmund: Einsätze gegen Raser haben nur kurze Wirkung

Dass die Dortmunder Polizei „Raser ausbremst“ ist also nur bedingt richtig. Die Wirkung hält vielleicht für ein paar Stunden an, und eine Woche später hampeln wieder andere Chaoten auf dem Wall mit ihren Autos herum.

Immerhin: Die Maßnahmen werden immer strikter. Die Stadt Dortmund will das Problem endlich in den Griff bekommen. Der Wall ist nun zu den Hauptzeiten der Raser eine Tempo-30-Zone und es gibt eine ganze Reihe an Blitzern. Oberbürgermeister Thomas Westphal wolle im Kampf gegen die Raser „immer kreativer werden“.

Tuner-Treffpunkt in Dortmund würde Raser-Problem wohl nicht beenden

Ob es mit Tuner-Treffpunkten getan ist, wie es jüngst die Dortmunder CDU vorschlug? Kaum denkbar, denn die Partei lässt außer Acht, dass Tuner nicht immer Raser sind und Raser nicht immer Tuner. Unter Umständen würden dann die Tuner friedlich an ihrem Treffpunkt stehen, die Raser weiterhin über den Wall flitzen.

Der Dortmunder Oberbürgermeister Thomas Westphal und Polizeipräsident Gregor Lange kämpfen mit harten Mitteln gegen die Raserszene in der City.

Radikal wäre eine Forderung des Vereins Changing Cities und des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) für Berlin: Nach illegalen Autorennen ganze Straßen für mehrere Tage sperren. Sozusagen als Warnschuss für alle.

Dortmund: Sollte der Wall auf eine Spur begrenzt werden?

Fahrradaktivisten unterdessen fordern, mehrspurige Straßen dauerhaft auf eine Spur zu reduzieren. Dadurch gäbe es mehr Platz für Radfahrer und Fußgänger, und keinen Platz mehr für Autofahrer zum Überholen bei illegalen Rennen. Und was spricht gegen mobile Blitzer statt solcher, deren Position sich jeder Erstklässler nach einer Wallrunde merken kann? (Hier mehr Blaulicht-News aus Dortmund auf RUHR24.de lesen)

Die Maßnahmen der Stadt und der Polizei sind also längst noch nicht ausgeschöpft. Und am Ende wirkt eine Maßnahme wohl noch am besten: Wenn man den Leuten ans Geld geht.

Dieser Kommentar entspricht der Meinung des Autors und muss nicht unbedingt die Ansicht der gesamten Redaktion widerspiegeln.

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