In keinem Plan eingezeichnet

Rätsel um mysteriöse Rohre in Dortmund geklärt – Gefahr schlummerte im Boden

Kohlehalde vor der Zeche Prosper Haniel
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An einer Zeche liegt Kohle zur Weiterverarbeitung zu Koks bereit - bei der verarbeitung entsteht giftiges Naphthalin.

Ein unbekannter Schacht stellte die Stadt vor große Rätsel. Nun offenbart sich: Die Rohre sind ein Relikt der Vergangenheit – und bergen Gefährliches.

Dortmund – Bereits im Juli 2020 begann für die Stadt Dortmund das große Rätselraten – damals entdeckten Bauarbeiter einen unbekannten Schachtzugang unter der Kieferstraße in Hombruch. Die darunter liegenden Rohre und ein großer Tank waren in keinem Plan der Stadt verzeichnet – dafür vernahmen die Arbeiter aber einen auffälligen Geruch der sofort alle Alarmglocken schrillen ließ. Also wurde der Schacht abgedichtet und die Stadt Dortmund begann mit der Detektivarbeit.

StadtDortmund
Bergbau Anfänge des Bergbaus im Jahr 1296
Stilllegung der letzten fördernden ZecheZeche Minister Stein in Dortmund-Eving 1987

Dortmund: Unbekannter Schacht warf Rätsel auf

Historische Recherchen brachte nun ans Tageslicht, was zum Zeitpunkt der Entdeckung große Fragezeichen im Raum stehen ließ: Wohin führt der Schacht, wofür wurde er genutzt? Und vor allem: Woher kommt der beißende Geruch?

Giftiges Naphthalin – bald schon ergaben Untersuchungen, dass die Rohre mit diesem gefährlichen Stoff verunreinigt sind. Und nun ist auch endlich klar, wie der Stoff in die Rohre gelangte: Wie die Stadt mitteilt, sind die alten Gussleitungen Relikte der industriellen Vergangenheit von Dortmund. Offenbar handelt es sich dabei um Fragmente eines Leitungssystems, welches die ehemalige Zeche Glückauf mit den Röhrenwerken in Barop verband (mehr Nachrichten aus Dortmund auf RUHR24.de).

Schacht in Dortmund: Verunreinigung mit giftigem Stoff

Zwar konnten die historischen Recherchen nur wenig konkrete Hinweise auf den genauen Verlauf der Gasleitung liefern, doch der betriebliche Zusammenhang ließe sich nach Angaben der Stadt Dortmund recht eindeutig herstellen. Denn schon bei der umfangreichen Grundstücksaufbereitung für das heutige Einkaufzentrum Harkortbogen wurde ein solches kontaminiertes Rohrstück ausgebaut und entsorgt.

Offenbar wurden die ehemaligen Gasleitungen bereits überall dort entfernt, wo sie neuen Bauvorhaben im Weg waren. Inzwischen sind dadurch nur noch Reste der des Schachtsystems im Untergrund vorhanden. Doch auch, wenn dadurch die Herkunft der Rohre geklärt ist: Eine mögliche Gefahr durch die Verunreinigung der Rohre mit Naphthalin konnte zunächst nicht ausgeschlossen werden.

Dortmund: Umweltrisiko durch glückliche Umstände gering

Inzwischen sind sich die Experten aber sicher, dass kein Umweltrisiko von den Resten des Naphthalin ausgeht. Denn: Die giftigen Ablagerungen in den Rohren sind zwar vorhanden, doch die weißen Kristallreste seien nach Angaben der Stadt „immobil und weitgehend wasserunlöslich“. Zudem lagern die Rohre in einer gering wasserdurchlässigen Lehm-Schluff-Schicht.

Einer glücklichen Fügung zu verdanken ist außerdem, dass das Grundwasser im fraglichen Bereich erst bei mehr als sechs Metern unter der Geländeoberfläche anzutreffen sei. Hinzu käme, das die Leitungsfragmente keinerlei Anzeichen für eine Materialermüdung aufweisen würden und die asphaltierte Straßendecke den Untergrund versiegelt hatte und wieder versiegeln wird.

Die Erkenntnisse der Untersuchung werden nun in den Planunterlagen dokumentiert (Altlastenkataster), sodass in Zukunft der Untergrund nur nach Vorerkundung und mit einem entsprechenden Konzept zum Umgang mit kontaminierten Leitungen aufgebrochen werden darf.

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