Fahrradfahrer fordern mehr Platz

Große Straße in Dortmund verliert zwei Fahrspuren - Pop-up-Radweg entsteht

In Dortmund sollen testweise mehrere Hauptverkehrsstraßen Fahrbahnen an Radfahrer abgegeben.
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In Dortmund sollen testweise mehrere Hauptverkehrsstraßen Fahrbahnen an Radfahrer abgegeben.

Fahrradfahrer in Dortmund wollen die Corona-Krise nutzen, um künftig mehr Platz für Fahrräder zu schaffen. Jetzt startet eine erste Testphase.

  • Rad- und Umweltverbände in Dortmund fordern mehr Platz für Fahrradfahrer.
  • Jetzt soll ein Pilotprojekt starten, bei dem ein sogenannter Pop-up-Radweg eingerichtet wird.
  • Mehrere Hauptverkehrsstraßen sollen für Projekte solcher Art getestet werden.

Dortmund - Berlin, Brüssel, Mailand und Paris haben es bereits getan. Jetzt wollen auch Radfahrer in Dortmund mehr Platz in der Stadt für sich. Die Corona-Krise (hier alle Infos aus Dortmund im RUHR24-Ticker lesen*) soll dabei helfen.

Dortmund

Fläche

280,7 km²

Metropolregion

7.268 km²

Bevölkerung (Dez. 2019)

603.609

Hochschulen

Technische Universität, FH (u.a.)

Vereine, Mannschaften

Borussia Dortmund (u.a.)

So fordern zwölf Fahrrad- und Umweltverbände in Dortmund - unter anderem der ADFC und der BUND - die Stadt dazu auf, an einigen Hauptverkehrsstraßen in der Stadt den rechten Fahrstreifen mindestens für die Dauer der Corona-Krise in einen Radfahrstreifen umzuwandeln.

Dortmund: Heiliger Weg bekommt Pop-up-Radweg

Damit Radfahrer und auch Autofahrer das Ganze einmal testen können, startet am Dienstag (19. Mai) von 17 bis 18 Uhr eine kurze Testphase an einer viel befahrenen Straße in der Innenstadt-Ost: am Heiligen Weg. 

Je zwei Fahrstreifen stehen hier aktuell dem motorisierten Verkehr zur Verfügung. Als "überdimensioniert" bezeichnen die zwölf Verbände das in einem offenen Brief an Oberbürgermeister Ullrich Sierau. In der Testphase, die als Demonstration angemeldet ist, wird jeweils der rechte Fahrstreifen dem Radverkehr zur Verfügung gestellt.

Fahrrad- und Umweltverbände in Dortmund wollen Corona-Krise nutzen

Rückenwind bekommen die Verbände durch die aktuelle Corona-Krise, in der viele Menschen das Fahrrad als Fortbewegungsmittel lieb gewonnen haben* und der motorisierte Verkehr in den Städten zeitweise drastisch abgenommen hat. Auch für diese Umsteiger brauche es die Infrastruktur in der Stadt, um künftig dauerhaft ohne Angst Radfahren zu können, meinen die Rad- und Umweltverbände.

In Dortmund sollen testweise mehrere Hauptverkehrsstraßen Fahrbahnen an Radfahrer abgegeben.

Unterdessen hat die Bundesregierung Änderungen der Straßenverkehrsordnung* vorgenommen, wodurch Fahrradfahrer sich sicherer fortbewegen sollen. Beim Überholen von Radfahrern ist darin ein fester Mindestabstand von 1,5 Metern festgeschrieben.

Video: Kritik an Wiens erstem Pop-Up-Radweg

Auf Straßen mit einem Radweg, der durch einen Schutzstreifen von der Fahrbahn getrennt werde, sei dieser Abstand aber nicht einzuhalten, meint Lorenz Redicker vom Verkehrsclub Deutschland

Fahrradfahrer in Dortmund wollen angstfrei fahren

"Die Autos orientieren sich an der Linie, und so wird man von fahrenden und parkenden Autos in die Zange genommen. Wenn da plötzlich eine Autotür aufgeht, dann war es das", sagt Redicker. Die Konsequenz: Wenn ein Rad auf dem Schutzstreifen fahre, müsse das Auto dahinter bleiben oder den Fahrstreifen wechseln.

Sorgen der Autofahrer, dass die Fahrrad-Lobby nach und nach jede Hauptverkehrsstraße in Beschlag nimmt, halten die Verbände für unbegründet. Man kenne die Sorgen der Stadtverwaltung, dass solche Radfahrstreifen schlimmstenfalls zu wenig genutzt werden könnten und der Aufwand zu hoch sei.

Auch interessant: Am 14. Juli wollen die Aktivisten rund um Extinction Rebellion den Verkehr in Dortmund auf dem Wall lahmlegen. Es geht um eine fahrradfreundlichere Stadt bei den Demonstrationen. 

Mehrere Hauptverkehrsstraßen in Dortmund sollen Pop-up-Radweg bekommen

Man habe sich als nur auf einige Pilotprojekte beschränkt, in den man die Akzeptanz dieser Streifen testen könne. Neben dem Heiligen Weg wollen die Fahrrad- und Umweltverbände auch auf diesen Straßen Testphasen starten:

  • Hohe Straße (zwischen B1 und Wall).
  • Straßenzug Treib-/Grüne/Steinstraße (nördlich vom Hauptbahnhof).

Während die Verbände breite Radfahrstreifen fordern, treibt die Stadt Dortmund den Bau zweier Fahrradstraßen in die Innenstadt* voran. Sie sollen zudem eine Lücke zum RS1 schließen, der in den kommenden Jahren auch durch Dortmund führen wird. Das ambitionierte Ziel der Stadt in Sachen Radverkehr lautet: Das Kopenhagen Westfalens* zu werden. Bis es so weit ist, werden aber noch sehr viele Jahre vergehen. Das Konzept der Pop-up-Bikelanes könnte bis dahin Abhilfe in Dortmund verschaffen

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