Energiekrise

Habeck-Pläne „sehr realistisch“: TU-Dortmund Professor unterstützt Grünen-Chef

Aufgrund der Energiekrise will die Regierung Atomkraftwerke in Betrieb lassen. Ein Experte der TU Dortmund sieht das Vorhaben als erforderlich an.

Dortmund – Die Energiekrise bereitet vielen Menschen Sorgen. Experten prophezeien einen schwierigen Winter. Wirtschaftsminister Robert Habeck von den Grünen hat jetzt einen Vorschlag zur Energieversorgung durch Atomkraftwerke präsentiert. Christian Rehtanz von der Technischen Universität Dortmund findet den Plan richtig und übt Kritik an der bisherigen Energiepolitik in Deutschland.

ThemaEnergiekrise 2022
PlanReservebetrieb von Atomkraftwerken
ExperteProf. Dr. Christian Rehtanz, TU Dortmund

Professor der TU Dortmund hält Habeck-Plan für „zwingend notwendig“

Die Atomkraftwerke Isar 2 in Niederbayern und Neckarwestheim 2 in Baden-Württemberg sollen ab Januar 2023 in den Reservebetrieb gehen. Das kündigte Vizekanzler Habeck an. Der Gedanke dahinter: Die Kraftwerke können jederzeit hochgefahren werden, wenn die Energieversorgung im bevorstehenden Winter nicht mehr gedeckt sein sollte.

Prof. Dr. Christian Rehtanz von der TU Dortmund hält das Vorhaben für „zwingend notwendig“. Rehtanz ist Leiter des Instituts für Energiesysteme, Energieeffizienz und Energiewirtschaft an der Dortmunder Universität. „In Summe müssen zur kurzfristigen sicheren Lastdeckung und Netzstabilität alle in der Sonderanalyse empfohlenen Möglichkeiten gezogen werden“, so der Professor.

Dortmunder Energieexperte warnt vor Abschaltung von Atomkraftwerken

Dazu gehöre laut Rehtanz auch der Weiterbetrieb von Kohle- und Kernkraftwerken. Die Analyse und Ergebnisse des Wirtschaftsministeriums sieht der Dortmunder Experte als „sehr realistisch“ an. „Kurzfristiges Abschalten von Kraftwerkskapazitäten aus politischen Gründen funktioniert nicht“, resümiert Rehtanz. Im Ruhrgebiet ging wegen der Energiekrise bereits im Sommer ein Kohlekraftwerk wieder in den Betrieb.

Der Dortmunder Professor merkt an, dass es glücklich sei, dass eine solche Krise nicht erst in der Zukunft kommt: „Wäre die Situation ein paar Jahre später eskaliert, nachdem mehr Kraftwerke endgültig stillgelegt worden wären, wäre eine Absicherung der Versorgung nicht mehr möglich gewesen.“ Die Politik müsse in Zukunft anders handeln, um die Energieversorgung zu garantieren.

Professor aus Dortmund fordert Ausbau von erneuerbaren Energien

Ein schnellerer Netzausbau sei dafür vonnöten. Der Ausbau von erneuerbaren Energien sei langfristig eine Voraussetzung, um unabhängig von fossilen Energien zu werden, erläutert Christian Rehtanz. Der Professor merkt aber an, dass es für ähnliche Krisensituationen weiterhin regelbare Kraftwerke geben muss.

Diese können in Zukunft mit grünem Wasserstoff betrieben werden, so der Energieexperte. „Erst dieses Zusammenspiel aus unterschiedlichen erneuerbaren Energien plus Speichermöglichkeiten wird die Kohle-, Kern- und Gaskraftwerke aus dem Markt drängen“, heißt es weiter (mehr News aus Dortmund bei RUHR24).

Das Atomkraftwerk Isar 2 soll im Reservebetrieb weiterlaufen.

Dortmunder Professor kritisiert Energiepolitik der vergangenen Jahre

Gründe für die aktuelle Energiekrise sind sowohl die verbreitete Dürre im Sommer, als auch der Krieg in der Ukraine und die damit verbundenen Probleme bei der Gasversorgung. „Das System der elektrischen Energieversorgung wurde durch politischen Druck in den letzten Jahren mehr und mehr auf Kante genäht und durch russisches Gas abgesichert“, kritisiert Christian Rehtanz.

Bis Ende des kommenden Winters sollen die beiden Atomkraftwerke in Bayern und Baden-Württemberg im Reservebetrieb laufen. Geht es nach dem Plan von Wirtschaftsminister Habeck, können diese im Notfall bis Ende März 2023 Strom liefern. Erst danach sollen sie komplett abgeschaltet werden.

Um den Reservebetrieb zu ermöglichen, muss es zunächst noch zu einer Gesetzesänderung kommen. Stimmt das Parlament zu, ist die Notfallversorgung durch die Kraftwerke gesichert. Professor Rehtanz von der TU Dortmund hält fest: „Diesen Winter kommen wir (...) noch einmal mit einem blauen Auge davon.“

Rubriklistenbild: © Dirk Sattler/Imago

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