Klatsche für Fahrradfahrer

Nach Zoff wegen Absage für Pop-up Radwege in Dortmund - Initiative wagt neuen Versuch

Kaum war der Radweg da, da war er schon wieder weg: Ein Pop-up Radweg auf dem Heiligen Weg in Dortmund kam im Rat der Stadt nicht gut an.

  • Pop-up-Bikelanes oder auch Pop-up Radwege sollen kurzfristig für Radfahrer mehr Platz und Sicherheit im Straßenverkehr schaffen.
  • Während der Coronavirus-Krise richteten weltweit mehrere Städte Pop-up Radwege ein.
  • In Dortmund scheiterte ein Antrag auf einen solchen kurzzeitigen Radweg im Verkehrsausschuss.

Update, Freitag (12. Juni), 13.30 Uhr: Dortmund - Nachdem der Verkehrsausschussim Mai die Einrichtung von Pop-up Radwegen in Dortmund abgelehnt hatte, wagt die Initiative Aufbruch Fahrrad Dortmund einen weiteren Vorstoß, einen solchen temporären Radweg in Dortmund zu installieren.

Um die Idee den Dortmundern doch noch schmackhaft zu machen, rechnet Mara Kammermeier von Aufbruch Fahrrad Dortmund vor, wie weit Projekte dieser Art in anderen Städten schon vorangeschritten seien: Stuttgart habe bereits den ersten Streifen angelegt, Nürnberg soll folgen und München würde bald schon damit beginnen, gleich fünf Pop-up Radwege zu installieren. Das sei ein "5:0 für die Bayern" stellt Kammermeier fest.

Pop-up Radweg: Andere Städte sind Dortmund weit voraus

Den "Ehrentreffer für Dortmund" will die Initiative laut einer Pressemitteilung trotzdem landen. Und zwar am Montag (15. Juni) um 17 Uhr. Dann soll ein weiter Versuch gestartet werden und ein Pop-up Radweg auf der Grünen Straße zwischen Kurfürsten- und Schützenstraße in Dortmund entstehen. Diesmal soll der Fahrradstreifen nicht bloß durch Leitkegel, sondern durch Topfpflanzen und Stofftiere vor den Autos geschützt werden.

Schon der erste Pop-up Radweg in Dortmund begeisterte die Radfahrer

Angstfreies Radfahren, auch für Kinder und Ungeübte - nicht nur für die Fahrradinitiative sind Pop-up  Radfahrstreifen eine gute Möglichkeit, geschützte Radfahrstreifen zu testen. Außerdem, betont Peter Fricke von Aufbruch Fahrrad, sei die Forderung der Initiative "gar nicht weit weg von dem, was die Stadt selbst angekündigt hat, nämlich eine Erprobung im Rahmen provisorischer Maßnahmen." 

Dortmund: Pop-up Radwege vom Verkehrsausschuss abgelehnt

Erstmeldung, Freitag (29. Mai): Das Vergnügen währte nur kurz, dann war der Pop-up Radweg auf einer viel befahrenen Straße in Dortmund schon wieder verschwunden. Dabei gefiel die temporäre Fahrradspur den Radfahrern, die den Pop-up Radweg ausprobierten scheinbar sehr gut. Dem Vorschlag die temporäre Bikelane zumindest während der Coronavirus-Krise (mehr zum Coronavirus im NRW Live-Ticker) beizubehalten, stimmte der Rat der Stadt Dortmund jedoch nicht zu.

Stadt

Dortmund

Fläche

280,7 km²

Metropolregion

7.268 km²

Bevölkerung (Dez. 2019)

603.609

Radwege

645 Kilometer; diese setzen sich zusammen aus: gemeinsamen Geh- und Radwegen, Radwegen, Radfahrstreifen, Schutzstreifen und Fahrradstraßen

Berlin, Wien, New York - In vielen Städten wird dem Radverkehr derzeit deutlich mehr Platz eingeräumt. Pop-up Radweg werden die zeitlich begrenzt eingerichteten Fahrradspuren genannt, die dem gestiegenen Radverkehr während der Coronavirus-Krise Genüge tun sollen. 

Pop-Up Radweg in Dortmund: Coronavirus-Krise sorgt für mehr Radverkehr

Denn wenn die Coronavirus-Krise etwas Gutes mit sich bringt, dann ist es unter anderem der gestiegene Radverkehr. Gleichzeitig hat der Autoverkehr auf den Straßen abgenommen. Warum also nicht auch in Dortmund den Radfahrern mehr Platz geben und von den 16 Metern, die den Autos auf dem Heiligen Weg in Dortmund zur Verfügung stehen ein paar Meter abzwacken, damit Fahrradfahrer angstfrei durch den Stadtverkehr kommen?

Und nicht nur das: Auf den schmalen Schutzstreifen, die Radfahrer in Dortmund aktuell auf den meisten Straßen zur Verfügung stehen, ist es kaum möglich, den Coronabedingten Mindestabstand jederzeit einzuhalten. Auch dafür wäre eine breite Fahrradspur wohl besser geeignet, finden jedenfalls die Befürworter des Pop-up Radwegs.

Dortmund: Pop-up Radweg von hunderten Radfahrern getestet

Ein Bündnis aus zwölf Fahrrad- und Umweltverbänden, darunter der ADFC und NABU, hatte daher vorgeschlagen, an einigen mehrstreifigen Straßen einen Fahrstreifen für den Radverkehr freizuhalten. Darunter der Heilige Weg oder auch die untere Ruhrallee in Dortmund.

Und so testeten 300 Radfahrer am Dienstag (19. Mai) an einer viel befahrenen Straße in der Innenstadt-Ost, am Heiligen Weg, den kurzzeitig in Dortmund eingerichteten Pop-up Radweg. "Von 17 Uhr bis 18 Uhr war der Heilige Weg mit dem Fahrrad entspannt und sicher befahrbar", erzählt Peter Fricke von Aufbruch Fahrrad Dortmund und VeloCityRuhr laut einer Pressemitteilung.

Die Pop-up-Bikelane in Dortmund begeisterte rund 300 Radfahrer

Pop-up Radweg in Dortmund: Mehr als nur ein schmaler Schutzstreifen

Die Straße Am Heiligen Weg sei ein gutes Beispiel für die ungleiche Flächenverteilung in der Stadt: vier Fahrstreifen für den Autoverkehr, plus Parkstreifen. Oft stünden den Autos 16 Meter auf der Straße zu Verfügung, während sich Radfahrer mit einem 1,20 Meter schmalen Schutzstreifen begnügen müssten, so Fricke.

In Dortmund seien viele vierstreifige Straßen für den Autoverkehr völlig überdimensioniert, ergänzt Sven Teschke von Aufbruch Fahrrad Dortmund. Und: "In der Corona-Krise gilt das wegen des stark zurückgegangenen Verkehrs natürlich umso mehr".

Doch alle Pläne, alle Vorschläge und selbst der Testlauf, der laut ADFC gut verlaufen sei, nutzen scheinbar nichts, um Bewegung in die Sache zu bringen. Denn ein entsprechender Vorschlag der Grünen, die Pop-up-Bikelanes in Dortmund für die Zeit der Coronavirus-Krise beizubehalten, wurde abgelehnt.

Pop-up Radweg: Verkehrsausschuss Dortmund lehnt Antrag ab

Am Mittwoch (27. Mai) tagte der Verkehrsausschuss in Dortmund. Den Antrag, kurzfristig Radspuren an verschiedenen Stellen in der Stadt einzurichten, begründete die Grünen-Fraktion mit der veränderten Mobilität in der Krise: mehr Radfahrer, weniger Autos. 

Die SPD-Ratsfraktion hatte daraufhin ebenfalls einen Antrag eingebracht. Demnach sollte erst einmal geprüft werden, ob mit der Einrichtung die Verkehrssicherheit für alle Verkehrsteilnehmer gewährleistet ist und ob die Pop-Up-Bikelanes nicht einer langfristigen Verbesserung des Radverkehrs entgegenstünden.

Dortmund: Politiker sind sich bei Pop-up Radwegen uneinig

Über die Ablehnung des Antrags seiner Fraktion zeigt sich Matthias Dudde von den Grünen äußerst verärgert: "Wenn man jetzt zunächst mal prüfen will, ob kurzfristige Radstreifen sinnvoll sind und wenn ja wo, fährt man die Idee bewusst gegen die Wand". 

Es sei keine Bereitschaft der Verkehrspolitiker zu erkennen, sich tatsächlich für den Radverkehr einzusetzen und jetzt schnell und flexibel Maßnahmen zu ergreifen: "Es geht darum, mit dieser Idee auf die aktuell bestehenden Probleme im Nahverkehr zu reagieren: Fußgänger brauchen jetzt mehr Platz auf den Gehwegen, Radwege auf den Fußwegen erschweren jetzt das Einhalten der Distanzregeln", so Dudde. 

Pop-up Radweg abgelehnt: Verpasste Chance für Dortmund

In Berlin, wo die Pop-up-Bikelanes ebenfalls aufgestellt wurden, wurde ein Regelplan zur "zeitlich begrenzten Einrichtung und Erweiterung von Radverkehrsanlagen" aufgestellt. In Dortmund, so Dudde sei mit der Ablehnung eines entsprechenden Antrags dagegen die Chance vertan worden, Menschen dauerhaft für die Nutzung des Fahrrads zu gewinnen. Für Dudde ist das unverständlich: "Die aktuelle Situation, so schwierig sie auch für uns alle ist, hätte zur Chance werden können."

Ganz anders sieht das die SPD-Fraktion: Pop-up Radwege seien Symbolpolitik. Mit nachhaltiger Verbesserung der verkehrlichen Situation für Radfahrer habe das Konzept wenig zu tun: "Der Antrag zur sofortigen Einrichtung der Pop-Up-Bike-Lanes ist leider nur purer Aktionismus, der nicht nachhaltig ist", so ein Sprecher der SPD.

Rubriklistenbild: © Foto: Aufbruch Fahrrad Dortmund/Sebastian Peter/Tobias Hermesmeyer

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