Kommentar

Polizei Dortmund nennt nicht mehr zwingend Täter-Nationalitäten - warum die Entscheidung gut ist 

NRW-Innenminister Reul will in Pressemitteilungen Nationalitäten sehen - die Polizei in Dortmund nicht immer.
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NRW-Innenminister Reul will in Pressemitteilungen Nationalitäten sehen - die Polizei in Dortmund nicht immer.

Die Polizei in Dortmund nennt in ihren Meldungen nicht mehr zwingend die Herkunft der Täter. Die Entscheidung ist zu begrüßen. Ein Kommentar.

  • Die Polizei in Dortmund verzichtet auf die zwingende Nennung von Nationalitäten in Pressemeldungen.
  • CDU-Innenminister Reul hatte das im vergangenen Jahr gefordert.
  • RUHR24-Redakteur Daniele Giustolisi erklärt, warum die Entscheidung der Dortmunder Polizei gut ist.

Dortmund - Über die Nennung von Nationalitäten in Polizeimeldungen gibt es geteilte Meinung. Die einen meinen, die Herkunft eines Täters sollte immer genannt werden, um Missstände aufzuzeigen, die anderen sind der Ansicht, die Nationalität spiele nur bei gewissen Delikten eine Rolle und müsse nicht immer genannt werden.

Innenminister Reul forderte Nationalitäten-Nennung

Im vergangenen Jahr hatte NRW-Innenminister Herbert Reul angekündigt, die Nationalität von Tatverdächtigen grundsätzlich öffentlich machen zu wollen - als Beitrag zur Transparenz. Sechs Monate lang hatte sich die Dortmunder Polizei an den Wunsch von NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) gehalten.

Polizei Dortmund will sich an Ministererlass von 2011 halten

Wie der WDR nun berichtet, ist es damit aber (vorerst) vorbei. Die Polizei Dortmund hält sich dem Bericht zu Folge ab sofort wieder an den derzeit geltenden Ministererlass von 2011. Und der lautet:

"Auf die Zugehörigkeit zu einer Minderheit wird in der internen und externen Berichterstattung nur hingewiesen, wenn sie für das Verständnis eines Sachverhalts oder für die Herstellung eines sachlichen Bezugs zwingend erforderlich ist."

Es ist gut, dass die Polizei in Dortmund wieder zu dieser Praxis übergangen ist. Denn Transparenz wird mit der zwingenden Nennung der Nationalitäten von Tatverdächtigen nicht geschaffen, wie von Reul gefordert. Die Nennung einer Nationalität von Tätern oder Tatverdächtigen zeigt nur eines: die Nationalität. Weitere Hintergründe, etwa die sozialen Umstände, werden dadurch nicht thematisiert.

Pressemitteilungen der Polizei wirken verzerrend

Verzerrend wirkt bei Pressemitteilungen der Polizei auch, dass nicht jede Straftat zur Pressemitteilung wird. Und nicht jede Pressemitteilung wird von Medien aufgegriffen. Passieren in einer Stadt also zum Beispiel zehn Straftaten, die von Ausländern begangen wurden und in Pressemeldungen verarbeitet werden, verzerren sie das Bild, wenn 100 weitere von Deutschen begangen wurden und nicht als Pressemitteilung verarbeitet werden.

Ein Trugschluss ist auch die Angabe der Nationalität, wenn es sich um Menschen mit Migrationshintergrund handelt, die den deutschen Pass besitzen - oder andersherum, um Ausländer, die ihr Leben lang in Deutschland leben und keinen deutschen Pass haben. Welchen Sinn ergibt da noch die Nennung der Nationalität, ohne die Hintergründe zur Person zu kennen?

Nicht grundsätzlich Nationalitäten nicht nennen

Nicht falsch verstehen: Mir geht es nicht darum, dass grundsätzlich keine Nationalitäten in Kriminalberichten genannt werden sollen. Wir von RUHR24.de nennen nach wie vor die Herkunft eines Täters, wenn begründetes öffentliches Interesse besteht und die Angaben für das Verständnis der Tat wichtig sind. In dieser Hinsicht halten wir uns an die Ziffer 12.1 im Pressekodex.

Da ändert auch der absurde Wunsch eines CDU-Ministers nicht viel dran.

Dieser Kommentar entspricht der Meinung des Autors/der Autorin und muss nicht unbedingt die Ansicht der gesamten Redaktion widerspiegeln.

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