Drohungen gegen Polizeipräsidenten

Polizei Dortmund reagiert auf Veränderung an dieser Wand im „Nazi-Kiez“

Emscherstraße Dortmund-Dorstfeld Nazi-Kiez
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Um diese Wand in Dortmund-Dorstfeld tobt seit Jahren ein Kleinkrieg zwischen der Polizei und Neonazis.

Im sogenannten „Nazi-Kiez“ von Dortmund ist erneut Stunk um die bekannte Wand in der Emscherstraße entfacht. Polizeipräsident Gregor Lange wird bedroht.

Dortmund – Es ist zwar nur eine Wand, aber sie zeigt, wer das Sagen in Dortmund-Dorstfeld hat. Jahrelang prangte dort der Schriftzug „Nazi-Kiez“ kombiniert mit der schwarz-weiß-roten Reichsflagge, bis Polizei und Stadt dem Spuk endlich ein Ende bereiteten. Doch nachdem lange Zeit Ruhe und der bunte Schriftzug „Our colours are beautiful“ auf der Wand zu lesen war, hat sich das Aussehen nun wieder verändert.

Dortmund: Wand in „Nazi-Kiez“ Dorstfeld mit Angriff auf Polizeipräsident Gregor Lange

Die Polizei Dortmund ermittelt seit vergangenem Wochenende jedenfalls gegen unbekannte Täter, die den Schriftzug an der Emscherstraße übersprüht haben sollen – was nicht zum ersten Mal passiert ist. „Anlass für die Ermittlungen ist eine auf die Mauer geschriebene Bedrohung gegen den Dortmunder Polizeipräsidenten“, schreibt die Polizei in einer Mitteilung, ohne näher auf den Inhalt der Bedrohung einzugehen.

Laut der Neonazi-Partei „Die Rechte“ soll auf der Wand in schwarzer Farbe „Lange auf‘s Maul“ gestanden haben. Ein von der Partei auf Twitter verbreitetes Foto zeigt fünf Beamte der Polizei Dortmund vor dem Schriftzug. Er verdeckt die ersten beiden Buchstaben von „Colours“.

Polizei Dortmund entfernt Schriftzug auf Wand in „Nazi-Kiez“ an der Emscherstraße

Die Polizei machte den Schriftzug nach Entdeckung am Wochenende noch am Sonntag (8. August) zunächst unkenntlich. Die Stadt Dortmund ließ die Schmiererei in der Emscherstraße dann umgehend entfernen.

Drei Tage nach der Aktion hat die Dortmunder Polizei bereits ein Fazit gezogen. Sie bewertet das Ganze als Straftat und sieht darin ein „Zeichen der Schwäche und Perspektivlosigkeit der rechtsextremen Szene.“

Polizei Dortmund will Nazi-Aktion in Dorstfeld als Argument für Videoüberwachung nutzen

Die Sprüh-Aktion könnte den Rechtsextremen in der Emscherstraße teuer zu stehen kommen. Die Polizei wolle sie jedenfalls vor Gericht als Argument für eine Videoüberwachung nutzen.

Derzeit hängt ein Verfahren noch in der Luft. In einer ersten Entscheidung wurde der Polizei das Aufstellen von Videokameras im „Nazi-Kiez“ verboten. Über den Einsatz der Videotechnik in der Emscherstraße entscheidet in einem Hauptsacheverfahren nun ein Verwaltungsgericht.

Dortmund: Polizei vermutet Propaganda-Aktion von übergebliebenen Neonazis

Die Polizei Dortmund vermutet indes, dass die derzeit stark geschwächte Neonazi Szene – viele führende Köpfe sind weggezogen oder im Gefängnis – durch die übriggebliebenen Rechtsextremen mit „Propaganda-Delikten“ versuche, möglichst viel Aufmerksamkeit zu erzeugen.

Der leitende Kriminaldirektor Walter Kemper kündigt deshalb an: „Wir haben gezeigt, dass unsere Ermittlungsergebnisse zu Anklagen und Verurteilungen führen können. Die Szene sollte wissen, dass wir Straftaten aktiv bekämpfen.“

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