Polizei klärt auf

Erpressung und Nötigung: Straftaten von Jugendlichen – Schulen in Dortmund stark betroffen

Immer mehr junge Dortmunder werden Opfer von Gewalttaten im Netz. Davor warnt aktuell die Polizei Dortmund. Eine Schule ist besonders betroffen.

Dortmund – In der entsprechenden Mitteilung gibt die Polizei Dortmund an, dass es derzeit vergleichsweise viele Ermittlungsverfahren gebe, bei denen es um Nötigung, sexuellen Missbrauch, Bedrohung und Erpressung in Chats gehe. Jugendlichen und deren Eltern wollen die Beamten jetzt mit Aufklärungsarbeit Hilfe bieten.

DortmundStadt in NRW
Fläche280,7 km²
Bevölkerung587.010 (Stand 2019)

Polizei Dortmund: Auch der Besitz von entsprechenden Fotos ist strafbar

Polizeipräsident Gregor Lange erklärt dazu: „Unsere Präventionsangebote zum sicheren Umgang mit dem Internet gibt es bereits seit 2007. Mit der Smartphone-Technik wurde unsere Zielgruppe immer jünger – auch die Täter nutzen das Internet immer stärker.“ Jugendliche sind dabei längst nicht mehr nur Opfer von Straftaten, sondern werden auch zu Tätern – oder Mittätern (mehr Blaulicht-News aus dem Ruhrgebiet auf RUHR24).

Wichtig zu wissen: Nicht nur das Versenden von solchen Chatnachrichten, sondern auch ihr Besitz ist strafbar. Die Dortmunder Zahlen sprechen dabei für sich: So waren im Jahr 2020 an einer Dortmunder Schule 140 Jungen und Mädchen von Ermittlungen betroffen. In einem aktuellen Fall sind es sogar 400 Schüler einer Dortmunder Schule.

Der Polizeipräsident von Dortmund, Gregor Lange, will mehr Aufklärungsarbeit bei Schülern und Eltern leisten.

Dortmund: Intime Fotos in der Klasse geteilt – 14-Jährige macht sich strafbar

Als eines von mehreren konkreten Beispielen für solche Straftaten nennt die Polizei Dortmund das folgende: Zwei Schülerinnen (13 und 14 Jahre alt) tauschten zunächst vertraulich intime Fotos aus. Die Beamten betonen: Je nach Art der Bilder könne dabei bereits eine Straftat vorliegen und die Polizei hätte beide Handys beschlagnahmen können.

Anschließend zerbrach die Freundschaft: Um sie vor der Klasse bloßzustellen, veröffentlichte die 14-Jährige online Nacktfotos ihrer ehemaligen Freundin, die alle Klassenmitglieder sehen konnten. Die 14-Jährige hatte mit dem Versenden des Bildes erneut eine Straftat begangen.

Polizei Dortmund: Die meisten Hinweise für strafbare Bilder kommen aus Schulen

Neun von zehn Hinweisen auf eine solche Straftat kämen aus den Schulen, erklären die Beamten. Opfer wie Täter kämen aus allen Bevölkerungsschichten und seien im Durchschnitt zwischen 12 und 16 Jahren alt.

Bestätigt sich ein Verdacht, beschlagnahme die Polizei die Smartphones der betroffenen Jugendlichen. Weiter warnt die Polizei Dortmund: Bei der Durchsicht der Handys stoße man dann immer häufiger auf weiteres strafbares Material.

Dortmund: Vielen Schülern fehlt laut der Polizei das Unrechtsbewusstsein

Das Problem ist relativ neu – und gleichsam ist es schwierig, ihm zu begegnen. Viele Kinder erhalten schon im Grundschulalter ihr erstes eigenes Smartphone – spätestens aber auf der weiterführenden Schule. Eltern sind hier in der Verantwortung, mit ihren Kindern über die Internetgefahren zu sprechen oder sogar die Handys ihrer (kleineren) Kinder regelmäßig zu kontrollieren. Auch dann, wenn sie ihren Sprösslingen eigentlich vertrauen.

Denn Kinder, die solche – teilweise verstörenden – Bilder erhalten sind oftmals beschämt und schweigen. In anderen Fällen sind sie sich keiner Straftat bewusst. „Wieso? Die anderen machen das doch auch“, hörten die Beamten dann oft, wie die Polizei Dortmund erklärt.

Neben Cybermobbing unter Jugendlichen ist die Verbreitung solcher Bilder durch oder an Jugendliche, die Gewalt, sexuellen Missbrauch oder auch volksverhetzende Inhalte zeigen, ein weiteres großes Problem im Zuge der Digitalisierung.

Polizei Dortmund: Eltern erfahren zumeist als Letzte von den Taten

Tatsächlich erführen die Eltern sogar „in den meisten Fällen“ als Letzte von den Taten. „Weil sie nicht wissen, wie ihre Kinder die Smartphones nutzen und wie sie den Zugang zu bestimmten Internetseiten sperren können“, sagen die Jugendkontaktbeamten Katja Wittmann-Jodscheit und Mark Poltrock, die zuständig für Schulen in Lünen und Dortmund sind.

Wie Mark Poltrock weiter erklärt, sei es besonders wichtig, dass Kinder lernten, wann das Versenden eines Bildes oder Videos eine Straftat ist. Und weiter: „Sie müssen ein Unrechtsbewusstsein entwickeln. Vor allem auch müssen sie die kriminelle Absicht eines Chat-Partners oder einer Chat-Partnerin erkennen und die Kommunikation sofort unterbrechen können, um sich selbst vor einer Straftat zu schützen.“

Straftaten in Chats: Polizei gibt Eltern Tipps, was zu tun ist

Die Polizei NRW nennt unter anderen die folgenden Alltags-Tipps für Eltern, um solchen Gefahren vorzubeugen:

  • Sämtliche (Privatsphäre-)Einstellung der Handys der Kinder kennen.
  • Auf dem neuesten Stand bleiben und beispielsweise immer wissen, welche Geräte und Apps Kinder nutzen.
  • Das offene Gespräch mit den Kindern suchen und diese über Gefahren aufklären.
  • Der Medienkonsum der Kinder muss klaren Regeln unterliegen.
  • Im Fall des Falles unbedingt an die zuständige Polizeidienststelle wenden.

Bei entsprechenden Problemen sollten Eltern und Jugendliche Hilfe bei der Polizei suchen. Weiterführende Informationen zum Thema finden Eltern zudem auf der mit entsprechenden Seite des Polizeipräsidiums Dortmund.

Rubriklistenbild: © Martin Schutt/dpa

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