Lösung für Anwohner?

Dortmund soll neue Party-Locations bekommen – die Orte sind ungewöhnlich

Nächtliche Partys rund um den Westpark haben in Dortmund eine gewisse Tradition. Für Anwohner ist das oft ärgerlich. Die FDP schlägt eine Lösung vor.

Dortmund – Das Areal rund um den U-Turm in Dortmund ist ein beliebter Treffpunkt für lange Sommerabende unter freiem Himmel. Als Feierzone ähnlich beliebt ist die Möllerbrücke im Kreuzviertel. Für die Partys dort hat sich sogar ein eigener Begriff etabliert: das „Möllern“. Eines haben beide Party-Hotspots gemeinsam: Leidtragende sind die dortigen Anwohner.

StadtDortmund
BundeslandNordrhein-Westfalen
RegierungsbezirkArnsberg
OberbürgermeisterThomas Westphal (SPD)

Dortmund: „Möllern“ und Partys am U-Turm sind Problem für Anwohner – FDP macht Vorschlag

Die Dortmunder FDP fordert deshalb von Oberbürgermeister Thomas Westphal (SPD) die kurzfristige Ausweisung alternativer Partyzonen, wie es in einer Pressemitteilung heißt. Sogenannte „Pop-Up-Partyzonen“ sollen demnach die ausgelassenen Feiern an der Möllebrücke in Dortmund und am U-Turm entschärfen.

Die Anwohnerdichte sei an diesen Orten zu hoch, sagt Roman Senga (FDP), der dem Ratsausschuss für Kultur, Sport und Freizeit angehört. „Aber dafür brauchen die jungen Menschen auch Alternativen.“ Offiziell ausgewiesene Pop-Up-Partyzonen in Dortmund könnten laut der FDP dafür sorgen, dass nicht immer die gleichen Anwohner von den nächtlichen Partys betroffen sind.

Dortmund: Im Stadtgebiet wechselnde „Pop-Up-Partyzonen“ statt Hotspots am Westfalenpark

Die Zonen sollen entsprechend der Vorstellung der Freien Demokraten im Stadtgebiet räumlich wechseln. Es müsse zudem klare Regeln geben, die etwa eine Endzeit und die maximale Lautstärke für Musik bestimmen. Das Landesimmissionsschutzgesetz der Stadt würde Ausnahmen vom Schutz der Nachtruhe ermöglichen. Dennoch solle Feiernden klargemacht werden, dass Verstöße gegen die Regeln konsequent geahndet werden.

Senga will mit der Forderung eine Marschrichtung vorgeben, die über die Feier-Problematik am Dortmunder U-Turm und an der Möllerbrücke hinausgeht. „Eine lebendige Stadt braucht Freiräume für junge Menschen. In der Vergangenheit haben Anwohner-Beschwerden, Lärmschutz und die Umwandlung von Gastronomie-Flächen in Shopping-Center oder Büro-Projekte dieser Lebendigkeit schwere Schläge versetzt“, so der FDP-Politiker.

Gibt es in Dortmund zu wenig Freiräume für junge Menschen?

Kritik an der geforderten Party-Revolution in Dortmund kommt von den Grünen. Nach Monaten des Verzichts während der Corona-Pandemie sei es der falsche Weg, jetzt „die typischen Treffpunkte an der Möllerbrücke oder am U in Frage zu stellen“, so Grünen-Politikern und Ratsmitglied Hannah Sassen (mehr News aus Dortmund bei RUHR24).

Dortmund: Grüne lehnen Party-Vorschlag der FDP ab – Möllerbrücke soll nicht in Frage gestellt werden

Der Vorschlag der FDP erscheine nicht durchdacht. „Die Menschen treffen sich da, wo sie sich treffen wollen, nicht in vorher geplanten und festgelegten Zonen.“ Der Vorschlag greife zu kurz und ließe sich nicht so einfach umsetzen. Statt weniger bräuchte es in Dortmund mehr belebte Orte und mehr attraktive Angebote für junge Menschen in den späten Abendstunden.

Die Grünen fordern stattdessen Lösungen, bei denen die Anwohner mitgenommen werden und die nicht in Konkurrenz zur bereits schwer von den Anti-Corona-Maßnahmen getroffenen Kneipen- und Clubszene stehen. Würden in Dortmund Pop-Up-Partyzonen ausgewiesen, in denen potenziell über 500 Menschen bis tief in die Nacht feiern, sei Ärger mit Anwohnern vorprogrammiert.

Dortmund sucht Party-Areale: Liefert die Nachtbürgermeisterei die Lösung?

Geht es nach Grünen-Politikerin Katrin Lögering, ebenfalls Mitglied im Ausschuss für Kultur, Sport und Freizeit, sollte sich die Ende 2020 in Dortmund eingeführte Nachtbürgermeisterei dem Problem annehmen. Die soll die Nachtkulturszene in der Stadt vorantreiben und bei Konflikten vermitteln. Ein entsprechendes Konzept dazu sei bereits mit der Verwaltung erarbeitet worden und liege seit März 2021 vor.

Die Debatte zeige aber auch, so Lögering, dass es eine grundlegende Diskussion um die Schaffung von öffentlichem Raum und dessen Nutzung geben müsse. „Dabei müssen die Bedürfnisse der Menschen nach Gesellschaft und nach gemeinsamen Zusammentreffen auch ohne kommerziellen Druck berücksichtigt werden.“ Das sei auch für bevorstehende Großprojekte in Dortmund eine wichtige Aufgabe.

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