Sensation in der Innenstadt

Spektakulärer Fund in Dortmund stellt Archäologen vor ein Rätsel 

Archäologen fanden am Dortmunder Ostentor Überreste eines Wassergrabens. Dieser geht auf das 16. Jahrhundert zurück.
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Archäologen fanden am Dortmunder Ostentor Überreste eines Wassergrabens. Dieser geht auf das 16. Jahrhundert zurück.

Innerhalb kurzer Zeit haben Archäologen in Dortmund einen dritten spektakulären Fund gemacht. Das Relikt aus dem Mittelalter gleicht einer Sensation.

  • Archäologen haben in Dortmund erneut einen sensationellen Fund gemacht.
  • Am Ostentor wurden die Überreste eines Wassergrabens gefunden.
  • Eigentlich soll am östlichen Ende der Stadt nur ein Leitungsnetz freigelegt werden.

Dortmund - Erneut gelang Archäologen der Stadt Dortmund einen Sensationsfund. Erst im Juli dieses Jahres wurden bauliche Überreste des Dortmunder Ostentors gefunden. Nun sind erneut Überreste gefunden worden, die auf eine weitere Bauanlage schließen.

Stadt

Dortmund

Einwohner

603.609 (Stand: Dezember 2019)

Fläche

280,7 km²

Dortmund: Archäologen finden mittelalterliche Überreste am Ostentor

Das mittelalterliche Vorwerk des Ostentors und Teile des mittelalterlichen Hellwegpflasters in Dortmund wurden erst im Juli 2020 bei Bauarbeiten gefunden. Nun machen Archäologen einen neuen Fund, der an das Vorwerk des Ostentors direkt anschließt (mehr Nachrichten aus Dortmund bei RUHR24).

"Den Archäologen der Firma LQ-Archäologie ist es gelungen, eine bislang völlig unbekannte, etwa fünf bis sechs Meter breite und ehemals wasserführende Grabenstruktur unmittelbar vor dem Vorwerk des Ostentors zu belegen", berichtet Ingmar Luther von der städtischen Denkmalbehörde.

Feuer im 13. Jahrhundert zerstört alte Aufzeichnungen von Dortmund

Das Besondere an dem Fund ist aber, dass niemand damit gerechnet hat. In keiner historischen Quelle lassen sich Informationen zu dem Wassergraben am Dortmunder Ostentor finden.

Ein Grund dafür könnte das unvollständige Bild der Stadt sein. Im Jahr 1232 kam es in Dortmund zu einem verheerenden Brand. Dieses zerstörte nicht nur das gesamte Stadtbild, sondern auch alle damals existierenden Überlieferungen der Stadt.

Stadtbilder aus Dortmund erst seit dem 15. Jahrhundert verfügbar

Was wir heute über das mittelalterliche Dortmund wissen, beruht nur auf Bildern ab dem 15. Jahrhundert – ziemlich neue Bilder, wenn man das mit Aufzeichnungen von anderen Städten vergleicht. 

Der Nachbarkreis Unna wurde schriftlich das erste Mal im 11. Jahrhundert erwähnt. Erste Siedlungen auf dem Gebiet der heutigen Stadt gab es jedoch schon im Jungsteinalter, mehrere Jahrtausende vor Christus.

Archäologen finden am Dortmunder Ostentor Überreste des gepflasterten Hellwegs

Der Fund des alten Wassergrabens am Ostentor deckt immer mehr über die Vergangenheit von Dortmund auf. Kurz zuvor wurden erst mehrere Phasen des gepflasterten Hellwegs aus unterschiedlichen Zeiten freigelegt. 

Womöglich soll die älteste Pflasterung sogar älter sein, als die Stadtbefestigung selbst. Diese Annahme muss aber erst noch bestätigt werden.

Ostentor im 16. Jahrhundert: Zwei Wachtürme schützte Dortmund vor Angreifern

Über Jahrhunderte hinweg wurde das Ostentor immer weiter ausgebaut. Das zuletzt gefundene Vorwerk bekam um 1520 zwei Ecktürme, die als Wachhäuschen eingesetzt worden sind.

Video: Archäologen finden Teile des Ostentors und den mittelalterlichen Hellweg

Der östliche Eingang des Ostentors wurde dann später auf die südliche Flanke verlegt – soweit die Überlieferung. Von einem Graben lässt sich jedoch in keiner existierenden Aufzeichnung etwas finden.

Archäologischer Fund in Dortmund: Wassergraben am Ostentor entdeckt

"Allerdings finden sich Parallelen am Dortmunder Befestigungswerk. Diese helfen, das Rätsel zu lösen", hofft Ingmar Luther. Man vermutet, dass ein solches Grabensystem am O stentor existiert hat.

Der dritte Wassergraben am Ostentor sollte die über den Hellweg anrückenden Angreifer daran hindern, die Leitern an die Tormauern anzulehnen, um anschließend das Tor anzugreifen. Stattdessen mussten sie erst durch die Wassergräben vor den zwei Hellwegtoren waten, erklärt Luther.

Dortmund Ostentor: Aus dem Wassergraben wurde ein Garten

Der Vorgraben wurde allerdings in der Mitte des 16. Jahrhunderts schon wieder aufgelöst. Neuartige Waffen haben die Funktion überflüssig gemacht. Doch die vorhandene Fläche blieb nicht ungenutzt, sondern wurden in Gärten umgewandelt.

Archäologen fanden am Dortmunder Ostentor einen Wassergraben. Die eingeschlagenen Nägel demonstrieren die einzelnen Schichten.

Vermutlich wurde in dem Zug auch der Wassergraben am Ostentor verfüllt. Keramikfunde aus der Verfügung des Grabens lassen sich auf die zweite Hälfte des 16. Jahrhunderts datieren und bestätigen die Theorie der Archäologen.

Experten vermuten weitere archäologische Funde am Dortmunder Ostentor

Eigentlich sollten am Ostentor nur Tiefbauarbeiten für ein neues Leitungsnetz der DEW21 freigelegt werden. Doch nun kommen an dem historischen Ort immer mehr mittelalterliche Funde ans Tageslicht.

Die Archäologen erwarten, dass im Laufe der nächsten Wochen und Monate noch weitere Überreste der Stadt gefunden werden. Diese werden dafür sorgen, dass man schlussendlich trotz verheerendem Feuer im 13. Jahrhundert ein deutlicheres Bild der alten Stadt Dortmund erhält.

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