Angst vor Atomwaffen

Dortmunder OB Thomas Westphal ist „Mayor for Peace“ - was es mit der Position auf sich hat

In Dortmund ist man besorgt über die Bedrohung durch Atomwaffen. Frieden sei nicht selbstverständlich, betont Oberbürgermeister Thomas Westphal.

Dortmund – Jeder Einsatz von Atomwaffen würde katastrophale Folgen nach sich ziehen. Für Mensch und Umwelt, für die direkte Umgebung aber auch für die ganze Welt, unmittelbar und auch noch lange Zeit danach. Und dennoch lagern in NRW noch immer Atomwaffen, bereit zum Einsatz und als Zeichen der „atomaren Abschreckung“. Dortmund will dem nun ein Ende setzen – mit einer deutlichen Forderung an die Bundesregierung.

StadtDortmund
OberbürgermeisterThomas Westphal
Einwohner 588.250

Dortmund begrüßt Inkrafttreten des Atomwaffenverbotsvertrag

Am Freitag (22. Januar) tritt der Atomwaffenverbotsvertrag in Kraft. 51 Staaten haben ihn unterzeichnet. Doch Deutschland - wie auch alle anderen Atommächte - fehlt. Auch vier Jahre, nachdem in einer UN-Generalversammlung 122 der 193 Mitgliedsstaaten den Vertrag zum Verbot aller Atomwaffen unterzeichneten haben, ignoriert die Bundesregierung den Atomwaffenverbotsvertrag weiter. Doch Dortmund und viele andere Städte in Deutschland wollen das so nicht weiter akzeptieren (mehr News aus Dortmund auf RUHR24.de).

„Dieser Vertrag ist ein Erfolg der internationalen Diplomatie zur Stärkung des Friedens in einer Welt, die zunehmend unruhiger wird“, heißt es dazu in einer Pressemitteilung der Stadt. Jetzt seien die Atomwaffen ebenso international geächtet wie chemische oder biologische Waffen. Der Forderung, dass sich auch die Bundesregierung mit dem Vertrag befassen muss, schloss sich Dortmund bereits am 28. März 2019 an.

In der Begründung hieß es damals: „Die Stadt Dortmund ist zutiefst besorgt über die immense Bedrohung, die Atomwaffen für Städte und Gemeinden auf der ganzen Welt darstellt.“ Doch jeder Einwohner hätte das Recht auf ein Leben frei von Bedrohungen. Jeder Einsatz einer Atomwaffe, ob vorsätzlich oder versehentlich, hätte jedoch katastrophale Folgen.

Dortmund hat lange Tradition in der Friedensbewegung

Weiter heißt es, dass Dortmund zudem eine lange Tradition in der Friedensbewegung hätte – und sei gegen eine militärische Aufrüstung. Die Oberbürgermeister seien stets Mitglied der „Mayors of Peace“ – also der Bürgermeister für den Frieden – gewesen. Auch zu den „Cities for a Nuclear Free Europa“ – also den Städten für ein atomwaffenfreies Europa – gehört Dortmund dazu.

Dennoch lagern nicht weit von Dortmund entfernt, in der Eifel, in unterirdischen Bunkern etwa 20 Atombomben. Wie der Spiegel berichtet, jede mit einer Sprengkraft von etwa 50 Kilotonnen – also mit gut dreimal mehr Sprengkraft als die Hiroshima-Atombombe. Sie sind ein Überbleibsel des kalten Krieges und gehören den US-Amerikanern.  Zudem ist Deutschland NATO-Bündnispartner. Wegen der „Nuklearen Teilhabe“ haben die USA hier Atombomben stationiert.

Immer wieder demonstrieren Menschen in Deutschland für die Abschaffung der Atomwaffen.

Dabei trete in Deutschland die Mehrheit der Bevölkerung für die Abschaffung der Atomwaffen ein, so eine Sprecherin Stadt Dortmund. Das Prinzip der „Atomaren Abschreckung“ drohe mit dem Szenario einer kompletten Vernichtung des Gegners. Eine Modernisierung der Arsenale wie es die US-Regierung mit den Waffen aus der Eifel 2019 plante, verkürze die Vorwarnzeiten. Die „nicht mehr steuerbare Eskalation“ wachse.

Dortmunds OB Thomas Westphal sorgt sich um Frieden in Europa

Auch der Oberbürgermeister aus Dortmund, Thomas Westphal sorgt sich um den Frieden in Europa. „Wir sollten den Frieden in Deutschland und Europa, in dem wir seit mehr als 70 Jahren leben, nicht als selbstverständlich ansehen. Er erkennt das Inkrafttreten des Atomwaffenverbotsvertrags als einen Schritt an, um den Frieden weiter zu festigen.

Das Inkrafttreten des Atomwaffenverbotsvertrags ist ein Schritt, um den Frieden weiter zu festigen.

Thomas Westphal, Oberbürgermeister von Dortmund

Bis sich auch Deutschland an dem Vertrag beteiligt, sieht die Stadt Dortmund es als politische und moralische Unterstützung auf dem Weg zu einer atomwaffenfreien Welt an. Die Stadt will sich deshalb weiterhin dafür einsetzen, auch wenn Außenminister Heiko Maas laut tagesschau bis heute wenig vom Atomwaffenverbotsvertrag hält: Allein die Verabschiedung von dem Konzept der „Nuklearen Teilhabe“ würde nicht dazu führen, dass es „auch nur eine Atombombe weniger auf der Welt“ gäbe.

Vonseiten der Regierung heißt es weiter: Solange auch nur ein Staat auf der Welt noch auf diese Waffen setze, seien auch Deutschland und Europa bedroht. Und so bestehe die Notwendigkeit zum Erhalt einer nuklearen Abschreckung fort.

Rubriklistenbild: © Fotos: Thomas Frey/dpa/Stadt Dortmund; Collage RUHR24

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